Geplanter Stellenabbau Münte unterstützt WAZ-Belegschaft

Der Streit zwischen Belegschaft und Geschäftsführung der WAZ-Gruppe schwelt seit rund zwei Wochen. Grund: Der Verlag möchte rund 300 Stellen abbauen. Jetzt hat sich SPD-Chef Müntefering eingeschaltet - und geht damit gegen einen alten Genossen vor.


Hamburg - Mit einem Brief an die Belegschaft und die Geschäftsführung der WAZ-Gruppe ergriff Franz Müntefering Partei für die WAZ-Mitarbeiter. Der angedachte Abbau von fast einem Drittel der Stellen sollte nicht "in der angedeuteten Art und Weise" erfolgen.

SPD-Parteivorsitzende Franz Müntefering: WAZ soll auf Stellenabbau verzichten
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SPD-Parteivorsitzende Franz Müntefering: WAZ soll auf Stellenabbau verzichten

Damit meint Müntefering das neue "Mantelkonzept", das die drei großen Ruhrgebietszeitungen der WAZ unter einem Dach zusammenfassen will. Schon jetzt erscheinen die "Westdeutsche Allgemeine Zeitung" (WAZ), die "Neue Ruhr/Rhein Zeitung" (NRZ), die "Westfälische Rundschau" (WR) und die "Westfalenpost" (WP) mit geringerer Seitenzahl.

Müntefering appellierte damit auch an seinen Parteikollegen, Bodo Hombach, derzeit mit Christian Nienhaus Geschäftsführer der WAZ-Mediengruppe, "auf betriebsbedingte Kündigungen zu verzichten und alle weiteren Maßnahmen sozialverträglich zu gestalten".

Die beiden WAZ-Geschäftsführer reagierten prompt per Fax: Ihr Verständnis von sozialer Verantwortung verlange, "vor einer ökonomischen Katastrophe die notwendigen Reformen einzuleiten, um die Existenz des Unternehmens dauerhaft zu sichern". Und setzten leicht schnippisch hinzu: Die wirtschaftlichen Daten, auf denen die Entscheidung beruhe, stammten von dem Beratungsunternehmen Schickler, das schon öfter für die SPD-Medienholding DDVG tätig war - zuletzt prominent im Rahmen der Sanierung der "Frankfurter Rundschau", bei der die Stellen von rund tausend Angestellten auf sechshundert reduziert worden waren.

Einer Betriebsversammlung der vier WAZ-Zeitungen in Essen blieben die Geschäftsführer aber am gestrigen Dienstag fern - und schickten lieber Chefredakteur Ulrich Reitz. Dieser rechtfertigte die geplanten Entlassungen damit, dass es "auf Dauer nicht gerecht" sei, wenn im Ausland verdientes Geld die Verluste der Zeitungstitel in NRW ausgleichen müsste; die WAZ-Mediengruppe gibt in Südosteuropa unter anderem 26 Tageszeitungen heraus.

Die Einlassungen des Chefredakteurs sorgten für Buhrufe bei der Belegschaft, die sich noch daran erinnerte, dass das Südosteuropa-Geschäft auch mit dem Ziel gestartet sei, die hiesigen Arbeitsplätze zu schützen.

Die Journalisten-Gewerkschaften DJV und dju befürchten durch die geplante Zentralredaktion einen "monopolistischen Einheitsbrei". Sie planen breite Öffentlichkeitsaktionen gegen den geplanten "Kahlschlag": Die WAZ-Gruppe erwirtschafte Jahr für Jahr zweistellige Millionengewinne. Kurzfristige betriebsbedingte Kündigungen seien für ein solches Unternehmen daher ein völlig unpassendes Mittel, sagte der Geschäftsführer des Deutschen Journalisten-Verbandes (DJV) Kajo Döhring in Essen.

Die Gewerkschaftsvertreter betonten, die Belegschaft sei bereit, an Qualitätsverbesserungen und Sparkonzepten mitzuarbeiten. Die Betriebsräte der vier Titel luden daher zu einer Betriebsversammlung.

Am 21. November soll der Bericht der Unternehmensberatung Schickler vorgestellt werden. Chefredakteur Reitz war optimistisch, danach mit den Betriebsräten und Gewerkschaften zu einer Einigung zu kommen. Das Verhalten der Gewerkschaften sei konstruktiv. "Ich hoffe, dass wir es ohne betriebsbedingte Kündigungen schaffen."

ely/dpa



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