Sibylle Berg

Frauenrechte Arbeit niederlegen, Vermehrung verweigern!

Kommen die Konservativen an die Macht, geht es den Frauen immer schlechter. Anstatt rumzusitzen und auf bessere Zeiten zu hoffen, könnten sie kämpfen. Am besten gemeinsam.
Marsch der Frauen in Denver

Marsch der Frauen in Denver

Foto: Michael Rieger/ dpa

Wunderbar, dieser Trump. Die Vorlage ist zu verlockend, um sich nicht daran abzuarbeiten. Und so wird jede Bewegung des Präsidenten mit tiefsinnigen Analysen, Kommentaren und geistreichen Betrachtungen goutiert. Da haben Medien und Philosophen zu tun, da geraten sie in Wallung, da können sie zeigen, was Großes in ihren Hirnen wohnt.

Fast unbemerkt wachsen in vielen europäischen Ländern nationalistische Diktaturen, werden stärker und wuchern in unfassbarer Dummheit und Primitivität. Gerne würde ich glauben, dass die Neigung zum nationalen Irrsinn die letzte Zuckung untergehender Patriarchen ist. Aber selbst wenn es so wäre, hieße es mindestens zehn Jahre Irrsinn, Umweltzerstörung und Rückschritt für alle, die nicht daran glauben, dass 1936 echt heißer Scheiß war.

Viele, also zum Beispiel Minderheiten wie, ähm, Frauen, die Randgruppe der 50 Prozent, halten sich im Moment immer noch zu stark zurück. Wird schon. Ich muss die Kinder abholen. Morgen vielleicht, mögen sie denken. Oder: Frauen sind ja auch nicht der Bringer, schau nur: die nationalpopulistischen Führerinnen, die deutschen Nazidamen, die Trumpwählerin, oder all jene, die in Erwartungen von Männern funktionieren.

Aber.

Es ist nicht die Zeit, um den eigenen Selbsthass zu pflegen. Es ist nicht die Zeit, still zu sein, um nicht erschlagen zu werden. Es ist Krieg da draußen. In Polen bewirkte die Solidarität der Frauen eine Änderung des von Männern erdachten Abtreibungsgesetzes, in Amerika zeigten Millionen immerhin, dass es möglich ist, sich zu organisieren.

Rückwärts gewandte Politik ist immer eine Maßnahme zur Beschränkung der Frauenrechte: eine Mischung aus selbstverständlichem Frauenhass von maskulistischen Führern und dem Wunsch nach der guten alten Zeit, in der Frauen noch keine Bedrohung waren. In der Schweiz, um von dieser kleinen Perle der Volksdemokratie zu reden, werden Frauen zum Beispiel nicht aktiv benachteiligt, die Diskriminierung und der Ausschluss vieler Frauen aus dem politischen Leben, von der Macht, findet, wie vieles hier, über finanziellen Druck satt.

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Berg, Sibylle

Wunderbare Jahre: Als wir noch die Welt bereisten

Verlag: Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG
Seitenzahl: 192
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26.11.2022 09.22 Uhr

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In unserem immer noch sehr wohlhabenden Land wäre es ein Einfaches, statt Kampfflugzeugen eine staatlich finanzierte Kinderbetreuung zu initiieren - und Erziehung nicht zur ausschließlichen Frauensache zu machen. Das passiert aber nicht. Stattdessen wird der Druck auf Frauen konsequent aufrechterhalten. Die prägenden Jahre, die gute Mutter, sie wissen schon. Natürlich kann man warten, bis Männer einsichtig werden und erkennen, dass es jeder gleichberechtigten Gesellschaft auch wirtschaftlich besser geht. Aber das ist ein wenig zu viel erwartet. Das Hirn des Menschen und so weiter.

Richtig, warum soll man sexistisch alle Frauen lieben, richtig, man kann die Angehörigen des gleichen Geschlechts nervig finden, aber: Einander zu verachten ist ein luxuriöses Hobby, das wir uns später wieder leisten können. Jetzt ist es wichtig zusammenzuhalten. Sich zu organisieren.

Zu demonstrieren, zivil ungehorsam zu sein, eine Woche Generalstreik der Frauen . Die absolute Verweigerung. Können Sie es sich vorstellen? Schön wäre das. Wirkungsvoll wäre das. Die Arbeit niederlegen, die Vermehrung verweigern, es muss nicht gleich der bewaffnete Widerstand sein, für den Beginn langt: Widerstand und die Überwindung der Vorbehalte dem eigenen Geschlecht gegenüber. Denn wie Chef Sie auch sein mögen, wie reich oder berühmt, wie überzeugt davon, es auch ohne Quoten und Gesetze zu etwas zu bringen, am Ende haben wir ein ungeheures Manko in der Welt, die wieder Gefahr läuft, eine von männlicher Eitelkeit dominierte zu werden: Wir haben eine Vagina.

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