Sibylle Berg

Geschlechterkampf Frauen, macht Schluss mit dem Frauenhass!

Frauen gelingt einfach nicht, womit Männer schon seit Ewigkeiten erfolgreich sind: Solidarität mit den eigenen Geschlechtsgenossinnen. Sie sollten es lernen - es ist der einzige Weg zu echter Gleichberechtigung.
Veranstaltung in Berlin zum Weltfrauentag (Archivbild)

Veranstaltung in Berlin zum Weltfrauentag (Archivbild)

Foto: Rainer Jensen/ picture alliance / dpa

Die rasende Veränderung der Welt, vermutlich der Selbstbeschleunigung negativer Teilchen geschuldet, bringt uns um den Restverstand. Bald haben wir alle Tierarten ausgerottet. Hurra. Und die "Reichsbürger" haben rausgefunden, dass die Erde doch eine Scheibe ist. Stößchen. Der einzig emotionale Halt scheint die konstante, solide Skepsis zu sein, die viele Männer Frauen gegenüber empfinden. Ein Wert, auf den man bauen kann; die fundamentale Demütigung, die sie bei dem Gedanken empfinden, aus einer Frau auf die Welt gekommen zu sein.

Da nützt kein gutes Zureden. Wann immer einige Männer Frauen herabwürdigen können, werden sie die Gelegenheit gerne ergreifen . Vermutlich glauben sie wirklich daran, dass es ein überlegenes Geschlecht gibt - und zwar ihres. Und dass Frauen so ernst zu nehmen sind wie sprechende Papageien oder Hunde, die plötzlich programmieren können.

So what! Die Vielzahl jener Männer, die Menschen allein in friedfertig oder bösartig unterscheiden, würde ein erneutes Aufzählen des längst Bekannten langweilen. Die anderen, die mit Wahrnehmungsstörung, erreicht kein noch so eleganter Aufsatz. Darum wende ich mich heute an die Leserinnen mit der steilen These, dass es eine behagliche Gleichberechtigung von Frau und Mann erst geben wird, wenn Frauen einander mehr unterstützen. Sie solidarisieren sich mit Homosexuellen, mit Flüchtlingen, mit geschundenen Männern, aber immer noch zurückhaltend mit anderen Frauen.

Nach der Kölner Silvesternacht demonstrierten Frauen irgendwie gegen Sexismus. Aber zugleich auch gegen Rassismus, wie um sich bei den Idioten zu entschuldigen, die Frauen attackiert hatten. Statt Schlägerinnengruppen zur Bahnhofsplatte zu schicken, verlor sich die Energie in einer unendlichen Sexismus-Rassismus-Diskussion.

Es wertet keine Frau auf, andere Frauen zu verachten

Warum gelingt es Frauen nicht, wie anderen gesellschaftlich benachteiligten Gruppen, nach außen eine entschlossene Solidarität zu zeigen, auch wenn man sich untereinander hasst?

Die weibliche Mehrheit setzt einander herab, beleidigt und hasst sich, als ob es dafür Pluspunkte gäbe. Als ob der Pakt mit dem bisherigen Evolutionssieger helfen würde. Aber - es wertet keine Frau auf, andere Frauen zu verachten. Wenn es gelänge, Männern nicht mehr gefallen zu wollen, den Mut aufbringen zu können, einander nicht als Konkurrenz um deren Anerkennung zu betrachten, nicht zu bewerten, abzuwerten, wenn es gelänge, sich weibliche Vorbilder zu suchen, dann wären sie, wir, eine ernst zu nehmende Bedrohung der männlichen Vorherrschaft in immer noch nahezu allen Bereichen.

Doch das bedeutet, sich selbst zu hinterfragen. In allen Bereichen des täglichen Handelns und Denkens. Lese ich Frauenzeitschriften, diese Blätter des Antifeminismus? Lehne ich eine Meinung ab, nur weil sie von einer Frau kommt? Überprüfe ich zuerst, wie eine Frau aussieht, bewerte ihren Körper, ihre Kleidung, kurz: Verhalte ich mich wie ein von Männern dressierter Hund?

Kraft in der eigenen Zugehörigkeit zu finden, heißt parteiisch zu sein. Es bedeutet, das zu tun, was Männer seit Ewigkeiten tun - dem eigenen Geschlecht den Vorzug geben. Bis es irgendwann in 170 Jahren eine Gleichberechtigung gibt.

In der Frauen nicht mehr belächelt werden wie sprechende Haustiere und einander wieder ehrlich hassen und miteinander konkurrieren können, ohne einen Verrat zu begehen. Wenn sie unbeschwert schlechte Menschen sein können. Das wird gut.

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