Architekt der Louvre-Pyramide I. M. Pei ist tot

Er galt als "Meister des Lichts" und als einer der bedeutendsten Architekten der Gegenwart: Nun ist I. M. Pei im Alter von 102 Jahren gestorben.

Eric Feferberg/ AFP

Der chinesisch-amerikanische Star-Architekt I. M. Pei ist tot. Das habe sein Sohn Chien Chung Pei mitgeteilt, berichtete zuerst die "New York Times". Demnach starb der Architekt in der Nacht zu Donnerstag. Er wurde 102 Jahre alt. Auch die "Washington Post" meldete den Todesfall: Demnach bestätigte ein Sprecher von Peis Firma die Meldung.

I. M. Pei galt als einer der bedeutendsten Architekten der Gegenwart. Er hat unter anderem den Ostflügel der National Gallery of Art in Washington entworfen, die Rock and Roll Hall of Fame in Cleveland - und die Glaspyramide am Louvre in Paris.

Der 21 Meter hohe Glasbau, über den Besucher in die bombastische Kunstsammlung eintauchen, ist zusammen mit der Mona Lisa und der Venus von Milo zu einem der wichtigsten Gründe geworden, warum Millionen Besucher pro Jahr zum Louvre strömen. Wegen seiner raffinierten Lichtführung in den darunter liegenden Museumstrakt wurde Pei als "Meister des Lichts" bekannt.

Glaspyramide am Louvre in Paris
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Glaspyramide am Louvre in Paris

Ieoh Ming Pei wurde 1917 im südchinesischen Guangzhou geboren. Er wuchs in Hongkong und Schanghai in einer wohlhabenden Familie auf und kam früh mit der westlichen Kultur in Berührung. Mit 17 Jahren zog er in die USA. Dort lerne er an den besten Adressen die Kunst des schönen Bauens: 1935 schrieb er sich an der University of Pennsylvania ein, ehe er am Massachusetts Institute of Technology in Cambridge und 1946 in Harvard Abschlüsse in Architektur machte.

"... dass man das Leben verstehen muss, wenn man Architektur verstehen will"

An der Harvard Graduate School of Design gehörten die Bauhaus-Meister Marcel Breuer und Walter Gropius zu seinen Dozenten. "Von Breuer habe ich gelernt, dass man das Leben verstehen muss, wenn man Architektur verstehen will", sagte Pei später dem SPIEGEL. Gropius wiederum beurteilte die Abschlussarbeit des jungen Architekturstudenten als "die beste Studentenarbeit, die ich je gesehen habe".

I. M. Pei 2006 bei einer Preisverleihung in Luxemburg
DPA

I. M. Pei 2006 bei einer Preisverleihung in Luxemburg

Als der Zweite Weltkrieg seine Rückkehr nach China verhinderte, waren Boston, New York und Los Angeles bald seine neuen Arbeitsplätze. Mit der amerikanischen Staatsbürgerschaft in der Tasche, schuf er städtische Projekte wie das Mile High Center in Denver, Colorado (1955), den neu gestalteten Hyde Park in Chicago (1959) und den Place Ville-Marie in Montreal (1965). Nach Anfängen beim New Yorker Unternehmen "Webb & Knapp" eröffnete er dort seine eigene Firma "I. M. Pei & Partners".

Der gläserne Erweiterungsbau des Deutschen Historischen Museums in Berlin (hier 2003) stammt ebenfalls von I. M. Pei
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Der gläserne Erweiterungsbau des Deutschen Historischen Museums in Berlin (hier 2003) stammt ebenfalls von I. M. Pei

Es folgten prestigeträchtige Aufträge wie der Ostflügel der National Gallery of Art in Washington (1978) und die Bibliothek für den ermordeten Präsidenten John F. Kennedy in Boston (1979). Mit dem Ruhm aus den USA im Rücken kehrte er mit seiner Frau Eileen Loof, die er schon aus Studienzeiten kannte und mit der er drei Söhne und eine Tochter hatte, für einige Projekte nach China zurück. Die Familie reiste häufig zusammen, um den immer berühmteren Architektenvater und Ehemann bei seinen Aufträgen zu begleiten.

"Ieoh Ming Pei hat diesem Jahrhundert einige seiner schönsten Innenräume und äußeren Formen gegeben", urteilte eine achtköpfige Jury, die ihm 1983 den renommierten Pritzker-Preis verlieh. "Seine Vielseitigkeit und sein Können beim Materialgebrauch nähern sich dem Niveau von Poesie."

aar/dpa/Reuters

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