Frank Farian bei Maischberger "Bohlen verarscht seine Fans seit 20 Jahren"

Bei Sandra Maischberger ging der Kampf der Musik-Titanen in die nächste Runde. Frank Farian warb für seine Abrechnung mit Dieter Bohlen, die am Samstag als Buch erscheinen soll. Seinen Kontrahenten nannte er "talentlos" - und kündigte Enthüllungen über angebliche Gewalttätigkeiten des "Superstar"-Juroren an.

Frank Farian sitzt im Studio von "Menschen bei Maischberger" (gestern Abend, 23 Uhr, ARD) wie ein Lausbub im Büro des Schulrektors. Ein Lausbub, der ausnahmsweise einmal nicht da ist, um sich eine Standpauke abzuholen, sondern um zu petzen. Diese ungewohnte Situation bereitet ihm eine diebische Freude, sie ist ihm aber augenscheinlich auch ein bisschen unheimlich. Farian, 62, spricht schnell, er ist so aufgeregt, dass er "Trettbritt"- statt Trittbrettfahrer sagt, ohne es zu merken.

Sandra Maischberger fragt entsprechend pädagogisch, sie will den Erfolgsproduzenten (Boney M, La Bouche) nicht als unschuldigen Racheengel über Dieter Bohlen herfallen lassen, ohne dass seine eigenen Verfehlungen zur Sprache kommen. Sie zitiert aus Farians offenem Brief an Bohlen vom vergangenen Oktober, in dem er seinen jüngeren Kollegen als "Hohlkopf", "Dreckschleuder" und "Provinzkacker" beschimpft. Ja, sagt Farian, da habe er sich mal auf das Niveau des Rivalen heruntergelassen, "diese Sprache versteht der". Vor einiger Zeit hatte Bohlen einmal gesagt, der einzige, der ihn kritisieren dürfe, sei Frank Farian. Jetzt nimmt der ihn beim Wort, sein Buch "Stupid Dieser Bohlen" soll am Samstag erscheinen.

Die Bitterkeit, mit der Farian auf den Hit-Produzenten (Modern Talking, "Deutschland sucht den Superstar") einschlägt, überrascht. Natürlich wird man ihn dafür lieben, so sehr, wie man es liebt, Dieter Bohlen zu hassen. Trotzdem kann man sich auch bei aller berechtigten Kritik an dessen autoerotischer Lebensbeichte im Ton vergreifen, und das tut Farian gleich mehrfach. Bohlens Bücher "Die ganze Wahrheit" und "Hinter den Kulissen" nennt er einen "Literarischen Volksgerichtshof".

Das Titelbild von "Stupid Dieser Bohlen" zeigt eine verzerrte Karikatur des "Superstar"-Juroren und ist in der Gestaltung Michael Moores Bestseller "Stupid White Men" nachempfunden. Verdienen will Farian an seinem Buch nichts, sagt er, seine Rache ist klug geplant. Der Erlös wird als Spende an eine Stiftung gehen, die sich um autistische Kinder kümmert. Das Buch erscheint im Selbstverlag. Möglicherweise wollte sich kein deutscher Verleger auf die mediale und juristische Schlacht einlassen, die das Werk wohl auslösen wird.

Gestern Abend jedenfalls konnte man die Kugelschreiber von Bohlens Anwälten förmlich kratzen hören, als Farian ankündigte, in seinem Buch berichteten Frauen aus Bohlens Vergangenheit über dessen Gewalttätigkeiten. Naddel habe ihm erzählt, wie sie an den Haaren über den Fußboden geschleift worden sei, sagt Farian, wieder mit diesem erregt-heiteren Gesichtsausdruck des enthusiastischen Neulings im Denunziantengeschäft. Farian genießt es offenbar, dass er seinen Kontrahenten in eine gemeine Zwickmühle bringt: Klagt Bohlen gegen das Buch, könnte man ihm vorwerfen, er wolle nur austeilen aber nicht einstecken; klagt er nicht, kann ihm das als Schwäche, wenn nicht gar als Schuldeingeständnis ausgelegt werden.

Maischberger versucht immer wieder, den bizarr blondierten Produzenten mit ihren Fragen aus seinen Tiraden zu reißen, aber Farian ist nicht zu stoppen. Bohlen habe seine Arbeit verhöhnt, dabei würde er selbst wegen mangelnder Qualifikation aus jeder Dorfkapelle fliegen. Talentlos sei Bohlen, und ohne beste Kontakte zu Bertelsmann hätte er niemals Platten verkaufen können. Als Maischberger ihn auf seinen eigenen Milli-Vanilli-Betrug anspricht - Farian hatte zwei adrette Tänzer, die nicht singen konnten, als Musiker ausgegeben - bleibt er ungerührt: "Ich habe mich entschuldigt, Dieter verarscht seine Fans seit 20 Jahren."

Unterdessen sitzt Maximilian Schell, der im vorangegangenen Gespräch mit Maischberger wie gewohnt den Charmeur gegeben hatte, weiter mit am Tisch - und zeichnet. Er zeichnet den zornigen Farian, den das sichtlich irritiert. Als Maischberger ihn mit einer Zwischenfrage ins Gespräch einbeziehen will, rückt Schell, der die meiste Zeit in den USA lebt, die Angelegenheit beiläufig ins rechte Licht: "Wie heißt der? Bohlen? Den kenne ich nicht. Ist das so einer wie dieser Küblböck?"

Mehr lesen über
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.