Frauenrechte Arbeit niederlegen, Vermehrung verweigern!

Kommen die Konservativen an die Macht, geht es den Frauen immer schlechter. Anstatt rumzusitzen und auf bessere Zeiten zu hoffen, könnten sie kämpfen. Am besten gemeinsam.

Marsch der Frauen in Denver
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Marsch der Frauen in Denver

Eine Kolumne von


Wunderbar, dieser Trump. Die Vorlage ist zu verlockend, um sich nicht daran abzuarbeiten. Und so wird jede Bewegung des Präsidenten mit tiefsinnigen Analysen, Kommentaren und geistreichen Betrachtungen goutiert. Da haben Medien und Philosophen zu tun, da geraten sie in Wallung, da können sie zeigen, was Großes in ihren Hirnen wohnt.

Fast unbemerkt wachsen in vielen europäischen Ländern nationalistische Diktaturen, werden stärker und wuchern in unfassbarer Dummheit und Primitivität. Gerne würde ich glauben, dass die Neigung zum nationalen Irrsinn die letzte Zuckung untergehender Patriarchen ist. Aber selbst wenn es so wäre, hieße es mindestens zehn Jahre Irrsinn, Umweltzerstörung und Rückschritt für alle, die nicht daran glauben, dass 1936 echt heißer Scheiß war.

Viele, also zum Beispiel Minderheiten wie, ähm, Frauen, die Randgruppe der 50 Prozent, halten sich im Moment immer noch zu stark zurück. Wird schon. Ich muss die Kinder abholen. Morgen vielleicht, mögen sie denken. Oder: Frauen sind ja auch nicht der Bringer, schau nur: die nationalpopulistischen Führerinnen, die deutschen Nazidamen, die Trumpwählerin, oder all jene, die in Erwartungen von Männern funktionieren.

Aber.

Es ist nicht die Zeit, um den eigenen Selbsthass zu pflegen. Es ist nicht die Zeit, still zu sein, um nicht erschlagen zu werden. Es ist Krieg da draußen. In Polen bewirkte die Solidarität der Frauen eine Änderung des von Männern erdachten Abtreibungsgesetzes, in Amerika zeigten Millionen immerhin, dass es möglich ist, sich zu organisieren.

Rückwärts gewandte Politik ist immer eine Maßnahme zur Beschränkung der Frauenrechte: eine Mischung aus selbstverständlichem Frauenhass von maskulistischen Führern und dem Wunsch nach der guten alten Zeit, in der Frauen noch keine Bedrohung waren. In der Schweiz, um von dieser kleinen Perle der Volksdemokratie zu reden, werden Frauen zum Beispiel nicht aktiv benachteiligt, die Diskriminierung und der Ausschluss vieler Frauen aus dem politischen Leben, von der Macht, findet, wie vieles hier, über finanziellen Druck satt.

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09.09.2019, 13:39 Uhr
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In unserem immer noch sehr wohlhabenden Land wäre es ein Einfaches, statt Kampfflugzeugen eine staatlich finanzierte Kinderbetreuung zu initiieren - und Erziehung nicht zur ausschließlichen Frauensache zu machen. Das passiert aber nicht. Stattdessen wird der Druck auf Frauen konsequent aufrechterhalten. Die prägenden Jahre, die gute Mutter, sie wissen schon. Natürlich kann man warten, bis Männer einsichtig werden und erkennen, dass es jeder gleichberechtigten Gesellschaft auch wirtschaftlich besser geht. Aber das ist ein wenig zu viel erwartet. Das Hirn des Menschen und so weiter.

Richtig, warum soll man sexistisch alle Frauen lieben, richtig, man kann die Angehörigen des gleichen Geschlechts nervig finden, aber: Einander zu verachten ist ein luxuriöses Hobby, das wir uns später wieder leisten können. Jetzt ist es wichtig zusammenzuhalten. Sich zu organisieren.

Zu demonstrieren, zivil ungehorsam zu sein, eine Woche Generalstreik der Frauen. Die absolute Verweigerung. Können Sie es sich vorstellen? Schön wäre das. Wirkungsvoll wäre das. Die Arbeit niederlegen, die Vermehrung verweigern, es muss nicht gleich der bewaffnete Widerstand sein, für den Beginn langt: Widerstand und die Überwindung der Vorbehalte dem eigenen Geschlecht gegenüber. Denn wie Chef Sie auch sein mögen, wie reich oder berühmt, wie überzeugt davon, es auch ohne Quoten und Gesetze zu etwas zu bringen, am Ende haben wir ein ungeheures Manko in der Welt, die wieder Gefahr läuft, eine von männlicher Eitelkeit dominierte zu werden: Wir haben eine Vagina.



insgesamt 218 Beiträge
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Seite 1
marthaimschnee 25.02.2017
1. kommen die Konservativen an die Macht
geht es allen schlechter, mit Ausnahme von Leuten wie Jens Spahn und der von ihm vertretenen Klientel, die (natürlich völlig zu Recht) um IHREN Wohlstand besorgt sind, wenn der Wind sich nach Links dreht
Sibylle1969 25.02.2017
2. Sexstreik
Letztendlich dient die Unterdrückung von Frauen dazu, die sexuelle Verfügbarkeit der Frau für den Mann sicherzustellen. Denn in eben diese Vagina will man(n) ja so oft wie möglich rein. Ob ein kollektiver Sexstreik helfen würde?
kevinschmied704 25.02.2017
3. die ansprache in ehren
aber die Vorbereitungen einer Diktatur können wir nur gemeinsam bekämpfen. es ist nicht nur ein ding der Männer, Frauen sind an solchen Vorbereitungen sehr wohl mit beteiligt. diesen Kampf müssen wir entschlossen und mit klaren Konsequenzen zusammen führen. gruß
DJ Doena 25.02.2017
4.
"Alle Räder stehen still. Wenn dein starker Arm es will"? Ich fürchte, dazu suchen sich Frauen immer noch zu oft die bequemen und die sicheren Jobs aus. Wo findet man den Frauen primär in der Arbeitswelt? Neuralgische Punkte wären das Krankenhaus, wo sie sowohl als Ärztinnen als auch als Krankenschwestern arbeiten? Aber sonst? Supermarktkasse, Schulen, Ämter, Kindergärten. Wenn sie also streiken, dann schließen Schulen und Kindergärten und Ämter - das fällt aber kaum jemandem auf außer diesen Frauen selbst, die sich dann aber um ihre eigenen Kinder kümmern können, die ja grad nicht zur Schule gehen. Die Supermarktkasse ist schon lange kein homogenes Arbeitsfeld mehr, die Schlangen wären also länger, aber würden abgearbeitet (bei uns in den Supermärkten ist das Kassenverhältnis w:m circa 2:1) Nur krank werden sollte man während des Streiks nicht. Alles andere läuft weiter. Busse, Bahnen, Flugzeuge und LKWs fahren. Die kleinen und großen Industriebetriebe produzieren weiter. Benzin, Kohle und Öl kommt weiter über die Pipelines und Industriehäfen und wird dann von Männern weiterverarbeitet und -transportiert. Das ganze sollte mehr als Klassenkampf, denn als Geschlechterkampf angegangen werden: Wirklich stillstehen würde Deutschland, wenn jeder, der weniger als 2000€ brutto verdient, mal zu Hause bliebe.
th.mueller75 25.02.2017
5. Mittlerweile müssen sich wir Männer emanzipieren
Wir Männer sind mittlerweile das benachteiligte Geschlecht. Es gibt praktisch keinen Mann mehr, der sich nicht um die Erziehung der Kinder kümmert. Die Thesen sind allemal Quatsch und an den Haaren herbeigezogen und Alternative Fakten!! Als Alleinerziehender Vater werde ich regelmäßig mit der Realität konfrontiert, in der Frauen schon kleinen Männer einbläuen, dass Gewalt per se schlecht sei. Hier mangelt es nicht nur an Empathie den kleinen Männern gegenüber, sondern auch am Verständnis unser Entwicklungsgeschichte: ein paar Jahre Zivilisation sind stammesgeschichtlich bedeutungslos. Ohne diese angeborene Tugend des männlichen Geschlechtes, würden wir vielleicht gar nicht mehr exitieren. Und da Männer in Erziehungsberechufen leider nicht gefördert oder gar akzeptiert werden, wird so unsere ganze Brut verweichlicht (her)erzogen , damit dann einige Generationen später die Frauen ganz automatisch und selbstverständlich die Macht übernehmen können. Nur solche Männer, die die Frauen so gemacht haben, möchten Sie dann auch nicht haben, und es liegt wieder an den Männern. Hört endlich mit dieser Hexenjagd auf und benehmt euch wie Erwachsene!
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