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25. März 2017, 16:13 Uhr

Frauen gegen Machos

Humor entwickeln! Besser werden!

Eine Kolumne von

Viel zu viele Männer nehmen Frauen noch immer nicht ernst. Aber es hilft nicht, ihnen dieses alberne Verhalten quengelig vorzuwerfen. Es gibt andere Strategien.

Was für abenteuerliche Rechtfertigungen Menschen für den Mist erfinden, den sie verzapfen.

Statt ergreifend ehrlich zu sagen: "Hoppla, ich war ein wenig besoffen", oder: "Meine Damen und Herren, ich stehe dazu, dass mich Schießen in sexuelle Schwingungen versetzt", werden aberwitzige Szenarien erfunden, in denen immer wieder Hacker oder ein Ausrutscher auf der Maus eine Rolle spielen. Süß.

Bei Menschen, die beim Quatschmachen ertappt werden, setzen ähnliche neurologische Prozesse ein, als würden sie bedroht oder herabgesetzt. Selbsterkenntnis, Verstand und - falls vorhanden - Humor setzen aus, und die Testperson beginnt, hyperventilierend um sich zu schlagen. Schön anzusehen ist das nicht. Und das Resultat ist auch eher mittelmäßig.

Jüngst zog eine Journalistin los, um Thomas Fischer mal so richtig an die Wand zu klatschen. Was herauskam, war eine Punktlandung für den ehemaligen Bundesrichter und ein anklagend-quengelnder Artikel einer Frau. Wenn man Herrn Fischer begegnen will, sollte man sich klar darüber sein, dass das nur auf einer intellektuellen Ebene und am besten mit sehr viel Humor stattfinden sollte. Wozu das gut sein sollte, ist unklar, aber ich bin mir sicher, dass Sarah Silverman ein lustiges Fischer-Gespräch führen könnte. Hannah Ahrendt, würde sie noch leben, dito.

Fischer vorzuwerfen, dass er ist, wie er ist - ein in seiner Zufriedenheit gut eingerichteter, intelligenter, weißer, vermutlich wohlhabender Mann -, ist genauso blöd, wie einem Menschen das Atmen vorzuhalten. Fischer verachtet nicht Frauen, sondern Dummheit. Daran ist nichts verkehrt. Dass Herr Fischer misogyn sei, ist eine unhaltbar steile These - er nimmt die meisten Damen vermutlich nur nicht ernst, und damit ist er in millionenfacher Gesellschaft.

Ein intelligenter, weißer, westlicher, wohlhabender Mann wird nie verstehen können, dass Frauen sich in irgendeiner Art von irgendetwas ausgeschlossen fühlen könnten - es steht ihnen angeblich doch alles frei. Sie können zur Armee, Bundesrichterin werden oder Literaturstars. Allerdings müssen sie es ohne die Unterstützung von Männern tun, wie man wieder in der seriösen Tagespresse lesen kann. Der große intellektuelle Autor versus die Verfasserin für Frauen- und Hundeliteratur.

So what. Es ist doch eher komisch, dass im begrenzten Verstand vieler Kritiker eine geschlechterseparierende Rezeption stattfindet, die auf einigen zusätzlichen Zentimetern im Genitalbereich beruht. Das ist nicht ärgerlich, sondern ein wenig lächerlich. So albern wie Bilder von Vorständen oder Regierungsmannschaften mit 99 Prozent Herren. So belustigend wie Herren, die Frauen, die ihre Enkelinnen sein könnten, heiraten. Viel Vergnügen in der Disco, ihr Lutscher.

Statt sich über die Ungerechtigkeit der Welt zu erregen, ist es eleganter, sich kurz zu sagen, dass keiner irgendjemandem Gerechtigkeit versprochen hat. Statt sich über Herrn Fischer zu beklagen, hätte die Journalistin ihre Zeit besser für das Lesen interessanter Bücher genutzt. Statt sich darüber zu beschweren, dass Männern immer noch die Welt gehört und sie Frauen meist einfach nicht ernst nehmen, hilft es nur, sich über diesen Umstand lustig zu machen und besser zu werden.

Ach ja, und was hat das mit Frau Storch zu tun? Vermutlich nichts, ich bin nur mit dem Computer vor die Wand gelaufen.

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