Gemälderaub in Paris Einsteigen, stehlen, Multimillionär werden

Es klingt so simpel: Ein Mann klettert durch das Fenster eines Pariser Museums - und stiehlt Gemälde im Wert von fast 100 Millionen Euro, darunter einen Picasso. Genau so ist es in Paris geschehen. Die Ermittler fürchten nun, dass die Beute in einer privaten Sammlung landet.
Gemälderaub in Paris: Einsteigen, stehlen, Multimillionär werden

Gemälderaub in Paris: Einsteigen, stehlen, Multimillionär werden

Foto: ANNE-CHRISTINE POUJOULAT/ AFP

Erst hieß es: 500 Millionen Euro! Kunstwerke in diesem Wert seien aus einem Pariser Museum gestohlen worden. Inzwischen haben die Behörden sich korrigiert: Die entwendeten Gemälde haben einen Schätzwert von 90 bis 100 Millionen Euro. Doch der Coup ist immer noch einer der größten der vergangenen Jahre.

Und eine Räuberpistole. Denn so lief die Tat nach jetzigem Ermittlungsstand ab: Eine einzelne Person kletterte durch ein Fenster ins Museum. Aufzeichnungen der Sicherheitskamera zeigen, dass ein Maskierter von der Avenue du Président Wilson ins Pariser Museum für moderne Kunst einstieg. Am nächsten Morgen dann stellte das Museumspersonal fest, dass eine Scheibe eingeschlagen und ein Vorhängeschloss aufgebrochen wurde.

So lapidar das Verfahren, so exquisit ist die Beute, die der oder die Diebe mitgehen ließen: Werke von Matisse, Modigliani, Braque, Leger und Picasso sind verschwunden.

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Gemäldediebstahl: Dreist zu Werke gehen

Foto: ANNE-CHRISTINE POUJOULAT/ AFP

Die Schätze, die der Kunsträuber aus dem gegenüber des Eiffel-Turms gelegenen Museums hinaustrug, sollen nicht einmal versichert gewesen sein. "Diese Objekte sind nach unserem Kenntnisstand nicht versichert", zitiert die "Frankfurter Rundschau" den Managing-Direktor beim größten Kunstversicherer Axa-Art, Stefan Horstehmke, in ihrer Freitagausgabe.

Der Pariser Bürgermeister Bertrand Delanoë gab außerdem zu, dass bereits seit Ende März ein Teil des Alarmsystems in dem Museum nicht funktioniert habe. Noch am gleichen Tag, dem 30. März, habe das Museumspersonal entsprechendes Ersatzmaterial angefordert, doch dieses sei noch nicht geliefert worden, so Delanoë.

Die französische Polizei spricht nun von erheblichen Sicherheitsmängeln, nicht nur im aktuellen Fall, sondern generell. Tatsächlich haben es Langfinger leicht in der Grande Nation, große Kunst zu stehlen. So konnten Unbekannte im Juni vergangenen Jahres während Bauarbeiten ein kostbares Skizzenbuch von Pablo Picasso aus dem ihm gewidmeten Museum im dritten Pariser Bezirk entwenden.

Verlust für alle

Und in der Nacht zu Silvester wurde in Marseille das Bild "Les Choristes" ("Die Chorsänger") von Edgar Degas gestohlen. 800.000 Euro beträgt der Schätzwert des Werks.

Fragt sich natürlich: Wo setzt man solches Diebesgut in bare Münze um? Die Arbeiten sind schließlich so bekannt, dass man sie keinem Galeristen und auch keinem seriösen Sammler unterjubeln kann. Ermittler gehen davon aus, dass berühmte Werke wie die in Paris gestohlene "Taube mit Erbsen" von Picasso in illegalen Kollektionen abtauchen.

Pierre Cornette de Saint-Cyr, der Direktor des Museums Palais de Tokyo, bezeichnete die Diebe als Dummköpfe. "Mit diesen Bildern kann man nichts anfangen", sagte er. "Alle Länder auf der Welt wissen davon und kein Sammler ist so dumm, ein Bild zu kaufen, das er erstens keinem anderen Sammler zeigen kann und bei dem er zweitens Gefahr läuft, im Gefängnis zu landen." Er rechne damit, dass die Werke wieder auftauchten. "Diese fünf Bilder sind unverkäuflich."

Präsentieren können die diebischen Kunstfreunde ihre Schätze zwar nicht. Aber sich an ihnen exklusiv erfreuen.

Der Verlust für die Gesellschaft ist gleich ein doppelter: einmal kulturell - und einmal finanziell. Schließlich waren es Steuerzahler und Spender, die die Kunstwerke über Jahre gepflegt und erhalten haben.

dan
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