Hanns Dieter Hüsch ist tot Humorpoet des Alltags

Hanns Dieter Hüsch war der milde Daseinsphilosoph des Kabaretts, als Hagenbuch plauderte und nörgelte er von der Unbill des verwalteten Lebens - und schuf damit eine kanonische Figur deutscher Humorkunst. Gestern Nacht ist der Künstler im Alter von 80 Jahren gestorben.

Dieses Jahr wurde er 80 Jahre alt, an dem Festakt, den die Stadt Moers ihrem Ehrenbürger widmete, konnte er allerdings schon nicht mehr teilnehmen. Hanns Dieter Hüsch hatte sich von dem Schlaganfall, den er im Herbst 2001 erlitt, nicht wieder erholt.

Von der Bühne zurückgezogen hatte er sich bereits 2000, damals 75-jährig, nach einer fast 50 Jahre währenden Aktivität als fahrender Poet. In diesen Jahrzehnten wurde der am 6. Mai 1925 geborene Hüsch zu einem der ersten Kabarettisten des Landes.

Ab den frühen Sechzigern bereiste er die Theater und Stadthallen der Republik; seine Gedichte, Lieder und mild-ironischen Predigten, begleitet vom Sound seiner legendären Philicorda-Orgel, gehörten schnell zum klassischen Repertoire deutscher Humorkunst.

Die studentenbewegten 68er witterten in ihm den Kleinbürger, der das Leben im falschen verklärte. Man warf ihm "bourgeoisen Verniedlichungstrend" vor, was er mit einer ausgedehnten Bühnenpause quittierte. Fürs ZDF tourte er eine Zeitlang durch die Weltgeschichte und versorgte das TV-Publikum mit humorigen Reisebetrachtungen.

In den Siebzigern schuf Hüsch seine Alter-ego-Figur Hagenbuch, ein leicht spießiger Nörgler und Pedant, der in ausladenden Erzählungen sich selbst und die Verhältnisse karikierte. Die große Politik war Hüschs Sache nicht, sein Hagenbuch spürte im Kleinen, Alltäglichen die Signatur des Zeitgeists auf, um ihn mit gutherzigem Scharfsinn auf die Schippe zu nehmen.

Die Weltveränderung als literarisches Projekt zog er schließlich sogar ganz in Zweifel: Sein Programm "Ein neues Kapitel", mit dem er 1994 durch Deutschland reiste, vertrat ein anderes, nur auf den ersten Blick affirmatives Programm: "Mut machen" und "trösten".

Trösten kann man sich jetzt, da dieser wunderbare Komiker, Entertainer und Bühnenphilosoph gestorben ist, nur mit seinen Büchern. "Du kommst auch drin vor" und "Wir sehen uns wieder" heißen die Textsammlungen, in denen seine Weisheit, Güte und Scharfsinn wieder zu entdecken sind.

Daniel Haas