Horst-Mahler-Interview Arno Lustiger zeigt "Vanity Fair" an

"Dafür soll sie büßen": Nach dem umstrittenen Interview mit dem Rechtsextremisten Horst Mahler hat der Publizist Arno Lustiger die Zeitschrift "Vanity Fair" angezeigt. Michel Friedman verteidigte unterdessen das von ihm geführte Gespräch.


Berlin - Der Historiker Arno Lustiger sagte, es sei "ein Skandal", dass die Zeitschrift "Vanity Fair" ein Interview mit dem bekennenden Neo-Nazi Horst Mahler auf den Titel gehoben habe. "Dafür soll sie büßen", sagte Lustiger der dpa. Der Historiker, selbst ein Überlebender des KZ Auschwitz, verklagte deswegen den Chefredakteur Ulf Poschardt und den Herausgeber Bernd Runge wegen Volksverhetzung (Paragraf 130 des Strafgesetzbuches). Horst Mahler und Michel Friedman, der Interviewete und der Interviewer, seien ihm dagegen "völlig egal".

Screenshot des Horst-Mahler-Interviews in "Vanity Fair": "Dafür sollen sie büßen"

Screenshot des Horst-Mahler-Interviews in "Vanity Fair": "Dafür sollen sie büßen"

In dem von Michel Friedman geführten Interview werde mehrfach der Holocaust geleugnet, heißt es in der Anzeige, die der dpa in Berlin vorlag. Mahler hatte das Interview mit "Heil Hitler, Herr Friedman" begonnen und Nazi-Gedankengut vertreten. Nach dem Interview hatte Friedman Mahler wegen Volksverhetzung angezeigt.

Von Poschardt gab es bisher zu der Anzeige keine Stellungnahme. Im Editorial der aktuellen Ausgabe verteidigt er allerdings das Interview. "In einer Zeit, in der rechtes Gedankengut auch bürgerliche Schichten erreicht, muss die Auseinandersetzung mit den Feinden der Demokratie mit Mitteln der Aufklärung geschehen", schreibt er darin. "Meinungsfreiheit ist dafür unverzichtbar."

Auf die Frage "Soll man so ein Interview veröffentlichen?" hatte das Magazin in einer offiziellen Stellungnahme zuvor geantwortet: "Man muss es drucken. Unser Interview zeigt, wie wenig Wahrheit der rechte Wahn enthält, selbst bei einem angeblichen Intellektuellen wie Mahler. Wir veröffentlichen dieses Interview, weil wir glauben, dass es eine bessere Bloßstellung der deutschen Rechtsextremen nie gegeben hat auch, wenn Mahler darin Dinge sagt, die in Deutschland verboten sind: Er leugnet den Holocaust und benutzt den Hitler-Gruß."

TV-Moderator Michel Friedman verteidigte unterdessen sein umstrittenes Interview gegen die teils heftige Kritik: "Ich kann die Kritik verstehen, dennoch ist es meine journalistische Pflicht, das Unappetitliche zu vermitteln", sagte Friedman der "Jüdischen Allgemeinen Wochenzeitung". "In Deutschland gibt es viele Menschen, die ähnlich denken wie Mahler, nur formulieren sie es oft eleganter und softer", fügte Friedman hinzu.

Mahler droht indes nach Veröffentlichung des Interviews ein neues Ermittlungsverfahren wegen Volksverhetzung. Die Staatsanwaltschaft Landshut prüft daher die Einleitung eines entsprechenden Ermittlungsverfahrens, wie ein Behördensprecher dem "Münchner Merkur" sagte.

Das Interview war den Angaben zufolge bereits Anfang Oktober in einem Hotel am Münchner Flughafen geführt worden. Friedman selbst hatte unmittelbar nach dem Gespräch Anzeige gegen Mahler erstattet. Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann kritisierte Friedman scharf: "Ich wundere mich, dass Herr Friedman das Interview fortgesetzt hat, nachdem ihn Horst Mahler mit 'Heil Hitler' begrüßte. An dieser Stelle hätte Friedman das Interview abbrechen müssen", sagte der CSU-Politiker der Zeitung. "Selbst wenn Herr Friedman bei der Veröffentlichung die gute Absicht gehabt hat, die hässliche Fratze des Neonazismus aufzuzeigen und sie den Menschen vor Augen zu führen, halte ich es doch für einen Irrweg, einem verwirrten Rechtsextremisten wie Horst Mahler ein solches Forum zu geben", sagte Hermann.

Unterstützung erhielt Friedman dagegen von FDP-Generalsekretär Dirk Niebel. Der der "Jüdischen Allgemeinen Wochenzeitung" sagte Niebel: "Interviews mit armseligen Gestalten wie Horst Mahler zu verbieten, wertet sie unnötig auf. In diese Falle sollten selbstbewusste Demokraten nicht treten." Wer Rechtsradikale politisch bekämpfen wolle, müsse der Bevölkerung die Möglichkeit geben, deren menschenverachtende Vorstellungen zu erkennen.

hoc/dpa/AP



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