Großer Architekt, großes Herz Meine Hundehütte von Frank Lloyd Wright

Ein ungewöhnlicher Auftrag für einen Stararchitekten: Mitte der Fünfziger bat ein 12-Jähriger den Guggenheim-Erbauer Frank Lloyd Wright darum, eine Hütte für seinen Labrador zu entwerfen. Eigenheim ist Eigenheim, dachte sich vielleicht der Baumeister - und bewies sein Herz für Tiere.

AP

San Francisco/Hamburg - Es war eine fast großväterliche Geste: Stararchitekt Frank Lloyd Wright entwarf 1956 eine Hütte für den Hund des damals 12-jährigen Jim Berger. Der Junge aus San Anselmo hatte Wright in einem Brief gebeten, das Hundehaus zu designen. Obwohl der Architekt zu diesem Zeitpunkt sehr erfolgreich und vielbeschäftigt war, schickte er Jim wenige Monate später die Pläne für eine Hundehütte à la Wright.

"Ich wäre Ihnen sehr dankbar, wenn Sie mir ein Hundehaus entwerfen würden, das einfach aufzubauen ist, aber zu unserem Haus passt", hatte Jim an Wright geschrieben. Der Architekt hatte das Haus der Bergers in Kalifornien entworfen. Jetzt wünschte sich Jim konsequenterweise auch eine Unterkunft für den vierjährigen Labrador Eddie, "vor allem wegen der Winter". Jims Vater hatte ihm versprochen, beim Aufbau der Hundehütte zu helfen, bezahlen wollte Jim Wright allerdings selbst - "von dem Geld, das ich beim Zeitungen austragen verdiene".

Wright war zu diesem Zeitpunkt schon über 80, dennoch arbeitete er noch an zahlreichen Projekten. Als eines seiner größten Werke gilt Fallingwater von 1936, ein Haus bei Pittsburgh, das teilweise über einen Wasserfall herausragt. 1956, also dem Jahr des Hundehütten-Auftrags, begannen gerade die Bauarbeiten am Guggenheim Museum in New York, das Wright ebenfalls entworfen hatte.

Trotzdem antwortete er Jim persönlich auf seine Anfrage. Leider sei er zur Zeit zu beschäftigt, heißt es in seinem Brief, "ein Haus für Eddie ist aber durchaus möglich". Jim solle sich im November noch einmal melden. Als es soweit war, schrieb Jim Wright ein zweites Mal und erhielt prompt die Pläne für Eddies Hundehütte - ohne Rechnung.

"Der Neubau der Hütte war ein Alptraum"

"Ich war wahrscheinlich sein jüngster und ärmster Auftraggeber", meint der heute 68-jährige Jim Berger. Letztes Jahr baute Berger, der sein Geld als Möbelschreiner verdiente, die Hundehütte nach, zusammen mit seinem Bruder und basierend auf den Originalplänen von Wright. Sie ist im Dokumentarfilm "Romanza" des amerikanischen Regisseurs Michael Miner über die Werke Wrights in Kalifornien zu sehen.

"Eigentlich hatte ich Wright ja extra darum gebeten, dass die Hütte einfach aufzubauen sein sollte", kommentierte Berger den Neubau. "Aber das war ein Alptraum." Das Hundehaus ist dreieckig, passend zu dem sechseckigen Grundriss des Berger-Hauses, und etwa 1,50 Meter lang und 90 Zentimeter breit. Das überhängende Dach der Hütte ist typisch für den sogenannten "Prairie Style", in dem Wright auch einige Wohnhäuser baute.

Labrador Eddie kam übrigens nie in den Genuss der ästhetisch wertvollen Behausung. Erst zehn Jahre, nachdem sie die Pläne erhalten hatten, bauten die Bergers die Hundehütte - für einen neuen Familienhund, denn Eddie war da schon verstorben. Später hatte Jims Mutter keinen Hund mehr und keine Verwendung für die Hütte. Das Original wurde demontiert - und die Entwürfe kommen jetzt zu spätem Ruhm.

avk/AP



insgesamt 3 Beiträge
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Seite 1
metafferix 12.03.2012
1. der Lektor träumt von Alpen ...
Zitat von sysopAPEin ungewöhnlicher Auftrag für einen Star-Architekten: Mitte der Fünfziger bat ein 12-Jähriger den Guggenheim-Erbauer Frank Lloyd Wright darum, eine Hütte für seinen Labrador zu entwerfen. Eigenheim ist Eigenheim, dachte sich vielleicht der Baumeister - und bewies sein Herz für Tiere. http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,820742,00.html
den Artikel finde ich niedlich. Aber ich habe mich eben schon zum selben Fehler im Leitartikel ausgelassen und muss das hier noch mal wiederholen. Dass sich so ein Rechtschreibfehler durch zahlreiche Artikel der letzten Wochen zieht, ist ein Armutszeugnis für das Magazin. Es ist ist nicht das erste, wenn man Headlines im Bild-Stil und schlecht oder nicht zu Ende recherchierte Sachthemen mit einbezieht. Früher war das Magazin einmal vorbildlich und hat sogar in der Schule der Anschauung gedient. Tsss! metafferix
minhen 12.03.2012
2. Alpträume
Zitat von metafferixden Artikel finde ich niedlich. Aber ich habe mich eben schon zum selben Fehler im Leitartikel ausgelassen und muss das hier noch mal wiederholen. Dass sich so ein Rechtschreibfehler durch zahlreiche Artikel der letzten Wochen zieht, ist ein Armutszeugnis für das Magazin. Es ist ist nicht das erste, wenn man Headlines im Bild-Stil und schlecht oder nicht zu Ende recherchierte Sachthemen mit einbezieht. Früher war das Magazin einmal vorbildlich und hat sogar in der Schule der Anschauung gedient. Tsss! metafferix
"Alptraum" ist eine gängige und von Standardwerken wie dem Duden als gleichwertig akzeptierte Schreibvariante. Nur weil Sie offenbar starke Gefühle gegenüber dieser Schreibweise hegen, wird sie noch lange nicht falsch.
peter rose 13.03.2012
3. Hundehütte
Auch mit kleinen Hütten kann man berühmt werden. Wichtig ist Hund und Herrchen fühlen sich wohl !
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