Hintergrund Die ZDF-Intendantenwahl

"Roter" Freundeskreis, "schwarzer" Freundeskreis, Kirchen, Gewerkschaften und Verbände - der für die Wahl des ZDF-Intendanten zuständige Fernsehrat vereint Interessen unterschiedlichster Couleur in seinem 77-köpfigen Gremium.

Der Intendant des ZDF wird alle fünf Jahre vom Fernsehrat gewählt. Dieser hat 77 Mitglieder, die vor allem aus Parteien, Verbänden und Gewerkschaften kommen. Im Fernsehrat sind die Regierungen der Länder und des Bundes vertreten. Zu den Verbänden zählen zum Beispiel die großen Kirchen, der Naturschutzbund und der Deutsche Bühnenverein. Beherrscht wird der Fernsehrat von zwei inoffiziellen Gremien entlang der Parteilinien, einem den Unionsparteien nahe stehenden "schwarzen" Freundeskreis und einem der mit der SPD sympathisierenden "roten" Freundeskreis.

Für die Wahl des Intendanten ist eine Drei-Fünftel-Mehrheit erforderlich (47 Stimmen). Traditionell gilt der Unions-Freundeskreis im ZDF als stärkste Gruppierung. Dem "schwarzen" Gremium werden derzeit 43 Mitglieder zugerechnet, die SPD soll es auf bis zu 34 bringen. Um ein Gerangel der Parteien zu verhindern, hatte der Fernsehrat unter seinem Vorsitzenden Konrad Kraske (CDU) bereits vor Monaten eine Findungskommission eingesetzt. Nach schweren internen Differenzen wurden zwei Kandidaten nominiert, der stellvertretende ZDF-Chefredakteur Helmut Reitze und die Chefin des Landesfunkhauses des Norddeutschen Rundfunks (NDR) in Hamburg, Dagmar Reim.

In die Kandidatenkür haben sich auch die Ministerpräsidenten von mehreren Bundesländern - darunter der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Wolfgang Clement (SPD) - eingeschaltet. Clement sitzt mit Kollegen wie Kurt Beck (SPD/Rheinland-Pfalz), Bernhard Vogel (CDU/Thüringen) oder Edmund Stoiber (CSU/Bayern) im ZDF-Verwaltungsrat. Neue Kandidaten können jederzeit benannt werden, also auch während der Wahlgänge.

Das ZDF - milliardenschwere Machtposition

Der Nachfolger von Dieter Stolte als ZDF- Intendant übernimmt die Leitung eines der größten Fernsehsender in Europa. Das ZDF mit seinem Hauptprogramm und seinen Partnersendern 3sat, Arte, Kinderkanal und Phoenix, den digitalen Kanälen ZDF.info, ZDF.doku und ZDF Theaterkanal sowie Videotext- und Internetangeboten beschäftigt rund 3600 Angestellte. Neben dem Sendezentrum auf dem Mainzer Lerchenberg betreibt das ZDF ein Hauptstadtstudio in Berlin sowie 16 Inlands- und 18 Auslandsstudios.

Der Etat der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalt für 2001 liegt bei rund 3,5 Milliarden Mark (1,79 Mrd Euro). Für 2000 verbuchte der Sender ein Defizit von 251,5 Millionen Mark. Das ZDF finanziert sich wie auch die ARD aus einer Mischung von Rundfunkgebühren und Werbung. Von den 31,58 Mark monatlichen Gebühren pro Zahler erhält das ZDF 7,84 Mark. Der Gebührenanteil an den Einnahmen liegt zur Zeit nach Angaben des Senders bei knapp 84 Prozent, der Anteil aus der Werbung bei knapp 11 Prozent. Der Rest sind sonstige Einnahmen wie Lizenzverkäufe, Zinserträge, Mieten und Pachten.

Laut Programmauftrag muss das ZDF eine ausgewogene Mischung aus Information, Kultur, Unterhaltung und Beratung bieten. Im Rennen der privaten und öffentlich-rechtlichen Fernsehsender um Einschaltquoten lag das ZDF im Jahr 2000 mit einem durchschnittlichen Jahresmarktanteil von 13,3 Prozent auf Platz drei. Vor dem ZDF landeten ARD und RTL, die laut GfK-Fernsehforschung beide auf 14,3 Prozent kamen.

Das ZDF wurde 1961 als zweite öffentlich-rechtliche Sendeanstalt neben der ARD gegründet, 1963 begann der Sendebetrieb. Dem war ein langwieriger Streit zwischen Bund und Ländern vorausgegangen. Die Bundesregierung unter Konrad Adenauer (CDU) plante einen Privatsender mit großem Einfluss des Bundes. Mehrere SPD-regierte Länder klagten dagegen vor dem Bundesverfassungsgericht. Es entschied im so genannten ersten Fernsehurteil, dass die Rundfunkhoheit den Ländern obliege und der Einfluss des Bundes gegen den Grundsatz der Staatsferne verstoße.

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