Finanzspritze zugesagt Rettung für "Libération" in Sicht

Namhafte Unternehmer und Publizisten wollen dem französischen Traditionsblatt "Libération" aus der finanziellen Krise helfen. Mit der Zustimmung zum Sanierungsplan zahlen allerdings auch die Mitarbeiter ihren Preis.


Paris - Die Insolvenz der linksliberalen französischen Zeitung "Libération" scheint vorerst abgewendet. Unternehmer und Publizisten sagten auf der heutigen Aktionärs-Versammlung zu, das Blatt mit 15 Milliarden Euro auszustatten. Die Mitarbeiter hatten zuvor mit knapper Mehrheit einer Änderung der Statuten zugestimmt.

"Alles ist bestätigt", sagte dazu "Libération"-Chef Laurent Joffrin. Alle Hürden für den Neustart seien nun genommen, obwohl kaum jemand damit gerechnet habe.

Das 1973 unter anderem von Jean-Paul Sartre gegründete Blatt machte 2006 rund zwölf Millionen Euro Verlust. Monatelang war um einen Sanierungsplan gerungen worden, der nun umgesetzt werden kann. Dieser sieht allerdings die Entlassung von 76 der 276 Mitarbeiter vor. Zudem verzichtete die Mitarbeitergesellschaft SCPL auf ihr Vetorecht bei zentralen Entscheidungen wie die Ernennung des Geschäftsführers.

Die Statutenänderung hatte Hauptaktionär Edouard de Rothschild zur Bedingung für neue Investitionen gemacht. Er selbst sagte 5,8 Millionen Euro zu, so dass sein Anteil künftig 38,6 Prozent des Kapitals beträgt. Der Mitgründer der italienischen "La Repubblica",

Carlo Caracciolo, kauft sich mit fünf Millionen Euro ein und wird somit 33,3 Prozent übernehmen. Weitere 1,2 Millionen Euro kommen von insgesamt zehn Intellektuellen und Geschäftsleuten, darunter der Unternehmer Pierre Bergé und der Philosoph Bernard Henri Lévy.

Die neue Kapitalverteilung gab Rothschild am Donnerstagabend bekannt. Die Rettung von "Libération" werde nur durch eine grundlegende Modernisierung und Mehrarbeit gelingen, sagte er der Zeitung "Le Monde". Rothschild kündigte an, "Libération" werde ein freches Qualitätsblatt bleiben und neue Leser gewinnen. Schon 2007 werde die Bilanz wieder ausgeglichen ausfallen, die Rückkehr in die Gewinnzone werde 2008 gelingen.

gro/AP



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