Henri-Nannen-Preis Scholl-Latour für Lebenswerk geehrt

Der Verlag Gruner und Jahr und das Magazin "Stern" haben zum ersten Mal den Henri-Nannen-Preis für Journalisten vergeben. Unter den Preisträgern sind sechs "Spiegel"-Reporter. Peter Scholl-Latour wurde für sein Lebenswerk ausgezeichnet.

Hamburg - Insgesamt wurde die Medienauszeichnung für herausragende journalistische Leistungen in sechs Kategorien verliehen. Den Preis für die "Beste Reportage" (Egon-Erwin-Kisch-Preis) erhielt Stefan Willeke vom Wochenmagazin "Die Zeit" für seine Arbeit "Herr Mo holt die Fabrik".

Die Schriftstellerin Elke Heidenreich übergab in der Kategorie "Herausragendes Beispiel humorvoller Berichterstattung" den "Henri" an das "Streiflicht" der "Süddeutschen Zeitung". In der Kategorie "Beste investigative Leistung" überreichte Carl Bernstein den Preis an Freddie Röckenhaus von der "Süddeutschen Zeitung" und Thomas Hennecke vom Sportmagazin "Kicker" für ihre Recherche "Finanzmisere Borussia Dortmund".

Preise für Courage und Lebenswerk

Laudator Michel Comte ehrte in der Kategorie "Beste fotografische Leistung" Henri-Nannen-Preisträger Yang Yankang, der in "Geo" die Fotoreportage "Der lange Weg zum lieben Gott" veröffentlicht hatte. In dem Genre "Besonders verständliche Berichterstattung" wurde der Preis von "Focus"-Chefredakteur Helmut Markwort an die "Spiegel"-Reporter Uwe Buse, Ullrich Fichtner, Mario Kaiser, Uwe Klußmann, Walter Mayr und Christin Neef für ihren Bericht "Putins Ground Zero" verliehen.

Der Autor und Journalist Peter Scholl-Latour erhielt für seinen Beitrag zum Qualitätsjournalismus die Ehrung für sein publizistisches Lebenswerk. Laudator war Ulrich Wickert. Außenminister Joschka Fischer reiste an, um der weißrussischen Journalistin Irina Chalip die Auszeichnung für ihr couragiertes Eintreten für die Pressefreiheit zu überreichen.

Der prominent besetzten Jury gehören unter anderem die Schriftstellerin Elke Heidenreich, die Chefredakteure Werner Kilz von der "Süddeutsche Zeitung", Giovanni di Lorenzo von der "Zeit", Helmut Markwort vom "Focus", Andreas Petzold vom "Stern" und Frank Schirrmacher von der "FAZ" sowie Cordt Schnibben, der als Ressortleiter beim "Spiegel" arbeitet.

Zahlreiche Promis unter den Gästen

Bevor TV-Moderatorin Maybrit Illner auf der Bühne die Regie für die Veranstaltung übernahm, hatten die zahlreichen prominenten Gäste mit ihrem Gang über den roten Teppich die Veranstaltung eingeleitet. Unter dem Blitzlichtgewitter der Fotografen kamen unter anderen die Schauspielerin Anna Thalbach, TV-Moderator Ulrich Wickert, Alt-Bundespräsident Walter Scheel, Theaterintendant Tom Stromberg, Hamburgs Bürgermeister Ole von Beust und Musiker Marius Müller-Westernhagen in Deutschlands größtes Theater. Chefredakteure und Manager von Verlagen und Funkhäusern folgten der Einladung ebenso wie US-Journalist Carl Bernstein, der vor rund 30 Jahren mit seinem Kollegen Bob Woodward die Watergate-Affäre aufdeckte und dadurch den Rücktritt des damaligen Präsidenten Richard Nixon herbeiführte.

Seit fast drei Jahrzehnten hatte der 1948 gegründete "Stern" den Egon-Erwin-Kisch-Preis für die beste deutschsprachige Reportage vergeben, der nun zum Nannen-Preis mit insgesamt sieben Kategorien erweitert wurde. Das Magazin hat eine verkaufte Auflage von rund 1,05 Millionen Exemplaren und ist damit das Aushängeschild des Verlags, der in 10 Ländern rund 125 Zeitschriften und Zeitungen herausgibt und rund 2,4 Milliarden Euro Umsatz erzielt.