Alternativkultur-Festival Streit über Fusion-Sicherheitskonzept 

Wo einst russische Militärmaschinen über die mecklenburgische Landschaft flogen, schwirren beim Fusion Festival seit 22 Jahren Elektrobeats durch die Lüfte. Nun äußert die Polizei Bedenken.

Das Fusion Festival in Lärz: Musik, Kultur und Lebensgefühl für vier Tage im Juni
Frank Brexel/ imago images

Das Fusion Festival in Lärz: Musik, Kultur und Lebensgefühl für vier Tage im Juni


Über das Sicherheitskonzept für das alternative Festival Fusion auf einem ehemaligen sowjetischen Militärflugplatz im mecklenburgischen Lärz ist ein heftiger Streit zwischen Polizei, Sicherheitsbehörden und den Veranstaltern entbrannt.

Polizei und Landkreis haben die Veranstalter aufgefordert, Mängel im Sicherheitskonzept zu beheben und Kontrollen auf dem Festgelände zuzulassen, wie Landrat Heiko Kärger (CDU) mitteilte: "Die Sicherheitsbelange für solch eine Großveranstaltung müssen erfüllt werden." Keiner wolle Probleme, wie es sie 2010 beim Love-Parade-Unglück in Duisburg gegeben habe.

"Gewaltbereite Personen" erwartet

Das Polizeipräsidium Neubrandenburg hatte die Sicherheitsbedenken zuvor damit begründet, dass aufgrund der Erkenntnisse aus der polizeilichen Auswertung und der Einlassung des Veranstalters "eine Beteiligung politischer, in Teilen hoch gewaltbereiter Personen" zu erwarten sei.

Die Veranstalter vom Verein Kulturkosmos Müritz werfen dem Neubrandenburger Polizeipräsidium vor, das diesjährige Fusion Festival Ende Juni mit überzogenen Forderungen verhindern zu wollen. So wolle die Polizei eine Wache mitten auf dem Festivalgelände und zudem eine "anlasslose und verdachtsunabhängige Bestreifung durch uniformierte und verdeckte Polizeibeamte" auf dem Gelände, teilte der Verein in Berlin mit. Das lehne man wegen der "Freiheit der Kunst und der freien Entfaltung der Gäste" ab.

Der Verein teilte außerdem mit, dass Behörden und Polizei nicht auf Kompromissvorschläge eingegangen seien. Unter dem Slogan "Für die Freiheit von Kunst und Kultur - Gegen anlasslose Polizeipräsenz auf friedlichen Kulturveranstaltungen" startete Kulturkosmos eine Onlinepetition, die bis zum Mittag bereits mehr als 43.000 Menschen unterzeichnet hatten.

Das Festival war 1997 als kleiner Rave gestartet, inzwischen kommen bis zu 70.000 Menschen zu dem viertägigen Event mit DJ-Sets, Konzerten, Kulturveranstaltungen und Workshops zu politischen Themen. Der Veranstalter bezeichnet das Festival als "Mecklenburg-Vorpommerns bekannteste Kulturveranstaltung" und "das größte unkommerzielle, alternative Kulturfestival Europas". Er sieht in dem Event ein Ort, an dem Generationen von Jugendlichen aus der Region eine kosmopolitische, weltoffene und liberale Weltanschauung mit auf den Weg bekommen haben. "Vier Tage Ferienkommunismus" lautet das Motto für die Veranstaltung vom 26. bis 30. Juni.

brs/dpa

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Horst Haber 06.05.2019
1. Klar wollen die Veranstalter keine Polizei auf ihrem Drogen-Festival
Dass bei so einer Veranstaltung Drogen in Unmengen konsumiert werden, ist kein Geheimnis. Dass die Veranstalter keine Polizei dort haben wollen, hats nichts mit Freiheit von Kunst und Kultur zu tun, sondern mit der Angst, dass die Polizei Hunderte von Dealern und Kunden festnimmt und die Behörden in der Zukunft dieses Festival wegen des Drogenkonsums nicht mehr zulassen.
bernteone 06.05.2019
2. Wer schon mal da war
weiß warum die Polizei auf das Gelände will. Auf jeden Fall nicht wegen gewaltbeteteiter Gäste . Ich war 7 x bei der Fusion und habe nie Gewaltbereitschaft erlebt , im Gegenteil alles easy und Peace . Die meisten Teilnehmer sind da mal 4 Tage unter sich , ist fast wie eine große Familie man trifft jedes Jahr die gleichen Leute . Der Polizei geht es um.den Drogenkonsum soviel Ehrlichkeit sollte schon sein . Die haben in den letzten Jahren richtige Stützpunkte vor dem.Gelände errichtet und Kontrollen im großen Stil durchgeführt . Damit sollte dann aber auch genug sein oder man sagt die Fusion wirklich ab , Polizei auf dem Gelände würde nur Provozieren und ein Großteil der Gäste würde das Festival wohl.meiden , mich eingeschlossen
McMuffin 06.05.2019
3. Rechtsfreier Raum?
Nur mal so zum Vergleich: Natürlich gibt es bei Rock am Ring eine Polizeiwache vor Ort. Zudem waren rund 1.400 Polizisten im Einsatz, darunter auch viele in zivil. Da geht es um die Sicherung der Veranstaltung selbst - solche Großveranstaltungen sind immer ein potenzielles Ziel von Terroristen und Verrückten - aber auch um die Sicherheit vor Ort. Wo so viele Menschen auf engem Raum zusammen sind, kommt es immer zu Konflikten und Straftaten. Straftaten zu begehen fällt weder unter die "Freiheit der Kunst" noch unter die "freie Entfaltung der Persönlichkeit". Wenn das die Festivalmacher anders sehen, ist es vielleicht tatsächlich besser, das Festival findet nicht statt.
Ed Roxter 06.05.2019
4.
Fadenscheinig klingt das alles. "eine Beteiligung politischer, in Teilen hoch gewaltbereiter Personen" ist also zu erwarten - und worauf stützt sich das? Furchtbare Ausschreitungen in den letzten Jahren? Fusion, das altbekannte Linksterroristen-Trainingscamp? Natürlich finden sich auf einem Festival dieser Couleur Personen, die radikaler anmutendes, reaktionäres Gedankengut in sich tragen - davon ist bei jeder Party in jedem Autonomen Zentrum auszugehen. Aber als ob die gerade auf einer Kulturveranstaltung aus den und innerhalb der "eigenen Reihen" irgendetwas planen würden, das ein derartiges Polizeiaufgebot rechtfertigen würde... Und auch hier gilt die Unschuldsvermutung - bitte erst dann polizeilich behandeln, wenn (falls) die Leute tatsächlich straffällig werden - was sie auf dieser Veranstaltung mit Sicherheit nicht werden, das wird sich für andere Gelegenheiten aufgespart. So sieht das alles nur nach ziemlich affigem Die-Muskeln-spielen-lassen seitens der Polizei aus... Außerdem: Andere Festivals dieser Größenordnung schaffen es auch, in Zusammenarbeit mit den Behörden alle Sicherheitsauflagen zu erfüllen, ohne dass die Polizei sich dort mit einer Wache auf dem Gelände, verdeckten Ermittlern und anlassloser Bestreifung niederlassen müsste.
mirrormirroronthewallonli 06.05.2019
5. Drogenversifft und linksradikal geprägt
Ich war 2016 dort und erschrocken, wie offen überall mit Drogen umgegangen wurde. Das elektronische Musik oft mit Drogen verbunden wird, mag bekannt sein, aber bislang haben entsprechende Konsumenten diese trotzdem noch "versteckt" konsumiert. Hier sieht man an vielen Zelten Schilder, die Drogen anboten oder Tausch unterschiedlicher Drogen anfragten. Zudem war der eigene "Sicherheitsdienst" penetrant unprofessionell. Auf dem Zeltplatz wollten mehrere festivalgänger das Fußballspiel Deutschland gegen Italien auf eigenen Kanälen sehen oder im Autoradio hören. Diese Lachnummern sind Patrouille gefahren und haben sich an dem Eigentum der entsprechenden Leute vergriffen indem sie die Geräte selbst abgestellt und mit dem Verweis vom Gelände gedroht hatten. Dazu kamen links-idiotische Sprüche hinsichtlich nationalen Denkens - wegen eines Fußballspiels zur EM. Auf dem Parkplatz wurden noch von meinem Auto das Zeichen der Marle von der Motorhaube gepult und auf selbiger sowie dem Dach herumgesprungen. Ein wenig Polizeipräsenz würde einem ruhigeren und angenehmeren Ablauf gut tun und der Kunst und Musik, um die es ja angeblich geht, eher mehr Genuss denn Schäden bringen.
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