Grimme-Nominierungen Breloer ja, Osthoff nein

Wie gewohnt liegen die öffentlich-rechtlichen Sender auch dieses Jahr bei den Nominierungen für den Grimme-Preis vorn. Den provokanten Vorschlag, Susanne Osthoff mit dem renommierten Medienpreis auszuzeichnen, lehnte die Kommission ab.


Marl - Thematische Vielfalt bei den Dokumentationen und Reportagen, herausragende Qualität der Fernsehspiele und Schauspielleistungen: So schätzt Uwe Kammann, Direktor des Grimme-Instituts, die Auswahl der diesjährigen Grimme-Preis-Nominierten ein. Man habe vor allem in der Kommission "Fiktion" aus "dem Vollen schöpfen" können, wie es in einer Pressemitteilung hieß. "Das Fernsehjahr 2005 glänzt durch eindrucksvolle Fernsehfilme, von berührenden Dramen über spannende Krimis auf hohem Niveau bis zu höchst vergnüglichen Produktionen", so der Grimme-Direktor.

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WDR

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Nominiert sind unter anderem das zeitkritische Fernsehspiel "In Sachen Kaminski"; Rainer Kaufmanns Film "Marias Letzte Reise", Heinrich Breloers Doku-Drama "Speer und Er" und Dieter Wedels Zweiteiler "Papa und Mama".

Grundsätzlich führen die öffentlich-rechtlichen Sender die Nominierungsliste an, vor allem im Bereich "Information & Kultur": Hier seien zahlreiche investigative, journalistisch ausgezeichnet aufbereitete Produktionen wie die Filme der Reportage-Reihe "die story" zu würdigen, so die Grimme-Jury. Bemängelt wurde allerdings die schlechte Platzierung der Sendungen, sie würden zu spät ausgestrahlt.

Weitere nominierte journalistische Beiträge: das informativ-unterhaltsame Porträt "Mister Tony Blair" (ARD/NDR), der Film "Sie hat sich benommen wie eine Deutsche" (ARD) über die Hintergründe eines Ehrenmords an einer Türkin und die Reportage "Der Griff nach dem Öl" (ARD) über Amerikas Kampf um wirtschaftliche Interessen. Benannt wurde auch Anne Will für ihre Arbeit als "Tagesthemen"-Moderatorin.

Die Privaten konnten in der Sparte "Fiktion & Unterhaltung punkten: Sat.1 mit der ersten Folge der Comedy-Reihe "Pastewka" und dem Fernsehfilm "Ich liebe das Leben" (mit Anneke Kim Sarnau und Jan Josef Liefers). ProSieben ist mit der Serie "Stromberg" (Hauptrolle: Christoph Maria Herbst) vertreten.

Auch besondere Darstellerleistungen werden gewürdigt: Spezialnominierungen gab es für Nina Kunzendorf (unter anderem in "Marias letzte Reise", "Der scharlachrote Engel") und das Ermittlerduo Michaela May und Edgar Selge aus "Polizeiruf 110".

Die von einem "Tagesspiegel"-Redakteur für den Preis ins Gespräch gebrachte Susanne Osthoff erhielt keine Nominierung, auch wenn Kammann die Begründung des Vorschlags "sehr professionell" ("Süddeutsche Zeitung") nannte. Wortlaut: "Osthoff hat die Erwartungshaltung der öffentlichen Meinung beispielhaft unterlaufen und damit gezeigt, worin Freiheit wirklich besteht: Im Verzicht auf Beifall und Zustimmung anderer."

Allerdings handle es sich bei der Idee wohl eher um eine PR-trächtige Provokation, wie der Grimme-Chef vermutet. Tatsächlich schaffte es das Berliner Blatt durch die Meldung (Überschrift: "Grimme-Preis für Susanne Osthoff?") auf Platz zehn im aktuellen Ranking der meistzitierten Zeitungen.

Die Grimme-Kommission bewertete die Vorschlags-Begründung als überzogen. Osthoff sei bei beiden Sendungen nicht "Herr des Geschehens" gewesen, sondern habe einen außerordentlich verwirrten Eindruck gemacht und die Zusammenhänge einem breiten Publikum nicht darstellen können, sagte Kommissionschef Torsten Zarges der Agentur dpa.

Die am 31. März stattfindende Feier zur Verleihung wird also ohne Frau Osthoff stattfinden, dafür aber mit Bettina Böttinger, die die Veranstaltung moderiert. Übertragen wird sie am 1. April ab 21.45 Uhr auf 3sat.

Über die "Besondere Ehrung" des Volkshochschul-Verbandes, des Stifters der Grimme-Preise, darf sich dann Elke Heidenreich freuen. Die 62-jährige Moderatorin ("Lesen!") habe im bisherigen Wirken eine besondere Vielseitigkeit unter anderem als Autorin und Kabarettistin bewiesen.



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