Entlassene Journalisten Griechische Polizei räumt besetztes Staatsfunkgebäude

Über Nacht wurde der griechische Staatsfunk ERT geschlossen, 2700 Journalisten und Techniker verloren ihre Arbeit. Knapp 200 von ihnen haben sich seitdem im Gebäude verschanzt - und über das Internet weitergesendet. Dagegen ist die Polizei jetzt vorgegangen.

AFP

Athen - Mit der Aktion solle die "Legalität wiederhergestellt werden": In den frühen Morgenstunden hat die griechische Polizei das seit mehreren Monaten besetzte Gebäude des ehemaligen staatlichen Fernsehens (ERT) geräumt. Die Beamten durchkämmten das Gebäude und führten 200 Demonstranten nach draußen. Beobachter berichten, die Polizei habe Tränengas eingesetzt. Der staatlichen Nachrichtenagentur ANA zufolge wurden vier Menschen festgenommen, darunter ein Vertreter der Mitarbeitergewerkschaft.

Die Regierung des konservativen Ministerpräsidenten Antonis Samaras hatte den hoch defizitären ERT aus finanziellen Gründen am 11. Juni überraschend geschlossen und auf einen Schlag fast 2700 Mitarbeiter arbeitslos gemacht. Die Entscheidung löste wochenlange Proteste und Solidaritätsstreiks aus. Ehemalige ERT-Beschäftigte hielten den Sender seither besetzt und strahlten ein Notprogramm über das Internet aus.

"Es gab keine Gewalt. Wir haben ruhig das Gebäude verlassen", sagte ein Techniker. Vor dem Gebäude versammelten sich etwa 200 Aktivisten und einige Abgeordnete der Partei "Bündnis der radikalen Linken". Sie protestierten gegen den Polizeieinsatz und solidarisierten sich mit den Journalisten. Der griechische Regierungssprecher Simos Kedikoglou sagte hingegen, die Journalisten hätten das Rundfunkgebäude in "eine Art Widerstandszentrum gegen die Regierungsentscheidungen" verwandelt.

Neben dem eigenständigen Betrieb des ERT wird seit Juli ein weiteres staatliches Radio- und Fernsehprogramm ausgestrahlt, allerdings auch nur provisorisch. Die EDT (Ellinikí Dimósia Teleórasi - "Hellenisches Öffentliches Fernsehen") sendet aus einem kleinen Studio in Athen. Laut Regierung ist das eine Übergangslösung. Ein neues kleineres Staatsfernsehen und -radio unter dem Namen Nerit soll in den nächsten Monaten starten.

vks/dpa/AP/AFP/Reuters



insgesamt 7 Beiträge
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galbraith-leser 07.11.2013
1. Kein guter Tag für Griechenland
Als Medienschaffender hatte ich zuerst auch geglaubt, dass da ein Bollwerk der Misswirtschaft geschleift wird - aber im DJV-Magazin war vor einigen Monaten ein sehr guter Hintergrund-Artikel über die Schließung von ERT. Hier versucht man, unter dem Vorwand des Sparens (wieso schreibt Spiegel online, dass der Sender ERT hochverschuldet war, wenn dies gar nicht den Fakten entspricht?) eine kritische Stimme zum Schweigen zu bringen. Und Dreck am Stecken haben die griechischen Politiker aller Parteien mehr als genug, wie man am traurigen Zustand des Landes sehen kann.
mrsoran 07.11.2013
2.
Sehr gut, es war höchste Zeit.
west120 07.11.2013
3. Ja so das in der EU
Wer nicht System passt, kritisch ist oder gar noch Regierungsentscheidungen missbilligt, der passt nicht System und wird dichtgemacht.
carolushessen 07.11.2013
4. Griechenland erst pleite, dann mundtot,
das mit der Wiege der Demokratie. Warum wird die Regierung nicht auch gleich geschlossen, die ist nämlich in erster Linie pleite. Aber die Politiker wissen sich schon zu helfen, was die Sicherung ihrer Bezüge betrifft. Das war in den USA auch so.
740 07.11.2013
5. ...
naja - die große quittung kommt noch - das wird ein spass - schade, dass es in dtl nur wenige begreifen was da eigentlich in griechenland passiert - sehr schade
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