Förderung für Frauenmediaturm Schröder beglückt Schwarzer

Lebenswerk vorerst gerettet: Bundesministerin Kristina Schröder wird das von Alice Schwarzer geleitete feministische Archiv in den nächsten vier Jahren mit je 150.000 Euro unterstützen. Ausgerechnet die rot-grüne "Frauenregierung" Nordrhein-Westfalens hatte zuvor die Fördermittel gekürzt.

Köln/Berlin - Frauenrechtlerin Alice Schwarzer kann aufatmen: Das finanziell angeschlagene feministische Archiv in Köln ist gerettet. Bundesfrauenministerin Kristina Schröder (CDU) stelle aus ihrem Etat für insgesamt vier Jahre jeweils 150.000 Euro an Fördermitteln bereit, teilte Schwarzer am Dienstag in Köln mit: "Wir freuen uns, bekannt geben zu können, dass die Existenz des Frauenmediaturm (FMT) nicht länger bedroht ist." Trotz der vom Land gekürzten Mittel könne weiter solide gearbeitet werden.

Die rot-grüne Landesregierung hatte die Förderung für das Archiv im historischen Bayenturm im vergangenen Jahr um zwei Drittel von 210.000 Euro auf 70.000 Euro gekürzt. Schwarzer hatte öffentlich von einem "Todesstoß" gesprochen und um den Fortbestand des Archivs gebangt. Zwischenzeitlich waren private Spender eingesprungen, um die Mitarbeiter weiterzubezahlen.

Durch die Fördermittel des Bundes habe "das über 28 Jahre überwiegend aus privaten Kräften und mit acht Millionen Euro aufgebaute Universalarchiv zur aktuellen wie historischen Frauengeschichte wieder eine Perspektive", hieß es. Nach Angaben von Schwarzer hatte der frühere Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) die Fördermittel bis 2017 fest zugesagt. Ausgerechnet die von Hannelore Kraft (SPD) und Sylvia Lohrmann (Grüne) angeführte Landesregierung änderte die Pläne.

Nordrhein-Westfalens Emanzipationsministerin Barbara Steffens (Grüne) erkannte zwar die "großen Verdienste um die Frauenbewegung" an, kritisierte aber den für die Öffentlichkeit angeblich schwierigen Zugang zu dem Archiv. Außerdem müssten auch andere Projekte unterstützt werden.

Förderung, wenn es einen Grundkonsens gibt

Durch die Kürzung hätten gerade einmal die Betriebskosten aufgefangen werden können, teilte Schwarzer weiter mit. Der Kernbetrieb mit mindestens drei Mitarbeiterinnen wäre nicht mehr möglich gewesen.

Bundesministerin Schröder sagte, sie stelle die Mittel "aus Freude und Überzeugung" zur Verfügung. Denn "bei der Förderung von Projekten geht es nicht um die Übereinstimmung in jeder Tonlage oder Argumentationsweise, sondern um den Grundkonsens." Schröder und Schwarzer hatten im Jahre 2010 heftig über feministische Ideen gestritten.

In einem SPIEGEL-Interview hatte die Ministerin dem "frühen Feminismus" vorgeworfen, er habe teilweise übersehen, "dass Partnerschaft und Kinder Glück spenden." Auch "etliche Thesen" Alice Schwarzers gingen Schröder zu weit. Die Frauenrechtlerin antwortete in einem offenen Brief: "Was immer die Motive der Kanzlerin gewesen sein mögen, ausgerechnet Sie zur Frauen- und Familienministerin zu ernennen - die Kompetenz und Empathie für Frauen kann es nicht gewesen sein", Schröder sei "schlicht ungeeignet" für den Posten.

Ein Vorwurf Alice Schwarzers an die Ministerin war, dass sie Klischees über den Feminismus verbreite, wohl aus mangelnder Kenntnis der entsprechenden Literatur. Nun begründete Kristina Schröder die Zusage für die Förderung des Archiv damit, dass "bedeutende Zeugnisse dieser bedeutenden Bewegung" erhalten, unterstützt und befördert werden müssten. Nach Ansicht von Schwarzer ist der Frauenmediaturm ein "lehrreicher Augenöffner". Für Frauen sei das Archiv unverzichtbar.

Das Archiv umfasst derzeit rund 15.000 Bücher, 25.500 Zeitschriften und rund 32.650 Aufsätze. Hinzu kommen den Angaben nach 600 Presseordner sowie Fotos, Filme und Tondokumente. Schwerpunkte sind unter anderem die Neue Frauenbewegung von 1971 bis heute sowie die Historische Frauenbewegung von Mitte des 19. Jahrhunderts bis 1933. In dem Bayenturm hat auch die Redaktion der Frauenzeitschrift "Emma" ihre Büros.

Einige Stunden nach Bekanntgabe des Förderungsbeschlusses bedankte sich Alice Schwarzer auf ihrer Website miteinem Blog-Beitrag  unter dem Titel "Das finde ich echt souverän, Frau Schröder!" Beim Anruf der Ministerin hätten beide gelacht und sich gefreut, mal persönlich miteinander zu reden. Außerdem vermutet Schwarzer hinter den Kürzungsbeschlüssen der rot-grünen NRW-Regierung einen Racheakt, weil sie die "anscheinend erwartete Vasallentreue für SPD und Grüne schuldig geblieben" sei.

feb/dapd