Friedrichstadt-Palast Intendant geht hart mit Ostdeutschen ins Gericht

Berndt Schmidt, Chef des Friedrichstadt-Palastes in Berlin, macht den Osten für den Erfolg des Rechtspopulismus verantwortlich. Er wolle kein Geld von AfD-Wählern und "Hohlköpfen mit Migrationshintergrund".
Berndt Schmidt, Intendant des Friedrichstadt-Palastes

Berndt Schmidt, Intendant des Friedrichstadt-Palastes

Foto: imago/ Martin Müller

In einem Schreiben an sein Ensemble macht Berndt Schmidt, Intendant des Berliner Revuetheaters Friedrichstadt-Palast, seinem Ärger über die Bundestagswahl Luft: "Rechtspopulismus ist nicht nur ein Problem im Osten, aber bei uns im Osten ist das Problem am größten."

Schmidt verfasste die Mail als Reaktion auf einen bei SPIEGEL ONLINE erschienenen Kommentar. Darin beschreibt Korrespondent Hasnain Kazim seine Erfahrungen als Deutscher mit dunklerer Hautfarbe.

Der Palast sei eine bedeutende Kulturinstitution im Osten; daraus erwachse auch eine Verantwortung, schreibt Schmidt. Er fährt fort: "Natürlich, nicht alle AfD-Politiker sind Nazis und auch nicht alle AfD-Wähler*innen. Aber wer AfD wählte, wusste, dass er auch Nazis in den Bundestag wählt. Wer das aus Angst oder Sorge oder Protest in Kauf nimmt, ist ein Brandstifter und Mittäter. No fucking excuse."

"Ich will all deren Geld nicht"

Auch in den Büros und auf der Bühne des Friedrichstadt-Palastes arbeiteten "äußerlich nicht deutsch" aussehende Kolleginnen und Kollegen. Auch sie würden die in Kazims Artikel beschriebenen Gefühle der Angst kennen.

Ensemble-Kollegen hätten Schmidt erzählt, "wie manche unserer nichtdeutschen oder deutschen, aber nicht deutsch aussehenden Kinder auf Schulwegen, in Bussen und Bahnen unter geringschätzigen Blicken, Zischeleien oder offenen Anfeindungen von deutschen 'Volksgenossen' zu leiden haben." Das heiße nicht, dass deutsch aussehende Kinder, Erwachsene, Homosexuelle oder Juden "nicht auch mal unter geringschätzigen Blicken, Zischeleien oder offenen Anfeindungen mancher Typen mit Migrationshintergrund zu leiden haben."

Deshalb, so schreibt Schmidt weiter, "werden wir uns künftig noch deutlicher als bisher von 20 oder 25 Prozent unserer potenziellen Kunden im Osten abgrenzen und von Hohlköpfen mit Migrationshintergrund selbstverständlich auch. Ich will all deren Geld nicht." Und: "Der Palast repräsentiert den anständigen Osten, egal ob in Beirut, Bautzen oder, wie ich, in Bruchsal geboren."

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