"Feuerherz"-Streit Verlag unterstellt Kampagne

War sie Kindersoldatin oder nur ein Kind des Krieges? Im Streit um das Buch "Feuerherz" von Senait Mehari stellt sich ihr Verlag hinter die Autorin - aber mit nicht mehr ganz so feurigem Herzen.


Hamburg - "Die erneute Kampagne gegen Frau Mehari stellt lediglich den Versuch dar, sie mundtot zu machen", hieß es in einer Stellungnahme ihres Verlages. Damit reagierte Droemer Knaur noch am selben Abend auf einen gestern ausgestrahlten Bericht des NDR-Magazins "Zapp". Die Sendung hatte eine Klage von zwei Eritreern, die beim Landgericht Hamburg eingegangen war, und einen Strafbefehl des Berliner Amtsgerichts Tiergarten gegen Mehari publik gemacht.

Autorin Mehari: Zweifel an der Glaubwürdigkeit
DDP

Autorin Mehari: Zweifel an der Glaubwürdigkeit

Der erneute Zweifel an der Glaubwürdigkeit von "Feuerherz" setzt nun auch die Berlinale-Macher unter Druck. "Feuerherz" wurde vom Regisseur Luigi Falorni verfilmt und feiert in zwei Wochen auf der Berlinale Premiere. Der Film läuft als deutsche Produktion im offiziellen Wettbewerb. Berlinale-Sprecherin Frauke Greiner wollte trotz der neuen Vorwürfe nicht von dem Film abrücken: "Wir zeigen einen Film von Luigi Falorni und eine Geschichte über Kindersoldaten in Afrika. Wir zeigen nicht den Film der Frau". Der Film sei eine Fiktionalisierung und auch die Figuren seien fiktionalisiert. Ob es damit für die Berlinale-Macher allerdings getan ist, bleibt fraglich. Wie die "Süddeutsche Zeitung" am Donnerstag berichtete, erwägt die Anwältin der beiden Eritreer, auch gegen die Kinoversion des Buches vorzugehen.

Auch Droemer Knaur zeigt sich trotz der vermeintlich vollmundigen Verteidigung seiner Autorin erkennbar unter Druck. Der Verlag betonte ausweichend, dass Meharis Buch ein Stück Zeitgeschichte wiedergebe. Es sei ihr darum gegangen, Position gegen den Krieg an sich zu beziehen und um "die Sensibilisierung für die Situation von Kindersoldaten, die es unstreitig in Eritrea gegeben hat und bis heute auf der Welt gibt". Dass alle Fakten stimmen, behauptet der Verlag hingegen nicht und wirft sich stattdessen in eine moralisierende Pose: Die Kläger versuchten, die Glaubwürdigkeit der Autorin zu erschüttern. Damit werde der Missbrauch von Kindern in Kriegen verharmlost.

Laut "Zapp" haben die Kläger, ein Mann und eine Frau, gemeinsam mit Mehari eine zeitlang in einem Lager einer eritreischen Rebellenorganisation gelebt. Sie wehren sich gegen die Darstellung in Meharis Buch, das Lager sei ein Ausbildungscamp für Kindersoldaten gewesen und sehen ihre Persönlichkeitsrechte verletzt.

Die klagende Frau hatte zudem bereits im Dezember Strafanzeige gegen Mehari wegen übler Nachrede gestellt. Dem NDR zufolge hatte Mehari die Frau in ihrem Buch sowie in Interviews namentlich benannt und als "brutale Kommandantin" bezeichnet. Das Berliner Amtsgericht Tiergarten erließ daraufhin Strafbefehl und verpflichtete die Autorin zu einer Zahlung von 9000 Euro. Das Urteil ist allerdings nicht rechtskräftig, weil dagegen laut Verlag Einspruch eingelegt worden ist.

In dem umstrittenen Buch "Feuerherz" erzählt Mehari ihre Lebensgeschichte als Kindersoldatin in einer Rebellenarmee. Nach Anschuldigungen, ihr Buch verfälsche die Wahrheit, hatte die Autorin bereits letztes Jahr darauf verwiesen, dass ihre Bezeichnung als "Kindersoldatin" eine Erfindung der Medien gewesen sei.

cc/AP



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