Holtzbrinck-Coup Altverleger drängt zurück ins Print-Geschäft

Der bewährte Macher soll's richten: Dieter von Holtzbrinck übernimmt "Handelsblatt", "Tagesspiegel" und die Hälfte der "Zeit" von seinem Halbbruder Stefan. Das Comeback belegt die Agilität der deutschen Altverleger - wie sie schon bei Neven DuMont und der "Berliner Zeitung" zu bestaunen war.


Stuttgart - Die Branche mag in der Klemme stecken, die Auflagen mögen einbrechen und die Werbekunden ausbleiben - für hiesige Printmedien heißt es dennoch: Wo Gefahr ist, wächst das Rettende auch. Konkret bedeutet das: Die deutschen Altverleger mischen sich wieder ins Geschäft ein. Und kaufen ein.

Altverleger Dieter von Holtzbrinck: "Aktuelle Medien, die online nicht stark sind, verspielen ihre Zukunft"
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Altverleger Dieter von Holtzbrinck: "Aktuelle Medien, die online nicht stark sind, verspielen ihre Zukunft"

Medienveteran Alfred Neven DuMont übernahm den Berliner Verlag von einer britischen Investorengruppe und wird somit, bald 82-jährig, Chef über Hunderte neuer Mitarbeiter. Jetzt hat der nächste Verlagsmäzen einen Coup gelandet: Dieter von Holtzbrinck, lange Jahre an der Spitze der Stuttgarter Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck, übernimmt die überregionalen Zeitungen und Zeitschriften des Verlags.

Der 67-Jährige kauft seinem Halbbruder Stefan damit unter anderem den "Tagesspiegel", die "Wirtschaftswoche" und das "Handelsblatt" sowie 50 Prozent der Wochenzeitung "Die Zeit" ab. Die Rückkehr kommt erst einmal überraschend. Mitte 2006 hatte Dieter von Holtzbrinck die Verlagsgruppe verlassen, um sein Vermögen "schrittweise in eine Familienstiftung zu überführen", wie es damals geheißen hatte. Wie der Branchendienst "Kress" erklärt, soll der Verleger bis zu 30 Millionen Euro als Auszahlung pro Jahr erhalten haben - Summen, die die Geschäfte der Verlagsgruppe "nachhaltig beeinflusst" und die Eigenkapitalbasis "erheblich geschwächt" hätten.

Mit seiner Rückkehr wird nun Stefan von Holtzbrinck entlastet, der unter den beiden Halbbrüdern weniger als Liebhaber des Printgeschäfts gilt - auch wenn er die regionalen Tageszeitungen behält, darunter "Lausitzer Rundschau" und "Trierischer Volksfreund", sowie 50 Prozent der "Zeit" und eine Reihe von Fachtiteln und Buchverlagen im Ausland. Stefan von Holtzbrincks Engagement galt zuletzt verstärkt dem Internet. Dies machte vor allem der Kauf des sozialen Netzwerks StudiVZ deutlich.

Investment-Surfer und Print-Kapitäne

In einem in eigener Sache veröffentlichen Interview in "Handelsblatt" und "Tagesspiegel" wies der Unternehmer Vorwürfe zurück, er habe sich an Netzinvestitionen verhoben. Man sei im vergangenen Jahr mit den verlagseigenen Internet-Medien "um 42 Prozent auf 250 Millionen Euro gewachsen", sagte Stefan von Holtzbrinck. Mit den strategischen Beteiligungen, zu denen StudiVZ, Parship und myPhotobook gehören, schreibe man schwarze Zahlen. Die Idee eines zukünftig reinen Internet-Unternehmens wies der Medienchef zurück: "Wir werden immer auch ein Print-Unternehmen sein."

Nach seiner neuen Rolle bei den Renommierzeitungen des Verlags gefragt, antwortete Dieter von Holtzbrinck, er sei ein Vertreter "dezentraler Führung". Er sehe seine Aufgabe mehr als die eines "aktiven Aufsichtsrates, der zugleich Sparringspartner für meine Kollegen ist".

Im Falle der in letzter Zeit publizistisch wie finanziell erstarkten "Zeit" werden man einen fünfköpfigen Aufsichtsrat einrichten, der grundsätzliche Entscheidungen treffen werde. Der Rat werde paritätisch von beiden Seiten der Familie besetzt, das fünfte Mitglied werde gemeinsam bestellt. Ihm sei wichtig, dass die "Qualitätsmedien, an deren Ausbau ich jahrelang mitgewirkt habe und denen ich mich verpflichtet fühle, eine gute Zukunftsperspektive behalten".

Zum ewig kriselnden "Tagesspiegel" sagte Dieter von Holtzbrinck, das Blatt müsse "die Hauptstadt-Zeitung bleiben. Das ist seine Basis. Schon heute gehört er zu den meistzitierten Tageszeitungen Deutschlands". Sein Ziel sei es, dem "Tagesspiegel" "langfristig eine weiter zunehmende überregionale Bedeutung zu verschaffen." Ein überregionaler Ausbau des Printgeschäfts sei allerdings "ein Generationenthema", sagte der 67-Jährige - er schloss die Rückführung der Zeitungen unter die Ägide seines Halbbruders in der Zukunft nicht aus.

Über seine Einstellung zum Internet-Geschäft fand der renommierte Printmann salomonische Worte: "Mir ist völlig bewusst, dass Online ein zentrales Element unserer Marken ist", sagte Dieter von Holtzbrinck. "Aktuelle Medien, die online nicht stark sind, verspielen ihre Zukunft."

dan/ddp



insgesamt 5 Beiträge
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...ergo sum, 26.03.2009
1. Erklärung ?
Was zeichnet diese Beiden vor den anderen Zeitungsverlegern aus ? Soll ich als Bürger jetzt mit jedem Namen in D etwas anfangen müssen ? Bin ich Wiki ?
rabenkrähe 27.03.2009
2.
...... Verlegerische Verantwortung, daß ich nicht lache. Die Verlage haben sich totfusioniert, die Medien sind zu teuer, zu uninteressant und einfallslos. Es fehlen Sendungsbewußtsein, Visionen und Leserverbundenheit. Große Medien entstehen heute auf dem Reißbrett, sie sind geplant, wie im Finanzamt. Und damit wird kein Leser mehr hinter dem Ofen hervorgelockt. rabenkrähe
Mirandelle^^ 30.03.2009
3. naja...
wenn sie nun noch Harry Rowohlt zur Kolumne wieder einstellen, besteht zumindest für die Zeit noch Hoffnung...
Hartmut Dresia, 30.03.2009
4.
Publikationen sind nicht einfach nur Produkte, die beliebig ersetzt werden können. Es ist eine wichtige verlegerische Aufgabe Printmedien und elektronische Medien sinnvoll miteinander zu verbinden.
wunhtx 30.03.2009
5. Printbranche - Internetausgaben kostenpflichtig
Die Printbranche wird zum Auslaufmodell. Das Internet ist eine kostenlose Informationsstelle und alles was von einer gewissen Wichtigkeit ausgeht, kann ich im Netz lesen. Dies dürfte aber den Niedergang der Printmedien nur beschleunigen. Das Grundproblem liegt schon im Elternhaus. Wer nicht gelernt hat, ein Buch zu lesen, wird auch selten Zeitungen lesen. Ob man in Foren Beiträge liest, die oft den Hintergrund eines Vorganges nicht erfassen und dafür die Pöbeleien aus Talkshows und Stellungsnahmen vor der Camera als Mittel der Informationsweitergabe verwenden, wer sich nicht mit einem Sachverhalt befasst, auch gute Printmedien kauft, unterliegt dem "Scharm der Verzerrungen". Leider sind immer mehr Menschen nicht willens sich mit Hintergründen zu gefassen. Man überläßt anderen das Denken. Man braucht dann eben weder einen Artikel, noch einen Kommentar. Persönlich bin ich für den kostenpflichtigen Zugang bei allen Redaktionen, die Printmedien vertreiben. Gleichzeitig habe ich allerdings auch die Sorge, dass dann bei uns kaum noch jemand sich informiert.
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