Göttliche Publicity Pilger ins "Big Brother"-Dorf

Wenn Mitte August rund eine Million Besucher zum Weltjugendtag nach Köln strömen, stellen sich folgende Fragen: Wer wird sie speisen? Wo betten die Gläubigen ihr Haupt? Wie gut, dass RTL2 helfen kann: Das "Big Brother"-Dorf nimmt Pilger auf.


"Big Brother"-Dorf: Ein Platz für Pilger
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"Big Brother"-Dorf: Ein Platz für Pilger

Ein Wunder? Wohl kaum. Die Macher von "Big Brother" glauben an die Kraft der Publicity und wissen, wie man die Medienmaschinerie bedient. Zuletzt versuchte man die der unchristlichen Umtriebe verdächtigte Paris Hilton ins Dorf zu locken. Doch die Millionenerbin, die in Amerika aufgrund lasziver Burger-Werbung unter Pornografie-Verdacht geriet, huldigt weiterhin dem Mammon - und wollte sich den Verbleib im deutschen TV-Kaff mit fünf Millionen Dollar vergolden lassen.

Jetzt ist den TV-Strategen der Weltjugendtag erschienen - als Möglichkeit zum karitativen Engagement und eventuell auch, um der dümpelnden Quote zu ein wenig Aufschwung zu verhelfen. 800.000 Pilger werden am 21. August in der Domstadt erwartet, hinzukommen 600 Bischöfe und Kardinäle, 3000 Priester und 4000 Journalisten. Weil jetzt schon klar ist, dass viele Besucher Kreuzzug-artigen Komfortmangel werden hinnehmen müssen, hat Produzent Rainer Laux heute die Tore des bei Köln gelegenen "Big Brother"-Dorfs für geöffnet erklärt.

"Reichen-Wohnbereich": Whirlpool statt Bad in der Menge
DDP

"Reichen-Wohnbereich": Whirlpool statt Bad in der Menge

Vom 15. bis 21. August können Weltjugendtag-Besucher im so genannten Reichen Bereich ihr Haupt zur Ruhe betten - inklusive Pool-Benutzung, Jacuzzi, Wasserbett und Luxusbad. Wen das Schwelgen in weltlicher Behaglichkeit in seinen christlichen Grundsätzen erschüttert, der darf gemäß der Devise ora et labora auch arbeiten: als "Big Brother"-Kandidat - fakultativ, versteht sich. "Nur wenn es von unseren christlichen Gästen ausdrücklich gewünscht ist, werden sie auch Teil der Sendung", erklärte das "Big Brother"-Management und freut sich auf das Zusammentreffen zwischen Besuchern und Bewohnern auf dem Dorfplatz: "Das wäre das ideale Forum für interessante Gespräche und Diskussionen."

Der Pilger als TV-Promi - wenn das keine Medien-Ökumene ist. Vorstellbar sind lockere Talks zu den fernseh-ethischen Implikationen der Reality-Soaps, begleitet von handfesten Auseinandersetzungen, wer als erster in die Dusche darf. Jene, die nicht Container-Freuden frönen wollen, können zur öffentlich-rechtlichen Konkurrenz: Auch Late-Night-Talker Harald Schmidt hat angekündigt, Weltjugendtagspilgern seine Produktions- und Studioräume als Unterkünfte zur Verfügung zu stellen.



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