"konkret"-Herausgeber Hermann L. Gremliza ist tot

"Vielleicht der größte Stilist des Landes": Hermann L. Gremliza, furioser Leitartikler und über fast ein halbes Jahrhundert lang Herausgeber von "konkret", ist mit 79 Jahren gestorben.

Hermann Ludwig Gremliza, langjähriger Herausgeber der linken Zeitschrift "konkret" und deren berühmtester Autor, ist tot. Er sei am 20. Dezember im Alter von 79 Jahren in Hamburg gestorben, teilte seine Partnerin Katrin Gremliza am Montag mit.

"Zu den wenigen Dingen, die bei Hermann Gremliza unumstritten waren, gehört, dass er ein großer Journalist war, vielleicht, wahrscheinlich sogar, der größte Stilist, den die Bundesrepublik hervorgebracht hatte", würdigte ihn die "Jüdische Allgemeine". 

Gremliza wurde am 20. November 1940 in Köln geboren, wuchs aber in Gerlingen bei Stuttgart auf. Nach dem Abitur studierte er in Tübingen Geschichte und Philosophie, außerdem in Berlin Politologie. 1966 schloss er am Berliner Otto-Suhr-Institut sein Studium als Diplom-Politologe ab. Anschließend wechselte er in den Journalismus und wurde Redakteur beim SPIEGEL, ab 1969 war er leitender Redakteur für deutsche Politik.

Nach einer Auseinandersetzung um Fragen der Mitbestimmung in Redaktion und Verlag verließ er Ende 1971 den SPIEGEL und wechselte 1972 als Redakteur zur linken Monatszeitschrift "konkret". Das Heft war nach früheren Verlagsangaben bereits 1955 von jungen westdeutschen Kommunisten mit Unterstützung durch die DDR als "Studentenkurier" gegründet und 1957 in "konkret" umbenannt worden.

"Enkel" von Karl Kraus

In den Sechzigerjahren entwickelte sich die Zeitschrift unter dem Publizisten Klaus Rainer Röhl und seiner Ehefrau, der späteren Terroristin Ulrike Meinhof, zu einem führenden Blatt der linken Szene und der Studentenbewegung. Die Auflage erreichte zeitweise mehr als 130.000 Exemplare.

Nachdem die "konkret" 1973 pleite ging, kaufte Gremliza aus der Konkursmasse den Zeitschriftentitel und gründete im Oktober 1974 den "Neuen Konkret Verlag". Seitdem war er Herausgeber, Verleger und Mitautor der Zeitschrift.

Für großes Aufsehen sorgte 1987 Gremlizas Auseinandersetzung mit dem Autor Günter Wallraff. Gremliza behauptete, dass er für Wallraff dessen Buch über die "Bild"-Zeitung ("Der Aufmacher") geschrieben habe. Wallraff bestritt diese Angabe damals im Kern zwar nicht, bezeichnete Gremliza aber als Neider.

Wegen seiner scharfzüngigen Artikel wurde Gremliza immer wieder angefeindet, ihm wurden "vulgärmarxistisches Gedröhns" ("NZZ") und ein "fatales Geschick des Vereinfachens" ("SZ") attestiert. Für andere gehörte Gremliza zu den besten Autoren des Landes. "Hermann Gremliza ist, wie vor ihm Karl Kraus, in seiner Zeit hierzulande der einzige gewesen, der die Sprache als Beobachtungsstation von Gesellschaft zu nutzen verstand", schrieb die Tageszeitung "junge welt", die Gremliza Mitte der Neunzigerjahre publizistisch beraten hatte, in ihrem Nachruf.

hpi/dpa