Beschwerde gegen Deutschland Gerichtshof für Menschenrechte weist Günther Jauch ab 

Günther Jauch gegen Deutschland: Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hat eine Beschwerde des Moderators gegen die Veröffentlichung von Hochzeitsfotos für unzulässig erklärt. Die Klage darüber sei unbegründet.

DPA

Günther Jauch und seine Ehefrau Thea sind mit einer Beschwerde vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte gescheitert. Der Gerichtshof gelangte zu der Schlussfolgerung, dass sie unzulässig sei und erklärte sie für unbegründet.

Es geht um die Berichterstattung der Zeitschrift "Bunte" über die Hochzeit von Jauch und seiner Frau im Jahr 2006. Das Paar hatte der Presse vorher mitgeteilt, es wünsche keine Berichte. Die "Bunte" veröffentlichte trotzdem einen Artikel mit verschiedenen Fotos.

Die Jauchs zogen daraufhin vor Gericht und klagten auf Schadensersatz in Höhe von 250.000 Euro und ein Schmerzensgeld von 75.000 Euro. Der Fall ging durch die Instanzen. Das Hamburger Berufungsgericht hob im Jahr 2008 ein früheres Urteil auf, das dem Paar eine Schmerzensgeldzahlung zugesprochen hatte.

Der EGMR ist nicht das erste Gericht, das es ablehnt, überhaupt über den Fall zu verhandeln: Schon 2010 hatte es das Bundesverfassungsgericht abgelehnt, die Beschwerde der Jauchs anzunehmen, zuvor auch der Bundesgerichtshof.

Jauch versus Yellow Press

Günther Jauch ist dafür bekannt, dass er großen Wert auf den Schutz seiner Privatsphäre legt. Immer wieder geht er vor allem gegen Publikationen der Regenbogenpresse vor und erwirkt Gegendarstellungen zu falschen oder entstellenden Berichten - manchmal sogar auf der Titelseite.

Dem Blog "Topfvollgold", das sich mit der Yellow Press befasst, sagte Günther Jauch in einem Interview, jeder Mensch habe eine Privatsphäre und ein Recht darauf, dass sie geachtet wird: "Das möchte ich, im Rahmen des juristisch Möglichen, auch für meine Familie und für mich in Anspruch nehmen."

In Bezug auf die Hochzeitsfotos steht für die Gerichte aber etwas anderes im Vordergrund. Jauch sei ein bekannter und einflussreicher Fernsehmoderator von politischen Sendungen, argumentierte das Berufungsgericht 2008. Daher sei das Interesse der Öffentlichkeit an seiner Hochzeit legitim gewesen.

Dieser Einschätzung folgt nun auch der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte. In ihrer Entscheidungsbegründung argumentieren die sieben Richter, die deutschen Gerichte hätten sorgfältig abgewogen zwischen dem Recht auf Privatsphäre nach Artikel 8 der Europäischen Menschenrechtskonvention und Artikel 10, dem Recht der Presse auf freie Meinungsäußerung.

Außerdem betonen die Richter, Günther Jauch und seine Frau hätten die Richtigkeit der in dem Artikel dargestellten Informationen nicht infrage gestellt, und dieser enthalte auch nichts Unvorteilhaftes, das ihren Ruf schädigen könnte.

Um als Privatperson beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte Klage führen zu können, müssen zunächst im Heimatland alle Instanzen durchlaufen sein. Das war bei Jauchs Beschwerde der Fall. Weitere Möglichkeiten, den Fall juristisch verhandeln zu lassen, stehen ihm nicht mehr offen.

kae



insgesamt 165 Beiträge
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piccolo-mini 16.06.2016
1. Wurden auch Gründe genannt?
Das Recht am eigenen Bild muss ja hier hinter irgendein höheres Recht zurückgestellt worden sein.
tkedm 16.06.2016
2.
Schade. Was braucht es denn noch, außer dem eindeutigen Wunsch, keine Fotos in bestimmten Situationen von sich machen lassen zu wollen? Oder noch schlimmer: Wenn sie veröffentlicht werden.
Hohenstaufen 16.06.2016
3. Die Privatsphäre gilt es zu schützen
Gerade in der heutigen Zeit ist es wichtig, die Privatsphäre zu schützen. Es tut mir für die Gattin von Herrn Jauch (Er ist ja eine "öffentliche" Person) leid. Wenn Kinder retuschierzt werden bei Veröffentlichungen von Prominenten muss dies auch für die Ehefrau gelten. Bedauerlicherweise wird durch inakzeptable Rechtsprechung der private Sektor immer mehr ausgehöhlt. Das gilt auch und besonders für Urteile des Bundesverfassungsgerichtes. Zur Würde des Menschen gehört auch, dass keine Fotos von Personen gegen deren Willen veröffentlicht werden,die NICHT im Pampenlicht stehen und nicht von öffentlichem Interesse sind.
deepdiveralex 16.06.2016
4. Personen in der Öffentlichkeit
Wer sich in einer solchen Position befindet, hat auch mit solchen Veröffentlichungen von Fotos zu rechnen. Das eine gibt's nicht ohne das andere. Nicht das es mir gefällt, aber die Klatschpresse setzt die Maßstäbe an dem Umsatz bzw. der Nachfrage und wenn solche Fotos die Auflage erhöht, dann weiss auch ein Herr Jauch, an wen er sich "eigentlich" wenden sollte. Huch, ach ja, es sind ja die Zuschauer der Sendung, na so was! Ich hab ihn eigentlich bis jetzt für so intelligent gehalten, dieses ebenfalls zu durchschauen.
0815jrb 16.06.2016
5. Ein typischer Fall,
hier sieht man, dass im Namen der Pressefreiheit, die Persönlichkeitsrechte mit Füßen getreten werden. Nur weil Jemand beruflich in der Öffentlichkeit steht, hat die Öffentlichkeit kein Recht auf die Privatsphäre dieser Person. Solche Art von "Pressearbeit" sollte per se unter Strafe gestellt werden. Es wird dringend Zeit, dass die Persönlichkeitsrechte wieder mehr Beachtung finden. Es glaubt ja anscheinend jeder, er könne mit seinem Handy Alles und Jeden fotografieren und die Bilder dann munter im "Netz" verbreiten. Hier sind die Gerichte gefordert klarzustellen, dass dem nicht so ist, da Erklärungen ja anscheinend nicht ausreichen.
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