Heikles Talkthema Illner wagt sich an Telekom-Skandal

Ist sie befangen oder nicht? Wegen ihrer Liaison mit Telekom-Chef René Obermann schien Maybrit Illner dem Telekom-Skandal aus dem Weg gehen zu wollen. Jetzt wagt sich die Chef-Talkerin des ZDF doch an das heiße Thema dieser Woche.

Hamburg - Mutiger Schritt oder journalistischer Husarenritt? Am morgigen Donnerstag lädt Maybrit Illner zu einer Talkrunde zum Thema: "Deutschland einig Spitzelland - wer stoppt die Datendiebe?" Die Runde soll ganz offensichtlich den Telekom-Skandal behandeln. Denn als Gäste sind geladen: Wolfgang Bosbach (CDU), Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP), Eveline Wippermann, Präsidentin des Bundesverbandes Deutscher Detektive, der Journalist Hans Leyendecker - und Lothar Schröder, Bundesvorstand von Ver.di und zugleich stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender der Deutschen Telekom.

Das Pikante an der Sache: Maybrit Illner ist seit letztem Herbst mit Telekom-Chef René Obermann liiert. Beim ZDF hatte wegen dieser besonderen Verbindung ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender das Thema Telekom zur Chefsache erklärt und eine Sendung mit dem Titel "Was nun, Herr Obermann" geplant - zu der Obermann unter Verweis auf die laufenden Ermittlungen der Staatsanwaltschaft aber nicht kommen wollte.

Brender hatte bereits im "Handelsblatt" angedeutet, dass ein Ober-Thema wie "Deutschland einig Spitzelland", "so generell" sei, dass er mit "einer Moderation von Frau Illner keine Problem hätte".

Bei einer Talksendung zum Telekom-Skandal solle sie aber nicht mit von der Partie sein. Wo allerdings genau die Grenze einer möglichen Befangenheit Illners verläuft, muss sich morgen zeigen - denn bei der jetzigen Besetzung der Talkrunde kann es um kaum ein anderes Thema gehen.

Gegenüber SPIEGEL ONLINE sagte Brender dazu: "Maybritt Illner ist eine exzellente Journalistin. Sie hat sich bisher nie etwas zu Schulden kommen lassen. Zudem ist ja nicht Herr Obermann als Gast eingeladen. Das wäre natürlich nicht gegangen." Aber so gebe es keine direkten, persönlichen Verbindungen. Zudem drehe sich der Talk nicht nur um die Telekom, sondern auch um andere Unternehmen.

Der Grund für die Abwesenheit eines Telekom-Vorstandsmitglieds bei Illner: Telekomsprecher Philipp Schindera wolle derzeit, so meldete das "Handelsblatt", weder den Illner-Partner René Obermann noch einen anderen Telekom-Vorstand in eine Talkshow schicken. Die ARD-Talkshow "Hart aber fair" mit Moderator Frank Plasberg etwa habe eine Sendung zur Telekom geplant, aber zunächst darauf verzichtet, da kein Konzernvertreter bereit sei, Stellung zu beziehen.

Auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE präzisierte Jörg Schönenborn, Chefredakteur des für Plasbergs Show zuständigen WDR, diese Meldung des "Handelsblattes": "Wir hatten nicht explizit eine Sendung zum Thema 'Telekom-Affäre' geplant. Wir haben verschiedene, aktuelle Themen in Arbeit. Das Konzept von 'Hart aber fair" lebt aber von Fakten, die wir im Vorfeld haben müssen, um damit unsere Gäste zu konfrontieren. Bei der Telekom haben wir diese Fakten noch nicht in dem Maß, wie wir es für notwendig halten."

kjo/tdo

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