Gerhard Richter zum Kulturgutschutzgesetz "Ich würde die Bilder schnellstens verkloppen"

Nachdem Georg Baselitz angekündigt hat, seine Werke als Reaktion auf das geplante Kulturgutschutzgesetz aus Museen zurückzuziehen, meldet sich Deutschlands bedeutendster Gegenwartskünstler zu Wort - und findet klare Worte.
Gerhard Richter: "So viel Qualität kann es in der Kunst gar nicht geben"

Gerhard Richter: "So viel Qualität kann es in der Kunst gar nicht geben"

Foto: Walter Bieri/ dpa

Für Gerhard Richter ist das geplante Kulturgutschutzgesetz der Bundesregierung ein Eingriff in die Freiheit: "Niemand hat das Recht, mir vorzuschreiben, was ich mit meinen Bildern mache", sagte Richter im Gespräch mit der "Dresdner Morgenpost". Er werde seine Bilder nicht irgendeiner Kommission zeigen und fragen, ob er sie verkaufen dürfe. "Diese Leute haben meist auch gar keine Ahnung von Kunst", so Deutschlands bekanntester Gegenwartskünstler. Seiner Ansicht nach geraten Bilder nicht in falsche Hände, sondern fänden irgendwann den Weg in ein Museum, wenn sie gut seien.

Mit dem geplanten Kulturgutschutzgesetz will die Bundesregierung den Schutz von Kulturgut neu regeln und auch an EU-Recht anpassen. Unter anderem sollen die Ausfuhrbeschränkungen verschärft werden. Vor allem vom Kunsthandel und von Sammlern kommen teils vehemente Proteste gegen das geplante Gesetz. Der Bildhauer und Maler Georg Baselitz hatte am Wochenende als Reaktion auf das Gesetz angekündigt, seine Dauerleihgaben aus deutschen Museen abzuziehen.

Richter sagte dazu: "Ich würde es genauso machen wie er: die Bilder aus den Museen holen, schnellstens auf den Markt bringen und verkloppen." Zudem teilte Richter allgemeiner gegen den aktuellen Museumsbetrieb aus. Für ihn gäbe es ohnehin viel zu viel Kunst in Museen, und ständig müssten neue Räume gefüllt werden. "So viel Qualität kann es in der Kunst gar nicht geben." Wenn ein Bild Millionen wert sei, guckten es die Leute an, weil es teuer sei, beklagte der Künstler - es gehe nur noch ums Spektakel. "Mit einem Bild, mit Kunst hat das nichts zu tun."

eth/dpa
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