Guerilla-Künstler Banksy Anarchie ist ja auch nur ein Handwerk

Fast eine feindliche Übernahme: Erst 36 Stunden vor Eröffnung erfuhr das Personal des Bristol Museums, dass eine große Banksy-Ausstellung stattfindet. Doch funktioniert seine anarchische Straßenkunst auch in so bürgerlichem Rahmen?

Von


Diese so unglaublich lässige Verbindung klassisch linker Positionen mit Ironie und Smartness war schon immer eine Stärke der Engländer - und so kann es eigentlich nur in einem Museum in Großbritannien passieren, dass eine Landarbeiterin aus einem naturalistischen Gemälde aussteigt, um eine zu rauchen.

Natürlich ist das Kunst. Und natürlich ist das Banksy. Im Bristol Museum, wo ab Samstag die Ausstellung "Banksy Versus Bristol Museum" statt findet, hat er, der berühmteste unbekannte Aktions- und Graffitikünstler der Welt, ein Gemälde kopiert und dann bearbeitet, so, wie er schon andere klassische Bilder bearbeitet hat - einen Teil übermalen, einen Teil rausschneiden und fertig ist ein ganz neues Bild. Das ist dann nicht nur eine anarchische Version des Originals, sondern auch ein anarchischer Kommentar zu einer der ganz grundsätzlichen Fragen des Lebens: Wie ist das mit der Freiheit des Einzelnen, wenn dieser Einzelne einen miesen Job hat?

Ganz klassisch Banksy also. Vor ein paar Jahren schmuggelte Banksy eine vermeintliche Steinzeitzeichnung von einem Mann mit Einkaufswagen ins Britische Museum (wo sie acht Tage lang unbemerkt hing), ein anderes Mal das Gemälde einer viktorianischen Dame mit Sado-Maso-Maske ins Metropolitan Museum, oder eine lebensgroße Puppe ins Disneyland - gekleidet in die orangefarbene Uniform der Guantanamogefangenen. Im Londoner Zoo hängte er ein Transparent im Pinguingehege auf: "We are bored of eating fish."

Auch die jetzige Ausstellung in Bristol ist fast schon eine Guerillaaktion: Erst 36 Stunden vor ihrer Eröffnung erfuhren die meisten Angestellten des Museums, dass es sie überhaupt gibt.

Aber wer kennt schon Banksy?

Der Mann von dem einige glauben, dass er eigentlich Robert Cunningham heißt und andere, dass er aus Bristol stammt, ist eines ganz gewiss: Mittelpunkt eines der großen Kunstwelthypes der letzten Jahre, der sogenannten Street Art. Und dafür, dass die sich immer mehr zum Kunstgewerbe der Nuller Jahre entwickelt, kann Banksy ja nichts.

Zu routiniert, zu humoristisch

Seine Werke sollen sich, so heißt es, in der Sammlung von Brad Pitt oder Dennis Hopper befinden und Hunderttausende Wert sein. Und als Banksy in London einmal eine Ratte auf eine Mauer sprühte, war das Mauerstück einige Zeit später verschwunden.

In Bristol zeigt Banksy nun auf einer Etage eigene Arbeiten, in anderen Abteilungen hat er die Werke anderer Künstler bearbeitet. Manches von dem, was zu sehen ist, wirkt ein wenig zu routiniert und zu humoristisch: So die Fischstäbchen im Goldfischglas, das Ölbild einer Salonlady samt aufgeklebter Faschingshornbrille inklusive Nase und Schnauzbart, oder die Szenerie einer Bucht im Sonnenuntergang - samt einfliegender Ufos.

Das Besondere an Banksy war eben auch immer sein unvermitteltes Auftauchen, die Tatsache, dass er in den Raum, der so selbstverständlich als öffentlicher Raum bezeichnet wird, einfach eingegriffen hat und dadurch häufig übersehene Flächen für die Öffentlichkeit überhaupt erst wieder wahrnehmbar gemacht hat. Im Museum, so scheint es, funktioniert das nur begrenzt.

Es wird also Zeit, dass ein Künstler nach Bristol fährt und die ganze Ausstellung einfach kapert.

Wie wäre es mit Banksy?

Mehr zum Thema


© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.