Fotostrecke

Installation: Wohin fliegen sie denn?

Foto: Thomas Schröder

Imkerei-Installation Wohin fliegen sie denn?

Die Künstlergruppe "finger" betreibt eine Imkerei auf dem Dach des Museums für Moderne Kunst in Frankfurt. Ihr Honig ist in jeder Hinsicht ein Erfolgsprodukt.

Eine Biene, die in einem Stadtcafé um die Torte herumschwirrt, als "Kunst" zu bezeichnen, würde wohl mit dem Tippen des Zeigefingers an die Stirn kommentiert werden. Aber zwölf Bienenstöcke mit jeweils 50.000 bis 60.000 Bienen können ein "Kunstprojekt" sein, jedenfalls dann, wenn sie auf dem Dach des Museums für Moderne Kunst in Frankfurt/Main stehen.

Dort hat die Künstlergruppe "finger"  ihr Bienenprojekt installiert, zu dem es Führungen gibt, Workshops für Kinder und Vorträge. Am vergangenen Sonntag kamen rund 400 Besucher ins Museum zum "Honigfrühstück" mit "Museumshonig", und die beiden "finger"-Künstler Andreas Wolf und Florian Haas führten die Besucher im Halbstundentakt zu den fleißigen Produzenten aufs Dach. Dort erklärt ein Lehrpfad auf den Bienenkästen die Stadtimkerei - vom Lebenszyklus der Bienen, über die Ordnung in ihren Völkern bis zum Bienensterben. Und über die Zusammenhänge von Ökonomie, Stadtklima, Imkerei, Kunst und Kultur erfährt der Besucher auch viel Interessantes.

Kein Sozialarbeiterersatz

Ihre Stadtimkerei betreiben "finger"-Künstler seit 2007. Damals wurden sie in Frankfurt zu einem Projekt eingeladen, das mitten im Bahnhofsviertel in unmittelbarer Nähe eines Übergangswohnheims und dem "Tagestreff" für Obdachlose stattfand. "Finger" stellte einen Bienenstand mit vier Völkern auf und bezog die beiden sozialen Einrichtungen in die Arbeit der "Imkerei" mit ein.

150 Kilo Honig produzierten die Bienen in der kurzen Ausstellungszeit von Mai bis August. Ein Kilo ergibt vier Gläser und deren Verkauf bringt 16 Euro ein - ein schönes finanzielles Resultat eines Kunstprojekts.

"Wir verstehen uns nicht als Sozialarbeiterersatz", sagt Wolf, aber als Künstler einen praktischen Beitrag zur Gestaltung der Gesellschaft beizutragen, das sei ihr Interesse.

Seit sie 1998 "finger" gründeten, war der Ausgangspunkt für ihre Arbeit "das gemeinsame Interesse an Alltagskultur, Arbeit und an der Gestaltung von Gesellschaft". Dazu publizierten sie Beiträge in ihrer Zeitschrift "finger" oder schrieben den Wettbewerb "Evolutionäre Zellen" aus, in dem Gruppen, Vereine, Unternehmen und Personen ihr Engagement für neue Wege der Gesellschaftsgestaltung präsentierten.

Imkerboom in Frankfurt

Dann kam die Stadtimkerei. "Einen kleinen Imkerboom haben wir in Frankfurt ausgelöst", sagt Haas, und dabei habe man wahnsinnig viel gelernt. Weitergegeben wird das Wissen im Produktions-, Verkaufs-, Informations- und Schauraum des Bienenprojekts und vor Ort bei den Führungen zu den Bienenstöcken. Da kann man z.B. hören, dass es schon 2400 v. Chr. es eine organisierte Bienenhaltung gab oder dass Bienen und Honig lange vor Joseph Beuys "Honigpumpe" in der Kunst eine Rolle spielten.

"Das Nachdenken über Tiere und ihre Umwelt ist immer auch ein Nachdenken über den Menschen und dessen Kultur", sagt Wolf. Und da kommt man zu erstaunlichen Erkenntnissen.

Bienen fühlen sich neuerdings in den Städten wohler als auf dem Land, Stadthonig schmeckt besser als Sortenhonig, der durch die Monokultur auf dem Land so einseitig ist. "In der Stadt dagegen blüht immer irgendwas", sagt Haas. Auf dem Land komme eine Blütenvielfalt nur noch am Feldrand vor, "aber da blüht's nur einmal, dann ist das Wüste für die Bienen". Außerdem sei es in der Stadt wärmer, städtische Anlagen und Gärten werden regelmäßig bewässert und es gibt weder Pestizide noch Gentechnik. Stolz ist man bei "finger" darauf, dass der Museumshonig in einer Qualitätskontrolle gerade so gut abschneidet, dass er sich bald "Ökohonig" nennen darf.

Bis Oktober 2010 werden die Bienen auf dem Museumsdach bleiben, in diesem Jahr gibt es zwar noch mehrere Vorträge, aber nur noch eine Führung und einen Bienenworkshop für Kinder, weil die Bienen jetzt angriffslustig werden. Gestochen würde übrigens bisher nur ein Fotograf, der seine Kamera direkt vor das Flugloch hielt.


"Das Museum, ein Bienenkorb. Die New Economy auf dem Dach des MMK. Ein neuer Produktionsstandort der Gruppe finger". Museum für Moderne Kunst,  Frankfurt/Main. Mai 2008 bis Oktober 2010. www.fingerweb.org 

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.