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06. April 2012, 19:14 Uhr

Kritik gegen Netanjahu

Grass würde Israel-Gedicht jetzt anders fassen

Günter Grass wehrt sich in einem Zeitungsinterview erneut gegen die Angriffe wegen seines Israel-Gedichts - besonders der "pauschale Vorwurf des Antisemitismus" kränke ihn. Allerdings: Seine Zeilen würde er anders formulieren, seine Kritik richte sich allein gegen Premier Netanjahu.

Hamburg - Der Literaturnobelpreisträger Günter Grass würde sein Israel-Gedicht jetzt anders schreiben. "Ich würde den pauschalen Begriff ,Israel' vermeiden und deutlicher machen, dass es mir in erster Linie um die derzeitige Regierung von Premierminister Benjamin Netanjahu geht", sagte er in einem Interview mit der "Süddeutschen Zeitung".

Der Schriftsteller hatte am Mittwoch in seinem Gedicht Gedicht "Was gesagt werden muss" Israel vorgeworfen, mit seiner Iran-Politik den Weltfrieden zu gefährden. Darin schreibt er, Israel beanspruche für sich das Recht auf einen Erstschlag, der "das von einem Maulhelden unterjochte und zum organisierten Jubel gelenkte iranische Volk auslöschen könnte, weil in dessen Machtbereich der Bau einer Atombombe vermutet wird''. Grass löste mit seinen Zeilen harsche Kritik im In- und Ausland aus.

Grass sagte der "Süddeutschen Zeitung" am Freitag, er hätte in seiner Kritik deutlicher zum Ausdruck bringen sollen, dass er die Politik der derzeitigen Regierung Israels habe treffen wollen: "Die kritisiere ich: Eine Politik, die gegen jede Uno-Resolution den Siedlungsbau fortsetzt. Ich kritisiere eine Politik, die Israel mehr und mehr Feinde schafft und das Land mehr und mehr isoliert.'' Der Mann, der Israel zur Zeit am meisten schade, sei dessen Premier "Netanjahu - und das hätte ich in das Gedicht noch hineinbringen sollen.''

Die massive Kritik an seiner Person treffe ihn nicht besonders, sagte der Nobelpreisträger: "Ich war immer gewohnt, dass meine Werke, große und kleine, auf heftige Kritik stoßen.'' Dennoch sei er enttäuscht darüber, dass "der kränkende und pauschale Vorwurf des Antisemitismus'' gegen ihn erhoben worden sei. Nicht er sei ein Friedensstörer, sondern die derzeitige Regierung in Israel, die mit "dem Iran und der Vermutung, dass dort eine Atombombe gebaut wird, einen Popanz'' aufbauen würde. Er hoffe aber, dass sich die Debatte mit einem gewissen Abstand versachliche und dann über die Inhalte seines Gedichtes diskutiert würde.

Als einen wichtigen Punkt seiner Kritik nannte der Schriftsteller seinen Vorschlag, Israel und Iran unter atomare Kontrolle zu stellen. Er halte das für eine Möglichkeit, die Kriegsgefahr zu mindern.

Die Kritik an Grass' Gedicht riss auch am Karfreitag nicht ab. Nazijägerin Beate Klarsfeld, die für die Linke bei der Wahl zum Bundespräsidenten angetreten war, griff den Schriftsteller massiv an: Mit seinem Israel-Gedicht spiele er die gleiche "antisemitische Musik" wie einst Hitler. Israels Ministerpräsident Netanjahu reagierte empört. "Die schändliche moralische Gleichstellung Israels mit Iran - einem Regime, das den Holocaust leugnet und mit der Vernichtung Israels droht - sagt wenig über Israel, aber viel über Herrn Grass aus."

heb

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