Katholischer "Filmdienst" Deutschlands älteste Filmzeitschrift vor dem Aus

Das von der katholischen Kirche finanzierte Magazin "Filmdienst" ist die älteste Filmzeitschrift Deutschlands. Jetzt wurde beschlossen, sie nach fast 70 Jahren einzustellen.

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DPA/ Constantin

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Der "Filmdienst", Deutschlands älteste Zeitschrift für Filmkritik, wird eingestellt. Das bestätigte der Verlag dreipunktdrei gegenüber dem Verband der Deutschen Filmkritik in einem Schreiben, das SPIEGEL ONLINE vorliegt. Darin wird deutlich: Unter den aktuellen finanziellen Vorgaben und angesichts der sinkenden Auflage ist es nicht möglich, den Filmdienst als gedruckte Zeitschrift weiter fortzuführen.

Derzeit werde darüber nachgedacht, "Filmdienst" als reinen Online-Auftritt weiterzuführen. Seit bereits einem Jahr gebe es entsprechende Gespräche mit Betroffenen und Experten. Entschieden sei jedoch noch nichts - in welcher Form, in welchem Umfang und mit wie vielen redaktionellen Mitarbeitern der "Filmdienst" weitergeht, bleibt unklar. Mit einer Entscheidung sei frühestens Ende November zu rechnen.

Der "Filmdienst" erscheint alle 14 Tage, neben der "epd-Film", seinem evangelischen Pendant, gilt sie als wichtigste religiöse Filmzeitschrift in Deutschland. 2013 wurde das Magazin mit neuer Gestaltung und Struktur relauncht, die verkaufte Auflage lag damals bei 3.307 Exemplaren. Die Zahlen sanken in den folgenden Jahren weiter. 2015 hatte "Filmdienst" eine verkaufte Auflage von 2.956 Exemplaren.

Die Zeitschrift erschien zum ersten mal im Jahre 1947 unter dem Namen "Filmdienst der Jugend". 1949 wurde sie in "Filmdienst" umbenannt. Seit den Fünfzigern rezensiert der "Filmdienst" alle Filme, die in Deutschland im Kino anlaufen. Zudem erschienen längere Auseinandersetzungen mit Filmen sowie Regie- und Schauspielerportraits. Später auch DVD-Rezensionen und Berichte von Filmfestivals. Auch das "Lexikon des Internationalen Films", welches 1987 erstmals erschienen ist, wird vom "Filmdienst" erarbeitet.

Zu Beginn war der "Filmdienst" eine Zeitschrift, die sich auch inhaltlich an katholischen Glaubensprinzipien orientierte. Ab den Sechzigerjahren wurde die Publikation zunehmend unabhängiger. Oft hatte die Zeitschrift eine andere Haltung zu Filmen als die Deutsche Bischofskonferenz.

Der Verband der Deutschen Filmkritik kritisiert die Einstellung der Zeitschrift in einem offenen Brief an Kardinal Reinhard Marx, den Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz. Dort heißt es: "Wir appellieren an die Katholische Kirche, die Bewegtbilder nicht leichtfertig der von ökonomischen Aspekten geleiteten Filmverwertung zu überlassen und sich weiterhin engagiert, filmhistorisch und ästhetisch kompetent zu äußern." Man erwarte, heißt es weiter in dem Brief, dass sich die katholische Kirche als wichtige Akteurin der Zivilgesellschaft zum Engagement für die Filmkultur bekenne.

gia

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