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Insolvenzantrag: "Frankfurter Rundschau" steht vor dem Aus

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Insolvenz der "Frankfurter Rundschau" Durchhalten!

Neue Ziele oder keine Perspektive? Nachdem die "Frankfurter Rundschau" Insolvenz angemeldet hat, wendeten sich die Mitarbeiter in der Mittwochsausgabe zweimal "In eigener Sache" an den Leser - und fanden dabei widersprüchliche Worte.

Einen Tag nach ihrer angekündigten Insolvenz übt sich die "Frankfurter Rundschau" ("FR") in Durchhalteparolen. In ihrer Mittwochsausgabe thematisieren sie die Hiobsbotschaft gleich zweimal. In einer direkt an den Leser adressierten Mitteilung bemüht sich die Belegschaft möglichst hoffnungsvoll in die Zukunft zu blicken. So richtig gelingen will es ihnen allerdings nicht.

"Wir werden Ihnen aus Nepal berichten wie aus Südafrika, aus Berlin wie aus Frankfurt-Bonames (...) Wir werden die Zeitung drucken und sie zu Ihnen bringen (...) Wenn Sie uns treu bleiben, können wir unser Ziel erreichen."  - Die tollkühnen Worte der "FR" klingen wie die eines Verwundeten, der im Angesicht des Abgrunds vom Übermut gepackt wird. Die Versprechen, dass die "FR" noch nicht am Ende sei und weiterhin gedruckt und digital im Internet erscheinen wird, scheinen mit Blick auf die nüchternen Fakten, fragwürdig.

Denn Tatsache ist: Sollte in näherer Zukunft kein geeigneter Käufer für das linksliberale Medium gefunden werden, muss der Betrieb spätestens Ende Januar 2013 eingestellt werden. Bis dahin seien Löhne und Gehälter durch das Insolvenzgeld abgesichert. Vorherige Überlegungen das Unternehmen geschäftsfähig umzustrukturieren, so führen die Verantwortlichen in einer zweiten Stellungnahme auf Seite fünf aus, hätten "leider keine überzeugende Perspektive geliefert."

Vorausgegangen war ein starker Rücklauf des Druck- und Anzeigengeschäftes in der ersten Hälfte des laufenden Jahres, der weder durch eine enge redaktionelle Verzahnung mit der "Berliner Zeitung", noch durch Gehaltsverzichte der Mitarbeiter oder Millioneninvestitionen der Hauptgesellschafter aufgefangen werden konnten.

Genossenschaftsmodell nach dem Vorbild der "taz"?

Der Kölner Konzern DuMont Schauberg hatte in den vergangenen Jahren 136 Millionen Euro in das kriselnde Unternehmen gesteckt. Die Verantwortlichen rechnen allein 2012 mit einem Verlust von 16 Millionen Euro - zu viel, selbst wenn die Gesellschafter angeblich nie erwartet haben, dass ihr "Engagement in Frankfurt Gewinne zeitigen würde".

Nach Ansicht des Betriebsrats kann das drohende Aus für das Blatt Folgen für die "Berliner Zeitung" haben. "Wenn die 'FR' eingestellt werden sollte, würde die gemeinsame Mantelproduktion keinen Sinn mehr machen", sagte der Betriebsratsvorsitzende Marcel Bathis am Mittwoch in Frankfurt/Main. "Das hätte dann massive Auswirkungen auf die bisherigen Redaktionsgemeinschaften."

Seit 2011 wird der Mantel der "Frankfurter Rundschau" von der MDS-Redaktionsgemeinschaft in Berlin produziert, zusammen mit den überregionalen Seiten der "Berliner Zeitung". Bathis schloss für die "FR" ein Genossenschaftsmodell nach dem Vorbild der "taz" nicht aus. "Die Belegschaft kann sich das durchaus vorstellen."

ajz/dpa