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Foto-Versteigerung 155.000 Euro für einen Kuss

Das Bild ist so berühmt wie sein Schöpfer: Robert Doisneaus Fotografie "Der Kuss vor dem Rathaus" schmückte Tausende Postkarten und Poster. Ein Original-Abzug des Bildes ist nun für 155.000 Euro versteigert worden. Für die Besitzerin, angeblich das Mädchen auf dem Foto, ist der Geldsegen eine späte Entlohnung.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Paris - Das Bild zeigt ein junges Paar 1950 bei einem leidenschaftlichen Kuss vor dem Pariser Rathaus. Es war von Robert Doisneau für eine Fotoserie für das amerikanische Magazin "Life" aufgenommen worden. Weltweiten Ruhm - und Einnahmen - erzielte es vor allem, nachdem "Der Kuss vor dem Rathaus" 1986 als Poster herausgebracht wurde.

Ein Originalabzug des Foto-Klassikers hat seiner Besitzerin auf einer Versteigerung in Paris nun 155.000 Euro eingebracht. Den Zuschlag erhielt gestern Abend ein Sammler aus der Schweiz, der für Gebühren und Steuern noch einmal zusätzlich 29.960 Euro berappen muss. Der hohe Erlös ist eine Überraschung: Das Auktionshaus Artcurial Briest Pulain le Fur hatte für das Foto mit einem Stempel des Fotografen Robert Doisneau auf der Rückseite nur einen Preis zwischen 15.000 und 20.000 Euro erwartet.

Der Abzug mit dem Stempel "Für private Verwendung" gehörte Francoise Bornet, die in den neunziger Jahren Gerichte davon überzeugen konnte, dass sie und ihr damaliger Freund Jacques Carteaud das küssende Paar auf dem Bild sind. Beide waren damals Schauspielschüler. Mit dem Versuch, einen Anteil von rund 15.000 Euro für den Verkauf des Fotos als Poster einzuklagen, scheiterte sie 1993. Sie brachte den ein Jahr später verstorbenen Star-Fotografen Doisneau aber zu dem Eingeständnis, dass es sich um keinen spontanen Schnappschuss, sondern um eine gegen Bezahlung nachgestellte Szene gehandelt habe.

Dem Erfolg des Fotos tat dies keinen Abbruch. Nach Angaben der Direktorin der Fotoagentur Rapho, Kathleen Grosset, wurden vom Original 500.000 Poster und 400.000 Postkarten gedruckt. "Über die Jahre muss das etwa 500.000 Euro gebracht haben - für Agentur und Fotograf", sagte sie. Die 75-jährige Bornet sagte zu dem unerwartet hohen Preis für ihren Abzug erfreut: "Es ist wie ein Weihnachtsgeschenk." Sie werde das Geld dazu verwenden, ein Filmproduktionsstudio zu eröffnen.