Aufregung um doppelte Stimmabgabe Jauch springt di Lorenzo bei

"Das ist einfach nur daneben": Günther Jauch verteidigt in einem Beitrag für die "Bild"-Zeitung seinen Talkshow-Gast Giovanni di Lorenzo - und verurteilt die Aufregung um dessen doppelte Stimmabgabe bei der Europawahl.

Giovanni di Lorenzo bei Talkshow "Günther Jauch"
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Giovanni di Lorenzo bei Talkshow "Günther Jauch"


Hamburg - Jetzt, drei Tage nach der Show, die Schlagzeilen machte, meldet sich der Talk-Gastgeber zu Wort: Nach seiner doppelten Stimmabgabe bei der Europawahl bekommt "Zeit"-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo Rückendeckung von Günther Jauch.

In einem Gastbeitrag für die "Bild"-Zeitung schreibt Jauch, was in der öffentlichen Debatte aus dieser "Petitesse" entstanden sei, habe ihn fassungslos gemacht. Von der Diskussion in seiner Sendung bleibe nun nur hängen, dass di Lorenzo ein Wahlfälscher sei. "Das ist für mich so absurd, dazu noch gemein und im Namen angeblicher 'political correctness' einfach nur daneben", so Jauch.

Di Lorenzo hatte in der Sendung am Sonntag freimütig berichtet, dass er bei der Europawahl zweimal gewählt hat - einmal als italienischer Staatsbürger im Konsulat des Landes in Hamburg, und ein zweites Mal als Bundesbürger in einer Grundschule der Hansestadt. Wer zwei EU-Staatsbürgerschaften hat, darf nach dem Europawahlgesetz aber nur in einem EU-Land wählen. Di Lorenzo beteuert, das habe er nicht gewusst. Die Staatsanwaltschaft Hamburg ermittelt trotzdem.

Das Europawahlgesetz schreibt vor, dass jeder Wahlberechtigte nur einmal seine Stimme abgibt. Über die Problematik von EU-Bürgern, die ihren Wohnsitz in einem anderen Mitgliedsland haben, hatte vor wenigen Tagen ausgerechnet die Online-Ausgabe der "Zeit" berichtet.

"Mir tut das aufrichtig leid", sagte di Lorenzo der "Bild"-Zeitung - und fügte an: "Mir war nicht bewusst, dass man bei der Europawahl nicht in zwei Ländern abstimmen darf. Hätte ich es gewusst, hätte ich es nicht getan und natürlich auch nicht in der Sendung von Günther Jauch erzählt."

otr/dpa



insgesamt 136 Beiträge
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alexvsommerfeld 28.05.2014
1.
Ich begreife nicht die Aufregung um Herrn diLorenzio! Entweder war seine Tat taktisch, oder extrem dämlich! Was ich viel interessanter finde: Warum fragt sich kein Medium, keine Fernsehsendung, keine Zeitung, warum europaweit für EU-Bürger mit doppelter Staatsbürgerschaft mehrfach Wahlbescheinigungen ausgegeben worden sind? Und warum fragt kein Medium, ob das nicht verfassungswidrig ist? Warum fragt niemand, ob diese Wahl eigentlich wiederholt werden müßte?
palpiteiro 28.05.2014
2. Hausverstand
Da braucht man doch kein Rechtsexperte zu sein, um zu wissen oder zu fühlen, dass es nur eine Stimme pro Europäer gibt. Um solche Tricks ohne große Bürokratie abzustellen, hilft vielleicht der gefärbte Daumen (wie in Afghanistan).
joe_3 28.05.2014
3. Jauch
mag das ja gerne als Petitesse bezeichnen und sich ärgern, dass von seiner Sendung nichts anderes in Erinnerung bleibt. Das zeigt sein Politikverständnis und ist ein (weiterer) Hinweis für die ARD. Fakt ist, dass der Chefredakteur einer sehr renommierten politischen Wochenzeitung nicht weiß, was "one man - one vote" bedeutet. Das mag für den unpolitischen Mann von der Straße durchgehen, für jemand in einer solchen Position der - mit hohem moralischen Anspruch - in Talksshows seine Meinung zum Besten gibt, geht das gar nicht. Insofern ist es nur gerechtfertigt, dass die Staatsanwaltschaft Hamburg aktiv geworden ist.
ppete 28.05.2014
4. Das ist peinlich
Bei dem geistigen Niveau von Herrn DI Lorenzo äußerst unverständlich, aber nicht zu ändern. .....tut mi leid !
cato. 28.05.2014
5.
Zitat von sysopDPA"Das ist einfach nur daneben": Günther Jauch hat in einem Beitrag für die "Bild"-Zeitung seinen Talkshow-Gast Giovanni di Lorenzo verteidigt und die Aufregung um dessen doppelte Stimmabgabe bei der Europawahl verurteilt. http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/guenther-jauch-nimmt-di-lorenzo-in-schutz-a-972071.html
Di Lorenzo ist kein Opfer politischer Korrektheit. Politische Korrektheit ist Faschismus der vorgibt es handle sich um Manieren, mit der Zielsetzung, dass die Menschen ihre bestehenden Freiheiten durch Selbstzensur aus Angst vor Verläumdung in Wort und Tat einschränken. Di Lorenzos Straftat, die er einem Millionenpublikum gestand ist aber keine Petitesse sondern ein Verbrechen, dass gleichzeitig die demokratischen Defizite der EU beläuchtet. Wobei die Relevanz des zweiteren wohl bedeutend höher ist. Denn sollte sich herausstellen, dass dies im großen Stil passierte, müsste die Wahl für ungültig erklärt werden, mindestens aber, egal ob dies im großen Stil oder vereinzelt geschieht, für die Zukunft das Problem behoben werden.
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