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Negativ-Medienpreis

"Goldene Kartoffel" geht an ARD- und ZDF-Talkshows

Mit der "Goldenen Kartoffel" will eine Initiative misslungene Berichterstattung über die Einwanderungsgesellschaft auszeichnen. 2019 sollen gleich vier öffentlich-rechtliche Talkshows den Negativpreis bekommen.

Christian Schoppe/ ZDF; Monika Skolimowska; Jörg Carstensen/ DPA

Maybrit Illner, Anne Will, Sandra Maischberger und Frank Plasberg: Die Sendungen der vier Talkmaster erhalten den Negativpreis

Dienstag, 29.10.2019   17:10 Uhr

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"Reißerisch, klischeehaft und diskriminierend" - so lautet das Urteil der Jury für die diesjährigen Preisträger der Goldenen Kartoffel. Es sind die ARD-Talkshows "hart aber fair" mit Frank Plasberg, "Maischberger" und "Anne Will" sowie die ZDF-Sendung " Maybrit Illner", wie der Verein Neue deutsche Medienmacher*innen (NdM) mitteilte. Die Initiative vergibt den Negativpreis für Berichterstattung in Fragen der Einwanderungsgesellschaft jährlich seit 2018.

Die vier politischen Talkshows ließen zwar in Inhalt und Ausführung qualitative Unterschiede erkennen, heißt es in der Begründung. Jedoch würden alle vier immer wieder ein verzerrtes Bild vom Zusammenleben im Einwanderungsland Deutschland entwerfen und Probleme überzeichnen. Sie trügen damit dazu bei, Vorurteile zu verfestigen.

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"Diese Goldene Kartoffel ist ein Fall enttäuschter Liebe", erklärt Juryvorsitzende Sheila Mysorekar. "Der öffentlich-rechtliche Rundfunk sollte sich an alle Bürger*innen richten. Wenn aber ausgerechnet die Talkshows unserer ARD und unseres ZDF Rechtsradikalen und Rassisten immer wieder Sendezeit schenken, hingegen nur selten ernst zu nehmende Vertreter und Vertreterinnen ethnischer und religiöser Minderheiten einladen, dann werden sie ihrem Auftrag nicht gerecht."

"Bild"-Chef lehnte Preis ab

Die Neuen deutschen Medienmacher*innen sind ein bundesweiter Zusammenschluss von Journalistinnen und Journalisten mit und ohne Migrationsgeschichte, die sich für mehr Vielfalt in den Medien einsetzen. Auch SPIEGEL-Kolumnistin Ferda Ataman engagiert sich als Vorsitzende in der Initiative.

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Im vergangenen Jahr feierten die NdM ihr zehnjähriges Bestehen und verliehen damals erstmals die Goldene Kartoffel. Preisträger war "Bild"-Chef Julian Reichelt, der mit seiner Berichterstattung für "Unsachlichkeit, Vorurteile und Panikmache" stehe, wie es in der damaligen Begründung hieß. Reichelt erschien zu der Preisverleihung, lehnte die Annahme der Auszeichnung dann aber ab. Seine in einer Rede vorgetragene Begründung: Kartoffel sei inzwischen auf deutschen Schulhöfen ein Schimpfwort, "das sich auf Herkunft und Rasse bezieht".

Auch zu der diesjährigen Verleihung am 2. November in Berlin seien die Preisträger*innen eingeladen und würden mit einer Laudatio bedacht, hieß es von den NdM.

brs

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