Haußmann nach Anzeige "Anschuldigungen sind banal"

Die Strafanzeige der Hilfsorganisation für Opfer politischer Gewalt "Help" wegen seines Films "Sonnenallee" hat Leander Haußmann zuerst für einen Faschingsscherz gehalten.

Berlin - Die Anzeige ist nach Ansicht Haußmanns völlig haltlos. "Die Behauptungen der 'Help'-Organisation sind banal und durch nichts zu halten", meinte der Regisseur. Ein Sprecher der Berliner Justiz bestätigte, das Ermittlungsverfahren sei noch nicht abgeschlossen.

"Help" hatte Strafanzeige gegen den Film gestellt, den mittlerweile 2,2 Millionen Kinogänger gesehen haben. Er beleidige die ehemaligen DDR-Bürger, weil er eine Gruppe junger Leute tanzen lässt, und zwar "vor der Mordmauer - aber nicht etwa nach dem Fall der Mauer, sondern zu Zeiten, als diese Mauer blutige Alltagsrealität war", so Alexander Hussock vom Vorstand der Organisation. Außerdem lässt Haußmann einen niedergeschossenen Flüchtling weinen, "aber nicht wegen des Mordversuchs, nicht wegen der Angst vor der bevorstehenden Stasi-Haft, sondern weil Kugeln auch seine Rolling-Stones-Schallplatten durchlöchert haben."

Sowohl Haußmann als auch Thomas Brussig, mit dem zusammen Haußmann das Drehbuch geschrieben hat, stammen aus der ehemaligen DDR. "Sonnenallee" startete am 7. Oktober in den Kinos und gilt als erfolgreichster deutscher Film des Jahres 1999. In den neuen Ländern gilt er sogar als neuer Kultfilm, den sich mancher gleich mehrmals angesehen hat. Er erzählt vom Leben junger Menschen in der DDR, von erster Liebe, von Freundschaft und von ihren Träumen im Grenzgebiet auf der Ostseite der Sonnenallee im geteilten Berlin.

"Die Beleidigung von Angehörigen einer Gruppe, die unter einer Willkürherrschaft verfolgt wurde", stehe unter Strafe, so Alexander Hussock vom "Help"-Vorstand, und deshalb solle Haußmann zur Rechenschaft gezogen werden.

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