Gegenwartskunst Nationalgalerie ehrt italienische Künstlerin

Kunst kennt keine Sieger – meint Christoph Schlingensief und wollte deshalb gestern Abend in Berlin die Bekanntgabe der Preise der Nationalgalerie für Junge Kunst ergebnislos abbrechen. Die höchstdotierten deutschen Auszeichnungen für Gegenwartskunst wurden am Ende natürlich doch noch verliehen.


Berlin - Die italienische Künstlerin Monica Bonvinici, 40, setzte sich gegen ihre Mitbewerber John Bock, Angela Bulloch und Anri Sala durch. Sie gewann gestern Abend den mit 50.000 Euro dotierten Preis der Nationalgalerie für Junge Kunst 2005. Die jüngste Arbeit der Künstlerin, "Never Again", ist im Museum ausgestellt. Es handelt sich dabei um eine Installation aus Hängematten verschiedener Materialien, Baugerüsten und Stahlketten.

Die Jury, bestehend aus Dan Cameron (New Museum of Modern Art, New York), Erika Hoffmann-Koenige (Sammlung Hoffmann, Berlin) und Dr. Angela Schneider (Nationalgalerie, Berlin), zeigte sich begeistert vom Werk der Italienerin. Bonvinici geht bei ihren Arbeiten "von sozial-politischen Gegebenheiten der Gesellschaft aus und produziert Skulpturen oder Installationen, die die Wirkung des Körpers im Raum offensiv erkennbar machen", begründeten die Experten ihre Entscheidung. Alle nominierten Künstler leben in Berlin und genießen auch international einen ausgezeichneten Ruf.

Die aus Kanada stammende Künstlerin Angela Bulloch wurde für ihre Installation mit leuchtenden Fäden und elektronischem Soundtrack mit dem Publikumspreis ausgezeichnet. Bulloch, 39, war auch für den Hauptpreis nominiert, musste sich aber mit der undotierten Publikums-Variante zufrieden geben.

"Wir brauchen Kriege, Crashs und Konfusionen", sagte Regisseur Christoph Schlingensief in seiner Festansprache. "An ihnen allein kann Kunst sich messen." Er brach seine Ansprache jedoch ab, bevor er, wie vorgesehen, den Preisträger für den undotierten Publikumspreis bekannt gab, und sagte: "Kunst kennt keine Sieger, also breche ich die Veranstaltung ergebnislos ab." Der Preis wurde vom nächsten Redner bekannt gegeben.

Die Auszeichnung gibt es seit 2000. Der Verein der Freunde der Nationalgalerie hatte ihn ins Leben gerufen, um die Kunst- und Kulturszene in Berlin zu unterstützen.

Die Kunstwerke der Preisträger und Mitbewerber sind noch bis zum 16. Oktober in den Räumen des Museums Hamburger Bahnhof.



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