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04. Juni 2019, 17:37 Uhr

Frankreich

Wird der Hahnenschrei Kulturerbe?

Schafsblöken und Hahnenschrei sollen in Frankreich nationales Kulturerbe werden - das will zumindest ein engagierter Bürgermeister aus dem Südwesten des Landes. Er will mit seiner Forderung Lärmbeschwerden vereiteln.

Das Kulturerbe ist eigentlich für Kulturgüter menschlicher Gemeinschaften vorbehalten. Das Sternsingen, der Karneval und die Orgelmusik gehören in Deutschland zum Beispiel dazu. In Frankreich könnten aber bald auch der Hahnenschrei, das Blöken von Schafen und das Muhen von Kühen zum nationalen Kulturerbe werden. Zumindest wenn es nach einer Forderung von Bruno Dionis du Séjour geht, der das Amt des Bürgermeisters im 400-Seelen-Dorf Gajac im Südwesten des Landes bekleidet.

Dionis du Séjour will damit den weit verbreiteten Klagen über zu viel "Lärm auf dem Lande" die Grundlage nehmen. Nach seiner Einschätzung ziehen immer mehr Menschen vor Gericht, weil sie sich durch ländliche Geräusche gestört fühlen. In einer Gemeinde in der Nähe von Gajac verklagten etwa Bewohner einen Nachbarn, dessen Hahn Maurice in den Morgenstunden laut kräht.

Der Bürgermeister veröffentlichte deshalb einen offenen Brief. Er richtet sich an Anwohner "mehrheitlich städtischer Herkunft", die aufs Land ziehen "und dort entdecken, dass Eier nicht auf Bäumen wachsen".

Der Ortsvorsteher, der 40 Jahre lang als Landwirt gearbeitet hat, will aber nicht nur Tiergeräusche als Kulturerbe schützen lassen. Es geht ihm auch um Kirchenglocken, deren Läuten ebenfalls die Justiz beschäftigt. "Wer Glocken angreift, greift ein ganzes Dorf an", empört sich Dionis du Séjour. "Wenn ich in die Stadt fahre, verlange ich ja auch nicht, dass Ampeln und Autos entfernt werden."

Innerhalb weniger Tage hat der Bürgermeister für seinen Vorstoß mehr als 150 Unterstützer-Mails aus ganz Frankreich erhalten. Darunter auch die eines Abgeordneten der Pariser Nationalversammlung. Er will Dionis du Séjour helfen, beim Kulturministerium einen Antrag auf Schutz der ländlichen Geräusche zu stellen.

mal/AFP

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