Historischer Limes Der "Teufelswall" als Welterbe

Gestern hieß es aufatmen für Köln: Der Dom bleibt trotz nahe gelegener Hochhäuser Weltkulturerbe. Jetzt ist eine weitere historische Stätte Deutschlands für den kulturellen Adelstitel im Gespräch: der Limes, die antike Verteidigungslinie und Wirtschaftsgrenze der Römer.


Wachturm-Nachbau bei Weißenburg: Geschichte mit Grenzen
DPA

Wachturm-Nachbau bei Weißenburg: Geschichte mit Grenzen

Johannesburg - Er verband Rhein- und Donauregion und gilt als letztes großes Bollwerk der Römer gegen die vordrängenden Germanen im 2. Jahrhundert nach Christus. Der antike römische Grenzwall Limes mag den Vorfahren der Deutschen als "Teufelswall" erschienen sein, den es zu schleifen galt - heute ist er ein Kandidat für den Weltkulturerbe-Status.

Im südafrikanischen Durban haben Experten dem Welterbekomitee empfohlen, Europas größtes archäologisches Denkmal in die Liste der Unesco-Welterbe-Stätten aufzunehmen. Heute Abend soll die Entscheidung fallen. Nicht aufgenommen werden soll die Heidelberger Altstadt mit dem historischen Schloss; hier schlugen die Sachverständigen eine Verschiebung um ein Jahr vor.

"Der Zeitplan ist etwas durcheinander geraten, so dass heute bis 22 Uhr getagt wird", erklärte Andreas Thiel von der deutschen Limes-Kommission heute der Nachrichtenagentur dpa. Thiel rechnet damit, dass das Expertengremium den Empfehlungen folgen wird. Im Fall Heidelberg will die Unesco jedoch noch genauer prüfen, inwiefern Deutschlands älteste Universitätsstadt dem Einmaligkeitsanspruch gerecht wird.

Der 550 Kilometer lange Limes, der durch Rheinland-Pfalz, Hessen, Baden-Württemberg und Bayern verläuft, wäre die 28. Welterbestätte Deutschlands. Zu ihr gehört auch der Kölner Dom, dem noch bis gestern die Aberkennung des Welterbe-Status drohte, weil geplante und zum Teil schon gebaute Hochhäuser seine optische Gesamterscheinung beeinträchtigen könnten. Das Unesco-Komitee entschied aber gestern, dass der Dom vorerst nur auf der Roten Liste der gefährdeten Stätten bleibt und seinen Status damit zunächst nur für ein Jahr behält.

Bis heute Nachmittag war zunächst über ein Dutzend Aufnahmeanträge entschieden worden. Das Gastgeberland Südafrika freut sich über seine bisher siebte Welterbestätte, Vredefort, ein Meteoritenkrater von zehn Kilometer Durchmesser. Der Himmelskörper schlug vor rund zwei Milliarden Jahren auf der Erde ein und schuf damit einen der ältesten und größten Krater der Welt.



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