Grimma Eine Stadt dankt Ulrich Mühe

Seine Geburtsstadt in Sachsen lag Ulrich Mühe am Herzen: Posthum hat der Bürgermeister von Grimma den vor knapp drei Wochen verstorbenen Schauspieler zum Ehrenbürger ernannt. Mühes Kinder nahmen die Ehrung entgegen - und gemeinsam mit der Stadt Abschied von ihrem Vater.


Grimma - Vor ziemlich genau einem Jahr stand Bürgermeister Matthias Berger zur Eröffnung des Grimmaer Musikfestivals "Liederflut" auf der Bühne neben Ulrich Mühe und witzelte: "Nächstes Jahr um diese Zeit bist du weltberühmt und hast sicher einen Oscar."

Anna Maria und Andreas Mühe bei der Ernennung ihres Vaters zum Ehrenbürger : "Ich will weiterführen, was er begonnen hat"
DDP

Anna Maria und Andreas Mühe bei der Ernennung ihres Vaters zum Ehrenbürger : "Ich will weiterführen, was er begonnen hat"

Berger hatte damals ein gutes Gespür. "Den Oscar gab es, aber Uli Mühe ist nicht mehr", sagte der Bürgermeister zum Auftakt des diesjährigen Musikfestivals "Liederflut" gestern Abend in Grimma - jene kleine sächsische Stadt, die dem Schauspieler so viel bedeutete. Immer wieder hatte Mühe sich für seine Geburtsstadt eingesetzt. Die Grimmaer dankten dem Schauspieler , indem sie ihn jetzt, knapp drei Wochen nach seinem frühen Krebstod, posthum zu ihrem Ehrenbürger ernannten. Seine erwachsenen Kinder Anna Maria und Andreas Mühe nahmen die Ehrung entgegen.

Auch wenn Berger - sicher ganz im Sinne des Schauspielers - bewusst keine Trauerstimmung erzeugen wollte, war es dennoch ein bewegender Moment. Die Menschen der Muldestadt, die durch die Flut 2002 völlig verwüstet und inzwischen komplett wieder hergerichtet wurde, nahmen endgültig Abschied von ihrem berühmtesten Sohn. "Ich sag' immer, ich komme aus der ältesten Stadt der Welt", hörten sie Mühe in einem sechsminütigen Film über seine Heimatstadt sagen, der kurz vor der Eröffnung des Festivals ausgestrahlt wurde. Er zeigt den Schauspieler singend und rezitierend an den schönsten Orten der Stadt und macht deutlich, wie sehr Mühe an seinem "Grimme" hing. "Dieses Erlebnis mit der Flut, das hat mich emotional erwischt", gesteht er am Ende des Streifens. Die Festivalzuschauer auf dem Grimmaer Markt spendeten spontan Applaus für diese filmische Liebeserklärung an ihre Stadt.

"Das Besondere an ihm war: Es gab kaum einen anderen Prominenten, der sich so zu seiner Heimatstadt bekannt hat wie Ulrich Mühe", betonte Berger. Deshalb habe der Stadtrat vor Wochen ohne Wissen von Mühes schwerer Erkrankung beschlossen, ihm die Ehrenbürgerschaft zu verleihen. Schauspielerin Anna Maria Mühe dankte für die große Anteilnahme der Grimmaer. Ihr Vater habe noch vor seinem Tod von der Ehrenbürgerschaft erfahren. "Er hat sich sehr darüber gefreut", sagte die 22-Jährige, die anstelle ihres Vaters die Schirmherrschaft über das Musikfestival übernahm. "Ich will weiterführen, was er begonnen hat", versprach sie und erklärte die "Liederflut 2007" für eröffnet.

Mit dem Festival, dessen Schirmherr der Schauspieler vier Jahre lang war, will Grimma an die verheerende Flutkatastrophe im Sommer 2002 erinnern. Bis Sonntag werden etwa 300 Künstler aus 25 Ländern in der Stadt an der Mulde erwartet. Angekündigt hatten sich unter anderem Ute Freudenberg und Band, Silly und Anna Loos, John Kelly, Dirk Zöllner und Kieran Goss.

Mühe war am 22. Juli mit 54 Jahren an einem Krebsleiden gestorben. Der Film-, Fernseh- und Bühnenschauspieler hatte eine Hauptrolle in dem Streifen "Das Leben der Anderen" von Regisseur Florian Henckel von Donnersmarck gespielt, der im Februar mit dem Oscar für den besten ausländischen Film ausgezeichnet worden war. Darin spielte Mühe den Stasi-Hauptmann Gerd Wiesler.

Susann Huster, ddp



© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.