S.P.O.N. - Fragen Sie Frau Sibylle Die Erde ist eine Scheibe, Schwule sind Sünder

Wenn Katholiken in Amt und Würden mal wieder Homosexuelle dissen, sollten wir innehalten und nachdenken. Über Gleichberechtigung, über Verbohrtheit, über die Gay-Lobby und die eigenen vier Wände.

Die heutige kleine Geschichte geht so. Pfarrer in der Schweiz traut ein Frauenpaar, Pfarrer im Anschluss arbeitslos . Seine Schafe sammeln Unterschriften, die linksversiffte Lügenpresse wettert, bis die "NZZ" einen mutigen, ähm, leider unverlinkbaren Artikel gegen den Medienmainstream druckt. In dem sich der Sprecher Gracia des Bischoffs Huonder, ein aufrechter Kämpfer gegen die Widernatürlichkeit von Gender-Theorien, gegen Homosexualität, kurz: gegen alles in der Schöpfungsgeschichte nicht Vorgesehene, zu dem Vorfall äußert .

Hier einige Auszüge aus seinem Brief an die Welt:

"Der Streit um die Segnung homosexueller Paare sorgt für Schlagzeilen. Viele sind bestürzt, dass die katholische Lehre - im Übrigen auch nachzulesen in einem Dokument der Schweizer Bischofskonferenz - solche Segnungen nicht zulässt. Das empfindet man als menschenverachtend, homophob und fundamentalistisch. Katholische Bischöfe erscheinen da schnell als Unmenschen, die man im Namen der Nächstenliebe medial bekämpft, weil sie zur Lehre ihrer Glaubensgemeinschaft stehen. Allerdings habe ich auch Vorbehalte gegenüber der Gay-Lobby. Gewisse Aktivisten fordern heute nicht nur Freiheit, sondern die moralische Zustimmung aller Menschen. Wer abweicht, wird mit der Keule der Homophobie traktiert. Nur Befürworter sämtlicher Anliegen der Gay-Lobby dürfen ihre Meinung ungestraft öffentlich äußern. Eine kritische Sicht auf homosexuelle Lebensformen gilt als Menschenverachtung, als hate crime im Sinn der Rassismusstrafnorm."

Dies äußert der mutige Mann, und man ist geneigt, mit dem Kopf zu nicken, und zu murmeln, ja, die Meinungsfreiheit. Ein hohes Gut. Das müssen wir bewahren. Ich als Vorsitzende der Gay-Lobby, kurz auch: als uneingeschränkte Anhängerin des demokratischen Luxus der fortschreitenden Gleichberechtigung aller Menschen, möchte noch einmal kurz nachdenken.

Homosexualität, alles Queere, das dritte Geschlecht, verletzen also die Gefühle streng Gläubiger. So der Tenor des Artikels.

Ich erlaube mir, den Begriff GLAUBEN ein wenig zu untersuchen. Ich glaube an eine Gleichberechtigung aller. An die Überwindung von Rassismus, Sexismus. Und andere glauben an einen Gott, der durch männliche Menschen zur Bevölkerung sprach.

Heißt es nicht, dass wir Gläubigen auch daran glauben könnten, dass die Erde eine Scheibe ist? Bedeutet es nicht, dass Glauben den Keim der geistigen Verwirrung in sich trägt, weil es heißt, an etwas Angenommenem wider alle Fakten festzuhalten? Wir können glauben, dass wir ohne Hilfsmittel fliegen oder Wasser teilen können, dass ein Paradies auf uns wartet und dass die Bücher der Weltreligionen (Gott schuf dem Mann eine Gehilfin) aus einer Zeit stammen, in der die Welt noch nicht, sagen wir, übermäßig erforscht war. Könnte man also, wenn streng Gläubige alles, was dem damals eingeschriebenen Menschenbild widerspricht, als krankhaft bezeichnen, davon ausgehen, dass sie der Hilfe bedürfen?

Genau wie ich mit meinem linksversifften Glauben an Gleichberechtigung?

Glauben.

Vermutlich hält er viele am Leben, hilft ihnen, sich in diesem schwierigen Leben zurechtzufinden, und sollte von den Nichtgläubigen mit Freundlichkeit betrachtet werden. Allerdings sollte er ein interessantes Privatvergnügen sein, das ruhig und in den vier Wänden praktiziert werden sollte. Anders als homosexuelle, intersexuelle, queere Lebensformen, die vollkommen gleichberechtigt und öffentlich in unsere Welt gehören, mit all den damit verbundenen Rechten und Pflichten des Einzelnen. Daran glaube ich.

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Foto: SPIEGEL ONLINE
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