Trump-Foto von Baghdadi-Tötung Bildausfall

Nach dem Einsatz gegen Terrorchef Baghdadi veröffentlichte das Weiße Haus ein Bild vom US-Präsidenten mit seinen Beratern. Was uns das Foto erzählt? Vor allem, wie genial Trumps Vorgänger Obama das eigene Image kontrollierte.
Donald Trump mit u.a. Mike Pence und Verteidigungsminister Mark Esper

Donald Trump mit u.a. Mike Pence und Verteidigungsminister Mark Esper

Foto: Shealah Craighead/ The White House/ REUTERS

Wenn der Unterschied zwischen Barack Obama und Donald Trump noch einer Illustration bedurft hätte - dann sind es diese beiden Fotos. Veröffentlicht hat sie jeweils das Weiße Haus nach dem erfolgreichen Einsatz gegen einen Terrorchef. Das Bild von Obama im Situation Room ist während der Aktion gegen Osama bin Laden gemacht worden, das Bild von Trump unmittelbar vor dem Zugriff auf Abu Bakr al-Baghdadi. Ein gewisser Qualitätsunterschied ist nicht von der Hand zu weisen.

Beide Aufnahmen zeigen den Führer der "freien Welt", wie er gerade einem Schurken seine Strafe zukommen lässt. Beide Bilder dienen der Propaganda. "Seht her", soll das bedeuten, "ihr entkommt nicht dem langen Arm unserer Macht". Darin erschöpfen sich auch schon die Gemeinsamkeiten.

Obama war, was man einen "viralen Präsidenten" nennen könnte.

Bilder seiner Präsidentschaft wirken oft wie zufällig aufgenommen, transportieren auf subtile Weise aber doch die ganze Botschaft. Hier hat ein Amtsträger den Swag und den Style, ob beim coolen fist bump mit einer Reinigungskraft oder beim Plaudern mit einem störrischen Kind:

Fotostrecke

Acht Jahre Barack Obama: Zwischen Macht, Stress und Truthähnen

Foto: The White House / Pete Souza

Der offizielle Fotograf, Pete Souza, wusste, worum es ging. So auch im Situation Room, der wie ein Standbild aus einem Film wirkt, so lebendig und authentisch ist hier alles. Der Präsident leitet nicht die laufende Aktion, steht nicht im Mittelpunkt - das tut in der Komposition der am Kopfende des Tisches thronende Militär.

Barack Obama verfolgt 2011 mit Joe Biden (links) und Hillary Clinton den Einsatz gegen Osama bin Laden im Situation Room

Barack Obama verfolgt 2011 mit Joe Biden (links) und Hillary Clinton den Einsatz gegen Osama bin Laden im Situation Room

Foto: HANDOUT/ REUTERS

Obama ist einer, der sich informiert. Frauen sind auch im Bild. Die illustre und teilweise sogar informell gekleidete Gruppe folgt einem aktuellen Ereignis auf Monitoren, die wir als Betrachter nicht einsehen können. Die Dramatik dessen, was wir nicht sehen, spiegelt sich in den Mienen der Beteiligten - was seine Wirkung noch mal intensiviert.

Trump ist, was man einen autoritären Präsidenten nennen könnte.

Ihm fehlen jeder Swag und jeder Style, und gewiss hat es seine offizielle Fotografin (Shealah Craighead) nicht leicht. Zumal Trump ebenfalls sehr genau weiß, wie er wirken möchte. Mit grimmiger Entschlossenheitsmaske blickt er direkt in die Kamera, als wären seine Betrachter das Ziel:

Donald Trump u.a. mit Mike Pence und Mark Esper: zu ihm hinaufschauen

Donald Trump u.a. mit Mike Pence und Mark Esper: zu ihm hinaufschauen

Foto: Shealah Craighead/ The White House/ REUTERS

Das Foto dokumentiert nichts und wirkt nicht live, weil das Geschehen noch bevorsteht. Den Mienen der uniformierten und offiziell gekleideten Beteiligten ist neben Ennui und Verdruss der Wunsch abzulesen, dass dieses Geschehen ein historisches sein möge. Keine Frauen, obwohl die CIA-Direktorin mit im Raum gewesen sein soll.

Gemessen daran, dass Craighead für ihr gestelltes Gruppenfoto mehr Zeit gehabt haben dürfte, wirkt das Ergebnis dilettantisch und plump. Es musste erst angeschnitten werden, damit der Präsident wuchtiger wirkt und sich im Zentrum eines ambulanten Tryptichons befindet. Das Bild bleibt aber wegen des präsidialen Wappens dennoch asymmetrisch.

Trump stellt sich ikonografisch in den Mittelpunkt

Überdies macht die ganze Szene den Eindruck, als hätten sich Trump und seine Mitarbeiter für den Anlass in ein zufällig leeres Büro gesetzt. Im Mittelgrund herrscht ein Gewirr an Anschlüssen, manche Ethernet-Kabel sind nicht einmal eingesteckt. Der erwünschte Eindruck seriöser Totalvernetzung mit "den Verbündeten" oder wenigstens den eigenen Truppen kommt so, nun, ein wenig abhanden.

Souza, stehend, blickte auf Obama hinab. Craighead, augenscheinlich in der Hocke, schaut zu Trump auf. Souza hatte einen Moment der Arbeit aufgenommen, Craighead ein paar Männer, die darauf warten, fotografiert zu werden.

Aus dem inneren Zirkel der Macht verlässt kein Foto das Weiße Haus, das der Präsident nicht sehen möchte. Es ist also davon auszugehen, dass Trump das Bild genehmigt hat. Die Rolle seines Vorgängers bei der Tötung von Osama bin Laden hatte er seinerzeit obsessiv heruntergespielt. Nun stellt er sich selbst ikonografisch ins Zentrum der Tötung des Abu Bakr al-Baghdadi. Ein Darsteller, kein Präsident.


Anmerkung: In einer früheren Version dieses Artikels bezeichneten wir die auf dem Konferenztisch liegenden Netzwerk-Kabel irrtümlich als USB-Kabel.

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