Frau Hoppenstedt Evelyn Hamann ist tot

Sie war Loriots bessere Hälfte und eine Komikerin von ganz eigenem Rang: Evelyn Hamann verwandelte sich in zahllosen Rollen - und damit das deutsche Fernsehen. Jetzt ist sie im Alter von 65 Jahren gestorben.

Sie war die linkische Sekretärin, die einem Unterhosenfabrikanten verfiel, eine sprachverdrehte Fernsehmoderatorin mit massivem "Ti-eitsch"-Problem und natürlich Frau Hoppenstedt, jene Hausfrau, deren kreative Selbsterfüllung im Erlangen eines Jodeldiploms bestand: Evelyn Hamann schuf kanonische Figuren der Fernsehunterhaltung.

Als Vicco von Bülows alias Loriots bessere kreative Hälfte war sie doch eine Künstlerin von ganz eigenem, selbständigem Format: Die ausgebildete Theaterschauspielerin debütierte im Hamburger Thalia Theater in Nebenrollen, ihr erstes Engagement absolvierte sie 1968 am Jungen Theater in Göttingen, wo sie unter anderem in Brechts "Mann ist Mann" zu sehen war.

Nach einem Zwischenspiel an den Städtischen Bühnen Heidelberg kehrte sie in den Norden zurück: Am Theater der Freien Hansestadt Bremen brillierte sie bis 1979 im Charakterfach. Zu ihren großen Rollen gehörten "Die Alte" in Ionescos Drama "Die Stühle" und Marthe Schwerdlein in Goethes "Urfaust".

Heroisch stoisch

Von Bülow hatte, als er 1976 Hamann für seine Arbeit bei Radio Bremen verpflichtete, also schon eine erfahrene Schauspielkünstlerin vor sich. Sie entsprach allerdings erst einmal so gar nicht seinen Vorstellungen. Die erste Begegnung des späteren Comedy-Traumpaars gehört mittlerweile selbst zur deutschen Humorfolklore: Loriot hatte eine Partnerin vom Typ "blonde, pummelige Hausfrau" gesucht. Hamann, die schlaksige Brünette, verkörperte genau das Gegenteil. Von Bülows damalige Frage: "Liebe Frau Hamann, wenn Sie auf unsere Kosten mehrere Wochen täglich Schweinshaxen essen, meinen Sie, Sie werden dann fülliger?"

Hamann legte zu, allerdings nicht physisch, sondern kreativ: Gemeinsam mit von Bülow schrieb sie die klassische Literatur des deutschen TV-Sketches der siebziger Jahre. Von 1976 bis 1979 flimmerten mit der ARD-Serie "Loriot I-VI" Klassiker der Fernsehunterhaltung über die Mattscheibe, und Hammann war die tragikomische Heroine dieser Humor-Vignetten.

Ob zwanghaft ordentliche Sekretärin oder von Vertretern drangsalierte Hausfrau: Mit ihrer genialen Mischung aus Stoizismus und Irsinn verkörperte sie die Dilemmata der bürgerlichen Kultur. "Sie haben da was am Mund", dieser Satz der von einer klebrigen Nudel irritierten, die Contenance unter Aufbietung aller zivilisatorischen Selbsthemmungskräfte wahrenden Dame ist sprichwörtlich geworden.

Filmreife Komik

Im Kino gestaltete sie die Figur der stoischen Leidens- und Zeitgenossin weiter aus: "Ödipussi" (1988) und "Pappa ante portas" (1991), ebenfalls Loriot-Werke, wären ohne sie nicht denkbar.

Hamanns potentiell subversiver Humor stand nicht quer zur breiten Wirkung. Das Fernsehen war ihr Medium, sie überzeugte in Quoten-Hits wie "Das Traumschiff", "Der Landarzt" oder in Krimiserien wie "Der Alte" und "Tatort". Den streckenweise öden Kitschroman der "Schwarzwaldklinik" veredelte sie als Haushälterin Carla Michaelis mit präzisem Spiel und großer Präsenz.

In der Nacht zum Montag ist Evelyn Hamann im Alter von 65 Jahren nach kurzer schwerer Krankheit im Kreis ihrer Angehörigen gestorben.

dan/dpa