Ifa-Historie Attraktionen unterm "Langen Lulatsch"

Die Ifa - neben der Autoausstellung IAA die älteste deutsche Industriemesse - hat sich in den 77 Jahren ihres Bestehens von einer eher bescheidenen Ausstellung zu einem Milliarden-Markt und zu einem weltweiten bedeutenden Termin für die Präsentation technischer Neuheiten entwickelt.


Werbeplakat zur ersten "Großen Deutschen Funkausstellung", die 1924 in Berlin stattfand

Werbeplakat zur ersten "Großen Deutschen Funkausstellung", die 1924 in Berlin stattfand

Als 1924 die erste "Große Deutsche Funkausstellung" im Haus der Funkindustrie in Berlin ihre Pforten öffnete, war von Stars, Glanz und Glamour keine Spur zu finden. Auch Sensationen gab es wenig zu bewundern - stattdessen präsentierten die 242 Aussteller rund ein Jahr nach Beginn des Radio-Sendebetriebs verschiedene Detektor-Geräte, Röhren-Rundfunkempfang und Kopfhörer. Doch fehlender Glamour hin oder her, immerhin kamen schon damals 180.000 Besucher zu der Messe. 1926 wurde das heutige Wahrzeichen - von den Berlinern liebevoll der "Lange Lulatsch" genannt - eingeweiht, und es gab die erste Live-Rundfunksendung vom Messegelände.

Albert Einstein bei der Ifa 1930: Warnung vor gedankenloser Nutzung der Technik

Albert Einstein bei der Ifa 1930: Warnung vor gedankenloser Nutzung der Technik

Kein Geringerer als der Physik-Nobelpreisträger Albert Einstein eröffnete die Funkausstellung 1930: Mit mahnenden und später immer wieder zitierten Worten wandte er sich an die Messe-Besucher: Schämen sollten sich jene, die sich "gedankenlos der Wunder der Wissenschaft und Technik bedienen und nicht mehr davon geistig erfasst haben als die Kuh von der Botanik der Pflanzen, die sie mit Wohlbehagen frisst".

Die Nationalsozialisten stellten 1933 das Einheitsradio vor - den so genannten Volksempfänger, der für die Nazi-Propaganda später eine wichtige Rolle spielte. Von den insgesamt 700.000 Geräten aus dem schwarzem Kunstharz Bakelit wurden laut Chronik 100.000 bereits in den ersten Messetagen verkauft. Bis 1939 fand die "Große Deutsche Funkausstellung" jährlich in Berlin statt. Rekord waren 370 Aussteller und 360.000 Besucher.

Willy Brandt bei der Ifa 1967: Per Knopfdruck brachte er das Farbfernsehen auf den Weg

Willy Brandt bei der Ifa 1967: Per Knopfdruck brachte er das Farbfernsehen auf den Weg

In der Neuauflage nach dem Krieg startete die Funkausstellung 1950 in Düsseldorf. Später waren unter anderen auch Frankfurt am Main und Stuttgart Gastgeber. 1971 markiert einen weiteren Wendepunkt in der Geschichte: Auf der Messe präsentierten nun auch ausländische Anbieter ihre Produkte, so wurde die Veranstaltung zu dem, was sie heute ist: zur "Internationalen Funkausstellung", die im Zwei-Jahres-Rhythmus in Berlin stattfindet.

Der erste Kassettenrekorder wurde 1963 auf der Ifa vorgestellt, ein weiterer Höhepunkt war die Schau 1967: Per Druck auf den roten Knopf brachte Willy Brandt das Farbfernsehen auf den Weg. Mit Beginn des Privat-Fernsehens kamen auch die neuen Sender zur Ifa unter dem Funkturm - auch um bekannt zu werden.



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