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Robert Häusser gestorben: Farbe war ihm zu "geschwätzig"

Foto: Ronald Wittek/ picture-alliance/ dpa

Fotografie-Ikone Schwarzweiß-Meister Robert Häusser ist tot

Als erster Deutscher erhielt er den Hasselblad-Preis, den Nobelpreis der Fotografie - eine große Ehre für Robert Häusser, dessen oft strenge Schwarzweiß-Bilder als Klassiker der Moderne gelten. Nun ist der gebürtige Stuttgarter im Alter von 88 Jahren gestorben.

Hamburg - "Farbe ist zu geschwätzig", sagte Robert Häusser einmal in einem Interview: "Sie lenkt nur ab von der Beziehung zum Gegenstand." So pointiert formulierte der einflussreiche deutsche Fotograf sein Bekenntnis zur Schwarzweiß-Fotografie, der er konsequent treu blieb - und das mit großem Erfolg. Arbeiten von Häusser wurden in über 150 Einzelausstellungen in Museen und Galerien im In- und Ausland gezeigt; darunter eine große Retrospektive im Jahr 2004 zu seinem 80. Geburtstag in den Mannheimer Reiss-Engelhorn-Museen, die zugleich die 100. Häusser-Ausstellung war.

Am Montag ist Häusser, einer der führenden Vertreter der klassischen Moderne, im Alter von 88 Jahren gestorben.

Geboren wurde Robert Häusser 1924 in Stuttgart. Dort verbrachte er 1941 und 1942 auch eine Volontärzeit als Pressefotograf, danach ließ er sich bis 1943 zum Fotografen ausbilden - sein vorzeitiger Diplomabschluss wurde "sehr gut mit Auszeichnung" bewertet. 1949 nahm er dann ein Studium an der Kunstschule Weimar auf und beschäftigte sich mit Architekturfotografie bei Professor Walter Hege. Doch nach einigen Jahren wechselte er in den Westen, ließ sich in Mannheim nieder und baute dort eine neue Existenz auf.

Ab 1953 nahm Häussers Karriere richtig Fahrt auf: Zahlreiche Auftragsreisen für Verlage und Industrieunternehmen führten ihn in viele Länder Europas, Südamerikas, die USA und nach Ostasien. 1957 konnte er den Neubau eines Studios für Fotografie in Angriff nehmen, 1960 wurde er in die "Deutsche Gesellschaft für Photographie DGPH" berufen. 1972 gab er das Studio für kommerzielle Fotografie auf und widmete sich fortan der freien künstlerischen Arbeit. 1972 wurde auch ein erster Fernsehfilm über Häusser und sein fotografisches Werk gedreht; ein zweiter entstand 1984, ein dritter 2004. 1989 wurde er für sein Lebenswerk zum Professor ernannt.

Als die Digitalfotos kamen, ging er

Ganz bewusst verzichtete Häusser auf Farbe, blieb beim strengen Schwarzweiß und baute seine Bildkompositionen streng symmetrisch und grafisch auf. Eines seiner berühmtesten Fotos zeigt ein Selbstporträt des Künstlers, nicht als Fotografen, sondern als Fotografierten mit einer raffinierten Spiegelung eines Fensterrahmens, der wie ein Doppelkreuz auf dem beleuchteten Oberkörper erscheint und ihn durch die virtuose Lichtführung und Komposition in eine Art Gekreuzigten verwandelt. "Jedes Kunstwerk ist Abstraktion", sagte er der "Stuttgarter Zeitung" über seine Werke.

Für seine Arbeit erhielt Häusser wichtige Preise. In der Begründung der Jury des Hasselblad-Preises, den Häusser als erster Deutscher erhielt und der als eine Art Nobelpreis der Fotografie gilt, hieß es 1995: "Robert Häusser ist einer der hervorragendsten Bildkünstler der modernen Fotografie in Deutschland. Sein Werk kann als eine Entwicklung der Formsprache innerhalb der 'Subjektiven Fotografie' angesehen werden, die große Aufmerksamkeit in Europa während der Nachkriegsjahre fand."

Zu Beginn der Digitalfotografie-Ära hörte Häusser auf zu fotografieren, unter anderem deshalb, weil das Fotopapier, das er für seine Bilder brauchte, nicht mehr erhältlich war.

feb/dpa
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