"Popelige Provinz" Großcousin will Gurlitt-Erbe nicht in Bern sehen

Cornelius Gurlitt hat seine Bildersammlung dem Kunstmuseum Bern vererbt. Doch das Haus sei geldgierig, glaubt der Großcousin des Sammlers, Ekkehart. Der "Bunten" sagte der Fotograf, wäre er Erbe, würde er die Werke in Bayern zeigen.

Ekkehart Gurlitt in Barcelona im November: Deutsches Kulturgut in Deutschland lassen
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Ekkehart Gurlitt in Barcelona im November: Deutsches Kulturgut in Deutschland lassen


München - Ekkehart Gurlitt will die millionenschwere Kunstsammlung seines Großcousins Cornelius nicht in der Schweiz sehen. Das sagte er der Zeitschrift "Bunte" kurz nach der Beisetzung des Kunstsammlers.

Ekkehart Gurlitt wirft dem Kunstmuseum Bern Geldgier vor. "Dem Berner Museum geht es in erster Linie um den finanziellen Aspekt, nicht um eine Verantwortung im Hinblick auf Nazi-Raubkunst", sagte der Fotograf der Zeitschrift. Die Kunstsammlung an sich sei dem Museum, das Cornelius Gurlitt als Alleinerben seines Besitzes eingesetzt hat, nicht wichtig. Ob das Museum das Erbe annehmen will, ist noch offen.

Für den Fall, dass ihm ein Teil des Erbes zufiele, hat der Großcousin bereits Pläne, wie er dem "Bunte"-Reporter Paul Sahner sagte. Ekkehart Gurlitt wolle dann dafür sorgen, "einen erheblichen Teil der Sammlung einem Museum des Freistaates Bayern als Dauerleihgabe zu überlassen". Er wolle, dass deutsches Kulturgut in Deutschland bleibe, "aber doch nicht nach Bern kommt, in die popelige Provinz".

Kurz nach dem Tod von Cornelius Gurlitt hatte der in Spanien lebende Fotograf, wohl einer der nächsten lebenden Verwandten, bereits gegenüber der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" angekündigt, das Testament seines Großcousins anfechten zu wollen, falls die Familie darin übergangen werde. Sein Anwalt Wolfgang Seybold bezweifelte nun in der "Bunten", dass Cornelius Gurlitt bei seinem Testament, das er kurz vor seiner Herzoperation verfasste, im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte war. Dagegen spreche, dass er damals schon unter Betreuung stand.

Beim Amtsgericht München, wo offenbar zwei notariell beglaubigte Testamente vorliegen, sind allerdings bisher keine Ansprüche möglicher Erben eingegangen. Allerdings ist das Gericht nach Angaben einer Sprecherin auch noch damit beschäftigt, eventuelle gesetzliche Erben aufzuspüren und zu informieren. Auch mehrere deutsche Museen haben gefordert, etwaige Ansprüche auf einzelne Bilder aus Gurlitts Sammlung überprüfen zu lassen.

Cornelius Gurlitt, der Sohn von Hitlers Kunsthändler Hildebrand Gurlitt, stand monatelang im Mittelpunkt einer hitzigen Debatte über seine millionenschwere Kunstsammlung und mögliche Nazi-Raubkunst. Er war am 6. Mai in München gestorben. Am Montag wurde er in Düsseldorf beigesetzt.

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schüler.aus.bremen 21.05.2014
1.
Er will die Bilder nicht in Bern aufstellen lassen, weil es die popilege Provinz ist... Und was ist Bayern dann bitteschön? EU Hauptstadt? Welthauptstadt? Sonnensystemhauptstadt? Entschuldigung wenn ich das jetzt mal so sage, aber als erstes assoziiere ich mit Bayern Provinz. Also Kuhbauern, kleine Dörfer, berge. Und tiefste Provinz. Ich denke, sie Bilder sollten nach Bern. Der ehemalige Besitzer wird sich dabei schon was gedacht haben...
pr8kerl 21.05.2014
2. Was für ein Weltbild hat der denn?
Bern ist Hauptstadt, Bayern ist Provinz. Und einen Flughafen hat Bern auch sowie einen Zuganschluss. Nach Bern kommt man übrigens pünktlich mit der Bahn, da ist ganz Deutschland provinziell. Und in Deutschland haben die Nazis Kunstbesitzern ihre Bilder weggenommen. Aus der Schweiz hat man davon nichts gehört. Es liegt auch nicht an diesem Möchtegern-Macho, zu entscheiden, wo die Bilder zu sehen sind. Der Erblasser hat da mit Bern schon eine weise Entscheidung getroffen.
Oberleerer 21.05.2014
3.
Man sollte die Bilder verbrennen, dann können sich alle die Experten und Anwälte wieder ihrem normalen Gelderwerb widmen. Da diese Bilder eh seit 50 Jahren niemand gesehen hat, wird ein Fehlen derselben wohl kaum auffallen. Und wie soll man den H4-Empfängern erklären, daß hier Millionen ausgegeben werden, damit diese Sachen ein warmes zuhause haben, bewacht und gepflegt werden?
DenkZweiMalNach 21.05.2014
4. Deutschland hats verbockt
Der Fall Gurlitt ist ein trauriges Beispiel, wie Deutschland zum Willkür- und Unrechtsstaat geworden ist. Ohne hinreichenden Anfangsverdacht wurde ein alter Mann kriminalisiert und seine Bilder beschlagnahmt. Es ist so, als würden Beamte plötzlich einfach so ihre Wohnung konfiszieren und sie auf die Strasse setzen. Es könnte ein Akt der Rache sein, wenn nun die Gurlitt zugesprochenen Bilder in die Schweiz kommen. Eines der wenigen Länder in Europa, in dem die Bürger wirklich noch wählen und abstimmen können.
sebastian.teichert 21.05.2014
5. optional
Ja. Das du ein Schüler aus Bremen bist zeigt sich deutlich. Wahrscheinlich Abiturient. Naja. Bei euch wird einem das Abi ja zu deinem Glück nachgeworfen. Der frühere "Besitzer" hat sich da nichts bei gedacht. Er hat einfach nur keinen Bock drauf gehabt sie in Deutschland zu lassen weil er sich verarscht fühlte. Persönliches Empfinden über "Besitz" sollte bei Kulturerbe keine Rolle spielen!
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