Hauptstadt-Kulturetat Bundesregierung beschließt Schlossbau

Kultur-Baustelle Berlin: Wo sich jetzt die Digicams der Touristen auf die Ruine des Palastes der Republik richten, soll nach dem Abriss das Humboldt-Forum errichtet werden. Heute hat die Bundesregierung grünes Licht für den Neubau des Stadtschlosses gegeben.


Berlin - Die Bundesregierung hat heute das Konzept von Bauminister Wolfgang Tiefensee (SPD) abgesegnet: Der Neubau am Berliner Schlossplatz soll im Jahr 2010 beginnen. Die Kosten werden auf 480 Millionen Euro beziffert.

Modell zur neuen Bebauung des Schlossplatzes in Berlin: Kultur-Prachtbau im Kern der Stadt
AP

Modell zur neuen Bebauung des Schlossplatzes in Berlin: Kultur-Prachtbau im Kern der Stadt

Das Humboldt-Forum mit der Außenfassade des alten Hohenzollernschlosses solle "Schaufenster des Weltwissens" sein und außereuropäische Kulturen erlebbar machen, sagte Tiefensee. Das Konzept passe gut zur Museumsinsel gegenüber. Kultur-Staatsminister Bernd Neumann (CDU) begrüßte laut Nachrichtenagentur ap das vom Kabinett verabschiedete Konzept, das Humboldt-Forum werde "ein einzigartiges Universum der Künste und Weltkulturen bilden", sagte der Minister.

Derzeit wird auf dem Areal der Palast der Republik abgerissen, auf den Internetseiten des Schlossplatzes kann man per Webcam den aktuellen Zustand verfolgen. Nach jahrelangem Streit über den Wiederaufbau des Berliner Stadtschlosses hat jetzt das Bundeskabinett den Startschuss für den Bau des Humboldt-Forums gegeben. Nach Tiefensees Konzept wird von dem im Jahr 1950 gesprengten Stadtschloss nur die historische Fassade rekonstruiert. Das Gebäude war im Zweiten Weltkrieg erheblich beschädigt worden.

Im Humboldt-Forum werden künftig die Sammlungen aus dem Ethnologischen Museum in Berlin-Dahlem und dem Museum für Asiatische Kunst auf insgesamt 24.000 Quadratmetern Fläche präsentiert. Die Humboldt-Universität will Exponate aus den Bereichen Wissenschaft und Forschung zeigen. Die Zentral- und Landesbibliothek Berlin will mit einem attraktiven Medienangebot zu einem dritten Publikumsmagneten werden. Universität und Bibliothek stehen dafür 5000 Quadratmeter zur Verfügung. Das Forum soll 2013 seine Pforte für die Besucher öffnen.

Mit dem Schlossareal wird Berlins Mitte um eine Baustelle reicher: An der U-Bahn-Haltestelle Schwartzkopffstraße erstreckt sich die riesige Sandwüste, auf der der BND-Neubau geplant ist. In der Humboldt-Uni und der benachbarten Stabi-Zweigstelle leben die Studierenden schon seit Monaten mit dem staubigen Charme der Gebäude-Renovierung. Mal nervt das Getöse, mal regt es an: Die Kultur unter den Linden befindet sich in einem steten De- und Re-Konstruktionsprozess. Mit dem so genannten Humboldt-Forum werde "im Herzen der deutschen Hauptstadt ein einzigartiger Ort der Kultur und Geschichte entstehen", sagte Tiefensee laut Meldung der dpa.

Von den auf 480 Millionen Euro veranschlagten Baukosten soll das Land Berlin 32 Millionen Euro tragen, 80 Millionen Euro sollen aus privaten Spenden aufgebracht werden. Ursprünglich waren 670 Millionen Euro für das Forum geplant. Damit wäre das Projekt in weite Ferne gerückt, sagte der Minister, wie ddp meldet. Die Minimierung der Kosten sei durch den Verzicht auf ein Hotel und eine Tiefgarage gelungen. Laut Tiefensee soll in den nächsten drei bis vier Monaten ein Architekten-Wettbewerb für den Bau ausgeschrieben werden. Möglicherweise werde man auch namhafte Architekten ansprechen. In dem Auswahlgremium sollen unter anderem Vertreter des Bundestages, des Landes Berlin und Experten sitzen.

bos/dpa/ddp/ap



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