Heute in den Feuilletons "Radioaktivität, das ist keine schöne Sache"

In der "FR" verwehrt sich der Schriftsteller und Physiker Ralf Bönt gegen die These, die Deutschen hätten eine geradezu lustvolle Atomangst.  In der "SZ" liefert der Chef des Goethe-Instituts Damaskus eine Einschätzung der politischen Verhältnisse in Syrien.



Die Tageszeitung, 25.03.2011

Im Gespräch mit Andreas Fanizadeh weist Patrick Bahners den Weg in einen neuen Konservatismus. In Fragen der Integration wendet er sich gegen einen Satz Sarrazins', der Bahners nach Lektüre seiner "Panikmacher" als Redenschreiber für Erdogan empfohlen hatte, und stellt klar: "Assimilation ist das Ziel: Wer Unähnlichkeit fördert, konserviert Ungleichheit."

Besprochen
werden Alben amerikanischen Produzentin Deniz Kurtel, der niederländischen DJ und Labelbetreiberin Steffi und der polnischstämmigen Musikerin Margaret Dygas sowie der Essay "Wozu noch Universitäten?" von Reinhard Brandt (mehr dazu in unserer Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).

Und Tom.

Weitere Medien, 25.03.2011

Anders als die deutschen Zeitungen, die gestern nur die Betonierung des Status quo feierten, erkennt der Buchhistoriker und Google-Gegner Robert Darnton in der New York Times auch das Problem am Scheitern des Google Books Settlement: "This decision is a victory for the public good, preventing one company from monopolizing access to our common cultural heritage. Nonetheless, we should not abandon Google's dream of making all the books in the world available to everyone." Darnton will eine "digital public library". "To dismiss this as quixotic would be to ignore digital projects that have proven their value and practicability throughout the last 20 years."

Neue Zürcher Zeitung, 25.03.2011

Uwe Justus Wenzel kommentiert nach dem Straßburger Urteil zum Kruzifix im Klassenzimmer dessen Umdeutung vom religiösen zum allgemein abendländischen Symbol. Patrick Straumann bekennt sich zu gängigen Klischees gegen Bernard Henri-Levy und bemerkt überdies: "Levys Texte sind oft zu wenig akkurat formuliert." Alexandra Stäheli gratuliert dem Schweizer Volksschauspieler Mathias Gnädinger zum Siebzigsten.

Besprochen werden die große Ausstellung des Renaissance-Malers Jan Gossaert in der National Gallery London, Händels Oper "Rodelinda" in einer Aufführung von Nikolaus und Philipp Harnoncourt im Theater an der Wien, das Album "Hiding With The Wolves" der Schweizer Musikerin Heidi Happy.

Frankfurter Rundschau, 25.03.2011

Ralf Bönt, Schriftsteller und gelernter Physiker, erhebt Einspruch gegen den Vorwurf, in Deutschland herrsche angeischts der drohenden Katastrophe von Fukushima Angstlust. "Radioaktivität, das ist keine schöne Sache, wirkt schleichend tödlich. Deshalb äußern die vomFernsehen auf der Straße befragten Japaner ja auch ihre Angst - oh, Entschuldigung: ihre Besorgnis. Sie macht übrigens krank. Und wenn ich das sage, leide ich nicht an Angstlust. Viemehr frage ich mich seit Jahrzehnten, was die Abwiegler bewegt, die Brücke der Arche Noah zu besteigen und die Posaune zu blasen. Ist es die Lust an der Apokalypse, das wunderbare Sehnen dem Abgrund zu, wo man doch grad nochmal gerettet wurde?"

Besprochen werden eine Ausstellung zu Konrad Witz im Kunstmuseum Basel, Opernaufführungen in Erfurt und Braunschweig sowie Kwame Anthony Appiahs neues Buch "Moralische Revolutionen" (mehr ab 14 Uhr in unserer Bücherschau des Tages).

Aus den Blogs, 25.03.2011

In paidcontent.org schreibt Joe Mullin  zum gescheiterten Google Book Settlement: "The settlement had the potential to change the way we all interact with books - to actually change human culture. A class-action settlement just wasn't the right tool for that serious work. Even for strong supporters of the Google Books project, it's hard to argue with that logic." Und, ja: "The dream of a universal digital library now looks even further off." Sehr nützlich: Das amerikanische Blog Mobylives sammelt amerikanische Reaktionen zu der GBS-Entscheidung, unter anderem von Publisher's Weekly (hier).

Das Blog Lizas Welt kommt noch einmal auf das Bombenattentat in Jerusalem vor einigen Tagen zurück und wundert sich über ein Detail der Berichterstattung: "Dabei war immer wieder ein Satz zu lesen, den verschiedene Agenturen verbreitet hatten, beispielsweise AFP: 'Die Explosion traf unter anderem einen Linienbus, der nach Ma'ale Adumim fahren sollte, einer ausgedehnten jüdischen Siedlung im Westjordanland.' Übernommen wurde diese Angabe unter anderem vom Focus und von Spiegel Online. Bisweilen hieß es ergänzend, dieses Transportfahrzeug habe die Nahverkehrslinie 174 bedient. Was aber, so wäre zu fragen, hat das Fahrtziel des Busses eigentlich in den Berichten zu suchen?" Und außerdem: Hier ein großes Foto des Linienbusses.

Süddeutsche Zeitung, 25.03.2011

Der Goethe-Instituts-Chef in Damaskus, Björn Luley, wird zu den Aufständen im Lande befragt und vermutet, dass Präsident Assad den gestürzten Diktatoren manches voraus hat: "Man merkt, dass Syriens Herrscher deutlich jünger ist als die anderen alten Knacker in der arabischen Welt. Assad geht viel raffinierter mit dem Internet um - es wird als Ventil ziemlich frei zugelassen, aber zugleich kontrolliert. So kann Assad sich als reformorientiert darstellen. Man lanciert lieber selbst kitschige YouTube-Videos, die den Herrscher mildtätig beim Bad in der Menge zeigen. Aber die Website eines wichtigen Menschenrechtsanwaltes wird immer wieder gesperrt."

Weitere Artikel: Dirk von Gehlen macht sich Gedanken zu fünf Jahren Twitter und erkennt darin nicht weniger als eine Kommunikationsrevolution: "Twitter erzwingt und ermöglicht Dialog und führt zu einem grundlegenden Wandel der Alltagskultur." Christiane Kohl schildert die Lage der Klassik Stiftung Weimar vor der nun anstehenden Wahl eines neuen Präsidenten, der freilich auch Hellmut Seemann heißen und mithin der alte sein könnte. Für eine Katastrophe hielte Kristina Maidt-Zinke, es würde ein hässlicher Neubau inmitten der Würzburger Altstadt wie geplant tatsächlich errichtet. Michael Stallknecht unterhält sich mit dem Bariton Thomas Hampson über dessen Missionarsarbeit für den Liederabend. Thomas Steinfeld gratuliert dem Schlagzeuger Paul Motian zum Achtzigsten. 

Besprochen werden eine Garbo-Performance von Hans Peter Litscher, die Ausstellung "Die Neue Wirklichkeit" in der Münchner Pinakothek der Moderne, Britney Spears' neues Album "Femme Fatale" und Bücher, darunter die kommentierte Neuausgabe von Theodor Fontanes Geschichtsroman "Vor dem Sturm" (mehr dazu in der Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25.03.2011

Provinziell, auf Innenpolitik fixiert, von jeder Realpolitik weit entfernt - das ist, findet der Publizist Frank Lübberding, die deutsche Außenpolitik in Sachen Libyen. Über die wahrhaft verwirrenden Frontverläufe in Bahrain - zwischen Schiiten und Sunniten, Teheran und Riad, Antiamerikanismus und Demokratiebegehren - informiert Joseph Croitoru. Was bei der geplanten Umgestaltung des Pergamonmuseums auf dem Spiel steht, erklärt Andreas Kilb. Die Wahrheiten, die Rainer Brüderle ein angeblicher Protokollfehler in den Mund gelegt hat, glossiert Christian Geyer. Verdächtig findet Raphael Gross die deutsche Angewohnheit, mit Frauen viel schneller per Vornamen zu sein als bei Männern - etwa bei Kafkas Felice, auch bei Nelly (Sachs) und der von ihm zuletzt ausgestellten Else (Lasker-Schüler). Niklas Maak stellt die Wettbewerbssieger des Architekturwettbewerbs für das Dom-Römer-Areal in Frankfurt vor - und wer sich fragt, warum das nicht der FAZ-Architekturkritiker Dieter Bartetzko tut: der saß, wie Maak auch erwähnt, in der Jury. Edo Reents porträtiert den Publizisten Ulrich Schacht aus Gelegenheit einer Lesung, bei der Schacht aus seiner Erinnerungsrecherche "Vereister Sommer" vortrug.

Besprochen werden eine Essener Aufführung des lange vergessenen Stummfilms "Sprengbagger 1010" von Carl Ludwig Achaz-Duisberg mit Originalmusik von Walter Gronostay, Anna Bergmanns Inszenierung von Ödön von Horvaths "Die Unbekannte aus der Seine" am Münchner Volkstheater, die Ausstellung "Brassens ou la liberte" in der Cite de la musique in Paris, die Apple-Ausstellung "Der i-Kosmos" im Frankfurter Museum für Angewandte Kunst, eine Erik-Spiekermann-Ausstellung im Berliner Bauhaus-Archiv, und Bücher, darunter Julie Orringers Roman "Die unsichtbare Brücke" (mehr dazu in der Bücherschau ab 14 Uhr).



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