Handy-Filme aus dem Irak Nationalgalerie zeichnet Cyprien Gaillard aus 

Zehn Tage im Irak, gefilmt mit dem Handy: Cyprien Gaillard erhält für seine Videoarbeit "Artefacts" den Preis der Nationalgalerie. Bei den Aufnahmen wurde der französische Künstler von einer bewaffneten Schutztruppe begleitet.


Hamburg/Berlin - Die wichtigste in Deutschland vergebene Auszeichnung für junge Künstler geht 2011 an Cyprien Gaillard. Der französische Künstler wird mit dem Preis der Berliner Nationalgalerie für Junge Kunst geehrt. Die mit 50.000 Euro dotierte Ehrung ist einer der höchstdotierten Kunstpreise in Deutschland. Gaillard erhielt den Preis am Mittwochabend für seine Videoarbeit "Artefacts". Der Künstler wurde 1980 in Paris geboren und lebt in Berlin.

Gaillard war Ende Juni 2011 für zehn Tage in den Irak gereist, um dort mit seiner Handykamera zu filmen. Dabei wurde er von einer zehnköpfigen, bewaffneten Schutztruppe begleitet. Das dabei entstandene Werk sei eine eindrückliche Reflexion über den Mythos Babylon, der durch den Bezug zum Krieg im Irak eine besondere Aktualisierung erfahre, befand die Jury. "Cyprien Gaillard hat ein Werk aus suggestiven Bildern geschaffen, in dem das Politische und das Kulturelle untrennbar verbunden sind."

Der Preis wird alle zwei Jahre vom Verein Freunde der Nationalgalerie verliehen und von BMW gefördert. Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) nannte die Auszeichnung ein "Glanzlicht für die Kunstmetropole Berlin".

Den neu geschaffenen Preis für junge Filmkunst erhielt der Brasilianer Theo Solnik. Die Präsidenten der Filmakademie, Iris Berben und Bruno Ganz, überreichten ihm die Auszeichnung für seine filmische Erzählung "Anna Pavlova lebt in Berlin". Die Juroren hoben besonders die Intensität der Bilder und die "hohe emotionale Qualität" des Films hervor. Allein die Kameraführung wechsele virtuos zwischen journalistischem Porträt und freier, poetischer Umschreibung, hieß es.

Für den Preis der Nationalgalerie waren neben Gaillard auch Kitty Kraus, Klara Lidén und Andro Wekua nominiert. Die Arbeiten der vier jungen Künstler sind noch bis zum 8. Januar 2012 in der Nationalgalerie im Hamburger Bahnhof in Berlin zu sehen. Das Publikum ist aufgerufen, seinen eigenen Favoriten zu wählen.

sha/dpa



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