Geraubte Kunst Irakische Antiquität auf US-Flughafen beschlagnahmt

Mindestens ein Kunstwerk aus einem geplünderten irakischen Museum ist an einem amerikanischen Flughafen gefunden worden, berichtet das FBI. Experten vermuten, dass einige Plünderer im Irak von internationalen Sammlern beauftragt wurden.

Washington – Was viele Kunstexperten befürchtet haben, scheint nun einzutreten. Im Irak aus Museen geplünderte Objekte tauchen auf dem internationalen Markt auf. An einem amerikanischen Flughafen wurde jetzt ein noch nicht näher benanntes Kunstwerk sichergestellt. Die Beamten machten weder Angaben zu dem Kunstgegenstand noch zu dem betreffenden Flughafen. Die Zoll- und Einwanderungsbehörde teilte mit, dass niemand verhaftet worden sei. Die Ermittlungen würden jedoch fortgesetzt.

Das FBI sagte unterdessen, es hätte begonnen, zusammen mit Interpol und anderen internationalen Polizeibehörden nach gestohlenen Gegenständen aus Bagdader Museen zu suchen. Unterstützung käme dabei auch von Museumsdirektoren und amerikanischen Experten.

Kunst aus dem Irak ablehnen

Interpol mit Sitz in Lyon hatte bereits vergangene Woche verkündet, dass alle 181 Mitgliedsstaaten ihre Sicherheitskräfte an der Grenze und beim Zoll, sowie Kunsthändler und Auktionshäuser auf die Situation aufmerksam machen sollten. "Interpol ruft alle Organisationen und Institutionen, die mit Kunst handeln, dazu auf, grundsätzlich alle Käufe abzulehnen, bei denen es um Objekte aus dem Irak geht", sagte Karl-Heinz Kind, Interpol-Experte für Kunstdiebstahl, gegenüber dem Nachrichtensender CNN. "Wenn Zweifel über die Herkunft eines Gegenstands bestehen, sollten die Institutionen sofort Kontakt mit Interpol aufnehmen und Experten zu dem jeweiligen Gegenstand befragen, der zum Kauf angeboten wird."

Das FBI plant unterdessen nach eigenen Angaben, eine Gruppe Agenten in den Irak zu entsenden. Sie sollen Informationen über die vermissten Kunstgegenstände sammeln. Eine von der Unesco eingesetze Experten-Gruppe hatte zuvor vermutet, dass einige Plünderer von Sammlern aus aller Welt beauftragt wurden, die mit dem Untergang des irakischen Regimes gerechnet hatten. Die 30 Spezialisten sagten, es gäbe im Irak zwei Arten von Plünderung: Vandalismus und organisierten Diebstahl.

Obwohl die Experten nach eigenen Angaben keine Beweise haben, sagten sie, dass es sich in einigen Fällen anscheinend um Auftragsdiebstahl handele. Sie stellten auch fest, dass einige Räuber über Schlüssel zu Gewölben in den Museen verfügten. Einige der vermissten Gegenstände könnten in London wieder auftauchen, denn dort sei eines der größten Handelszentren für islamische Kunst, sagte Dick Ellis, einer der von der Unesco beauftragten Experten für die Suche gestohlener Kulturgüter.

Schon vor Monaten gewarnt

Uno-Beamte sagten, sie hätten die USA schon Monate vor Kriegsbeginn vor den Risiken für irakische Museen und Kultureinrichtungen gewarnt. Bereits im Dezember hatte McGuire Gibson, ein Orientalist von der Universität Chicago, dem State Department Hinweise zum Schutz von rund 4000 archäologischen Stätten im Irak gegeben. In seinen Listen waren die Koordinaten der Ruinen von Ninive, Nimrud und Assur, sowie der über 60 Meter hohen Moschee von Samarra eingezeichnet - als Warnung für die Programmierer der Marschflugkörper.

Während internationale Behörden nun nach Kräften versuchen, die gestohlenen Kunstgegenstände wiederzufinden, haben Kunstsammler in den USA ein anderes Anliegen. Sie wollen die Einfuhr irakischer Kulturgüter legalisieren und erleichtern. Die Argumente gleichen denen der europäischen Kolonialzeit: Die Kunstwerke seien in westlichen Museen besser aufgehoben. Eine Lobbygruppe reicher Sammler war bereits im Januar zu Besuch im Weißen Haus in Washington. Sie halten das harte irakische Antikengesetz für zu "zurückhaltend". Ausländische Archäologen, so ihre Forderung, müssten in Zukunft schneller Grabungslizenzen erhalten.

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