Fotografin und Verlegerin Inge Feltrinelli ist tot

Sie war eine der erfolgreichsten Fotografinnen der Fünfzigerjahre: Inge Feltrinelli hatte von Ernest Hemingway bis Gary Cooper viele Stars vor ihrer Linse. Jetzt ist die spätere Verlegerin verstorben.

Inge Feltrinelli
LAIF

Inge Feltrinelli


Die deutsch-italienische Verlegerin und Fotografin Inge Feltrinelli ist tot. Sie starb im Alter von 87 Jahren, wie der in Mailand ansässige Verlag Feltrinelli mitteilte.

Sie sei mit ihrem innovativen Blick eine "tägliche Inspirationsquelle" für den Verlag gewesen, der zu den bekanntesten in Italien gehört. "Wir können nicht anders, als uns an das außergewöhnliche Leben von Inge Feltrinelli angemessen zu erinnern, indem wir den Weg weitergehen, den sie einschlug", heißt es in der Mitteilung.

Inge Feltrinelli, geborene Schönthal, kam 1930 in Essen auf die Welt. Ihr Vater war Jude, 1945 musste sie deshalb das Gymnasium in Göttingen kurz vor dem Abitur verlassen. In Hamburg wurde sie Fotoreporterin für die Frauenzeitschrift "Constanze". Von dort ging Feltrinelli nach New York, wo ihr durch Zufall ein Schnappschuss von der zurückgezogen lebenden Greta Garbo gelang.

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Kurz darauf gelang ihr ein großer Scoop: Nach zwei Wochen erfolgloser Anrufe wurde sie zu Ernest Hemingway in seine Finca auf Kuba vorgelassen. Sie blieb zwei Wochen und schoss ihr wohl berühmtestes Foto: sie selbst, Hemingway und ein riesiger Schwertfisch.

1958 lernte sie in Reinbek den italienischen Verleger Giangiacomo Feltrinelli kennen und heiratete ihn. Sie machte Schluss mit der Fotografie und wurde die Seele des in Italien bekannten und unabhängigen Verlags, bei dem auf ihre Betätigung hin auch deutsche Schriftsteller wie Rolf Hochhuth und Günter Grass erschienen.

Ende der Sechzigerjahre ging Giangiacomo Feltrinelli, der sich als Kommunist bezeichnete, in den Untergrund. Die Ehe mit Inge kriselte, sie trennte sich von ihm. 1972 kam er bei einer Explosion ums Leben, bis heute ist unklar, ob es ein selbst verschuldeter Unfall oder ein Anschlag war.

Inge Feltrinelli übernahm den Verlag und führt ihn durch eine schwere Krise. Heute leitet ihn ihr Sohn Carlo. Sie selbst wurde mehrfach für ihr Werk ausgezeichnet, unter anderem mit dem Verdienstorden der Italienischen Republik.

kae/dpa



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