Kunst von Gerhard Richter 3150 Euro Strafe für gestohlenes Altpapier

Wegen Diebstahls von vier aussortierten Werken des Künstlers Gerhard Richter hat das Kölner Amtsgericht einen Mann zu 3150 Euro Geldstrafe verurteilt. Der Mann hatte die Skizzen aus der Altpapiertonne des Malers gestohlen.

Der Angeklagte Mann, der weggeworfene Skizzen von Gerhard Richter stahl, im Kölner Amtsgericht
Oliver Berg / DPA

Der Angeklagte Mann, der weggeworfene Skizzen von Gerhard Richter stahl, im Kölner Amtsgericht


Weil er weggeworfene Skizzen aus dem Altpapier des Künstlers Gerhard Richter gestohlen hat, muss ein Mann eine Geldstrafe von insgesamt 3150 Euro zahlen. Das Kölner Amtsgericht verurteilte den 49-Jährigen zur Zahlung von 90 Tagessätze zu je 35 Euro.

Richter hatte die vier Bilder, die er für misslungen hielt, in die Altpapiertonne vor seinem Haus geworfen. Die Bilder waren im Gerichtssaal dick mit Pappe, Folie und Klebestreifen verpackt. "Jetzt muss ich aber ganz vorsichtig sein", sagte Richterin Katharina Potthoff, als sie sich mit einer Schere an dem flachen Päckchen abmühte. Schließlich sind die Werke Richters mit die teuersten eines lebenden Künstlers.

Dessen Ansicht nach waren die Bilder misslungen. Darum hatte er sie nicht signiert, sondern in seine Altpapiertonne geworfen. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der Angeklagte die Skizzen von dort im Juli 2016 mitgenommen hatte und sie verkaufen wollte.

Auch wenn die unsignierten Bilder auf dem legalen Kunstmarkt nach Angaben von Experten nicht verkäuflich seien, seien sie nicht wertlos, sagte die Richterin. Der genaue Wert sei nicht zu ermitteln, laut Anklage liegt er geschätzt bei rund 60.000 Euro.

Trotz Entsorgung waren die Skizzen Eigentum des Künstlers

Der 49-Jährige hatte bei der Polizei ausgesagt, der Papiercontainer sei bei einem Sturm umgefallen. Die Bilder hätten deshalb nicht in der Tonne, sondern auf der Straße gelegen. Der Angeklagte habe nach eigenen Angaben "etwas Gutes tun wollen", indem er im Juli 2016 die herausgefallenen Papiere einsammeln und wieder in die Tonne legen wollte. Dabei habe er die vier Werke - postkartengroße, mit Öl übermalte Fotos - gefunden.

Eine Frau betrachtet ein Gemälde von Gerhard Richter im Albertinum, Dresden (Archivbild)
Robert Michael / AFP

Eine Frau betrachtet ein Gemälde von Gerhard Richter im Albertinum, Dresden (Archivbild)

Nachdem er eigenen Angaben zufolge kein Gehör bei Richter gefunden habe, bot der Angeklagte zwei der Bilder einem Münchner Auktionshaus an. Dies nahm die Werke zwar zunächst an, verlangte allerdings ein Echtheitszertifikat vom Gerhard Richter Archiv in Dresden.

Für den Leiter des Archivs, Dietmar Elger, war die Echtheit der Werke gleich klar. Allerdings sei es ihm merkwürdig vorgekommen, dass die Bilder keine Signatur und keine Rahmung hatten. Die Behauptung des Angeklagten, er habe die Bilder von einem Künstler bekommen, der sie wiederum von Richter als Geschenk erhalten habe, habe nicht dazu gepasst. "In diesem Zustand würde Richter seine Bilder nie verschenken."

Nach Auffassung des Gerichts waren die Skizzen dennoch nach wie vor Eigentum des Künstlers. "Er hatte den Willen, die Bilder zu entsorgen", sagte die Richterin.

Richter selbst hat nach Angaben seines Ateliers an einer Strafverfolgung des Angeklagten kein Interesse, sondern wolle nur, dass die Arbeiten vernichtet werden. "Er wollte einfach seine Ruhe", berichtet auch der Polizist, der den Künstler vernommen hatte. "Die ganze Sache schien ihm lästig zu sein."

mal/dpa/AFP



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